Wissen und Wahrnehmen

Das Wissen darüber, was richtig und falsch, gut und böse, angemessen oder unangemessen ist, reicht nicht aus – wir müssen das Falsche auch wahrnehmen, einerlei ob es sich um unsere eigenen Fehler oder die Fehler anderer handelt.

Altruistische Wahrnehmungsbeschränkung

Besser ist es, im Nebel zu wandern, als mit einem Brett vorm Kopf herumzulaufen, denn je nach Dichte des Nebels und Perspektive des Betrachtenden bietet Nebel zwar keine sonderliche Farbigkeit, aber immerhin ein gewisses Maß an Transparenz.

Bretter hingegen leuchten hin und wieder in schönen Farben, aber das ist nur für den Betrachter von außen sichtbar, woraus folgt, daß jedwede Erheiterung in diesem Falle eine einseitige ist. Das Brett vorm eigenen Kopf nützt also höchstens den andern.

Nur unverbesserlichen Altruisten kann das Legitimierung und Trost bedeuten. Sie lieben ihre Bretter so sehr, weil sie den andern etwas Gutes tun wollen, völlig uneigennützig. Völlig uneigennützig?

Oder ist am Ende nicht gar so falsch, was Heinrich von Kleist dermaleinst schrieb, nämlich daß der Altruismus die versteckteste Form des Egoismus sei? 

Apperzeptionsdefizit

Allzu häufig gehen wir mit den Augenblicken unseres Lebens um wie Raucher mit dem Mittagessen: In Gedanken sind wir schon bei der Zigarette danach, und es gibt keine Verbindung zwischen unseren Sinnesorganen und unserem Bewußtsein.

Wahrnehmung

Glücklich ist, wer wahrnimmt, daß er glücklich ist. Man könnte meinen, viele Menschen wären glücklicher, wenn sie nur etwas bewußter durchs Leben gingen und sich nicht so sehr von dem medialen Tinnef ablenken ließen, der sie tagtäglich überflutet.

Aber leider würden auch viele ihr Unglück wahrnehmen, wenn ihr Bewußtsein nicht so getrübt wäre. In der Summe bleibt das vermutlich mindestens gleich.

Unglücklich ist, wer wahrnimmt, daß er unglücklich ist.

Über die Qualität der Realität

Einer sagte, die »Qualität der Realität« wäre »eindeutig verbesserungsbedürftig«. Soll ein Witz sein und heißt: Ich bin unzufrieden mit meiner Umgebung. Aber kann man der Realität überhaupt eine Qualität zusprechen? Jeder kennt doch das Bild von Eule und Nachtigall.

Die Realität als solche hat (außer für Platoniker) keine Qualität, die unabhängig wäre von ihrer Wahrnehmung. Qualität wird vielmehr von den einzelnen Wahrnehmenden immer nur in die verschiedenen oder gleichen Bilder hineinprojiziert, die sie sich selbst und die sich die vielen anderen von der Realität machen oder zu machen vorgeben.

In der Werbepause eines Fußballspiels hörte ich im Fernsehen jemanden, der Autos verkaufen wollte, sagen: »Autos sind toll …«

Das Leben ist schön.

Regeln

Wenn ich mich in der Öffentlichkeit äußere, muß ich damit rechnen, daß ein anderer öffentlich etwas dazu sagt. Dabei kann es vorkommen, daß mir das, was gesagt wird, mehr oder weniger gut gefällt. Das ist Risiko und Chance zugleich.

Zum einen kann durch den Kommentar des andern etwas deutlich werden, von dem ich (zum Beispiel aus Gründen der Eitelkeit) nicht möchte, daß es deutlich wird. Zum anderen aber kann mir klar werden, daß ich nicht genügend nachgedacht habe über dieses oder jenes. Ich habe also Gelegenheit, etwas dazuzulernen.

