Raubtierkapitalismus

Die Google-Aktie ist auf Talfahrt gegangen. Warum sollte uns das zu denken geben? Der Gewinn ist soeben um fast zwanzig Prozent gestiegen, im letzten Quartal gab es 1600 Millionen Euro zu verteilen. Aber die verwöhnten fetten Hündchen, denen das Fressen in den Näpfen aufgetürmt wird, jaulen auf und kläffen im Depot herum, weil ihnen der Futtersegen nicht reicht. Weshalb? Sie haben gehört, daß die Zulieferer, die für den Freßnapfnachschub zuständig sind, für ihre Tätigkeit zuletzt ein klein wenig mehr von dem Fleischberg abbekommen haben und auch ein paar neue dazugekommen sind, die natürlich nicht hungrig zur Arbeit kommen sollen, sondern gern.

Jetzt sind unsere verhätschelten Tierchen sauer und bereit, alle wegzudrängen, die sich an »ihrem« Futter vergreifen wollen. Nun sind diese Köter keine wirklichen Raubtiere, sondern nur domestizierte Sofalöwen, aber sie haben doch Zähne, und wenn sie die auch meistens nur blecken, wenn es um ärmere Artgenossen geht, so ist durchaus zu erwarten, daß so mancher Arglose verletzt wird, wenn er den Futternäpfen der Börsenhunde zu nahe kommt, denn die können, wenn die Gier sie mal wieder blind macht, ganz schön um sich beißen. Das Ganze nennt man Raubtierkapitalismus.

2011

Der übliche Schwindel

Der Multimillionär Friedrich Merz warnt schon wieder: Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie ist in Gefahr (Focus).  In der Vergangenheit war in diesem Zusammenhang stets vom Bremsen beim Sozialklimbim und von Steuererleichterungen für Besserverdienende wie Friedrich Merz die Rede. Nach der jüngsten Steuerschätzung werden bereits wieder Bilder von leeren Kassen gemalt, und das demonstrative Nach-außen-Krempeln von leeren Hosentaschen kommt bei Reichen und ihren politischen Hofnarren wieder in Mode. Kennt man alles, wiederholt sich alles. Der übliche Schwindel. Merkwürdigerweise kann man am gleichen Tag auch etwas anderes lesen: FAZ. Wahrscheinlich die letzten Zuckungen vor dem Exitus.