In jedem Falle entspricht es meinem Demokratieverständnis, alle zu Wort kommen zu lassen, die anderer Meinung sind als ich selbst, solange sie ihre Meinung sachlich oder polemisch, ironisch, süffisant oder sonstwie originell äußern. Persönliche Angriffe, Beschimpfungen und Beleidigungen kann ich, muß ich jedoch nicht dulden, wenngleich auch solche manchmal sinnvollerweise geduldet werden sollten, weil sie sichtbar und für die Mehrheit nachvollziehbar auf ihre Urheber zurückfallen und deren Gedankenarmut deutlich werden lassen. Denn persönlich beleidigende Angriffe sind normalerweise ein Zeichen fehlender Argumente oder eines Mangels an Argumentierfähigkeit. Oder auch nur eines Überschusses von Gallensekret.

So halte ich das auch hier auf meinem Blog. Hier darf jeder kommentieren, der etwas zu sagen hat, und auch jeder, der nichts zu sagen hat, aber auf originelle Art und Weise davon ablenkt, daß er nichts zu sagen hat. Ob das Gesagte sich mit meiner Meinung deckt, spielt dabei naturgemäß keine Rolle. Aber selbstverständlich muß jeder, der einen Kommentar abgibt, wissen, daß dieser Kommentar kommentierbar ist und von mir selbst oder von anderen kommentiert wird.

Persönliche Verunglimpfungen und Beleidigungen, die erkennbar über metaphorisch mehr oder weniger kunstvolle Charakterisierungen von Verhaltensweisen oder Haltungen hinausgehen, sind davon ausdrücklich ausgenommen. Sie werden entweder gelöscht, oder der Urheber wird gebeten, sich zu entfernen, und erst dann wieder zu erscheinen, wenn er meine Regeln hier respektiert. Auf seinem eigenen Blog kann er es halten, wie er will. Hier nicht.

Auf anderen Blogs erfahre ich manchmal, daß es Zeitgenossen gibt, die ganz andere Regeln haben. Und diese Regeln haben häufig eher totalitäre Tendenz. Sachliche Kritik ist nicht erwünscht, und bei Nichtbeachtung gibt es postwendend persönliche Beschimpfungen, Unterstellungen und dergleichen. Da merkt man schnell, daß diese Blogs nur der Selbstdarstellung und narzißtischen Bestätigungssucht dienen, und wenn man es nicht schnell genug merkt, dann läuft man Gefahr, verbal aufgeschlitzt oder in einen Betonmischer gesteckt zu werden. Nun ist ja mein Fell härter, als es die Spielzeugmesser sind, mit denen an solchen Orten herumgefuchtelt wird, aber unästhetisch ist das Ganze dennoch.

Wenn man sich dann, schon aus hygienischen Gründen, aus dem „Gespräch“ von solchen Orten zurückzieht und das ausdrücklich in einem letzten Kommentar, explizit, vermerkt, muß man aber damit rechnen, daß einem noch jede Menge verbale Steine hinterherfliegen. Manchmal wird es sogar spaßig, wenn man, nachdem man sich schon weit entfernt hat, noch zu hören bekommt, man solle endlich Ruhe geben.

Doch ich verstehe das Bedürfnis. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, für die andern.

Was ich nicht verstehe, ist, daß man einen Ruhigen auffordert, Ruhe zu geben.

Ein Wahrnehmungsproblem.

Wahrnehmung und Bewußtsein

Wir alle leben im Dunkeln. Das Sonnenlicht als Quelle der Offenbarung ist nichts als eine Widerspiegelung unseres Bewußtseins, gewissermaßen eine optische Täuschung. Was uns den Weg erhellt, ist einzig und allein das von den Sinnen gefütterte Bewußtsein, das sich durch die sinnliche Wahrnehmung seiner selbst bewußt wird. So was wie ein kosmischer Zerrspiegel des Überkosmischen.

Repetitive Wahrnehmungsdiagnostik

Alles Repetitive verändert die innere Wahrnehmung, vorausgesetzt, es beinhaltet minimale Veränderungen und wird über einen längeren Zeitraum ausgedehnt. Dann entsteht in der Wahrnehmung so etwas wie die Reflexion des Raum-Zeit-Kontinuums. Man muß sich nur die Zeit nehmen und den Raum geben, die Zeit als Raumzeit wahrzunehmen, und so lange warten, bis man die Wahrnehmung nicht mehr als Wahrnehmung wahrnimmt. Und das über einen längeren Zeitraum. Man kann das auch Meditation nennen, wenn man will.