Grün und weiß

Ich finde es in höchstem Maße amüsant, wie so manche Heranwachsende versucht, von der vielen grünen Farbe hinter ihren Ohren abzulenken, indem sie gedankenlos (oder soll man sagen hirnfrei?) von „alten weißen Männern“ daherredet. Liebe junge Frauen, hübsch oder weniger hübsch, glaubt ihr wirklich, das Grüne hinter euren Ohren verflüchtige sich, wenn ihr Farbadjektive auf andere anwendet? So wie ihr das tut, ist das nicht nur kein Argument, sondern nichts weiter als eine primitive Melange von Rassismus, Diskriminierung und Vorurteil. 

 

Skeptisch-auktoriale Variation

Wenn er unvoreingenommen auf die Fülle von Ismen schaut, die ihn umgeben und werbend oder fordernd seine grauen Zellen umkreisen, dann fällt ihm auf, daß es nur einen Ismus zu geben scheint, der der freien Entfaltung seines Denkens förderlich ist. Das ist der Organismus.

Alle anderen, zumal als »Bewegung« oder Richtungszeichen, sind dem eigenen Denken eher abträglich und behindern die Konzentration der Gedanken mehr, als sie sie befördern. Sein Kopf wird nicht frei, wenn er sich in der Nähe von Ismen aufhält, denn in der Nase stört dieser metallische Geruch des blutbesudelten, aber nach wie vor sehr lebendigen Vaters aller Ismen: des Dogmatismus. 

Da sitzt er nun mit seiner Illusion der Unvoreingenommenheit, die in Wirklichkeit nur ein kleiner Schritt ist, ein Augenaufschlagen, das vielleicht irgendwann mal zu einer eigenen Sicht auf sich und die Welt führen wird, heraus aus den interessegeleiteten Vorurteilen und hinein, ja wohinein?

Er weiß es nicht. 

Und ich, der ich ihn dort hingesetzt habe, ich weiß es ebensowenig. Aber es ist ein Anfang.

Trunkenheit im Wortverkehr

Wenn einer betrunken ist von Ideologemenbowle oder Moralinpunsch, ist er, nüchtern betrachtet, rauscheuphorisiert und nicht zur sachlichen Betrachtung und Beschreibung der Dinge und noch viel weniger seines eigenen Zustandes bereit und in der Lage. So geht es den meisten von uns, wenn wir unsere in ideologisch gedüngtem Boden gewachsenen Vorurteile in Diskussionen oder Debatten hätscheln oder hätscheln lassen.

Die meisten Diskussionen sind Gewächshaustratsch.

Über Denken und Meinen

Wenn eine Meinung in einem urteilsfähigen Kopf entsteht, haftet ihr eine wie auch immer geartete Plausibilität an, und die Meinung ist ernst zu nehmen. Der Grad der Plausibilität ist jedoch stets abhängig vom Grad der Durchseuchung dieser Meinung mit Vorurteilen, von denen niemand ganz frei ist. Und wer glaubt, seine Urteilsfähigkeit sei so rein wie Quellwasser, der unterliegt einem Vorurteil.

Wenn eine Meinung in einem vorurteilsfähigen Kopf entsteht, haftet ihr wenig Plausibilität an, und die Meinung ist nicht sonderlich ernst zu nehmen. Der Grad der Plausibilität ist jedoch stets abhängig vom Grad der Durchseuchung dieser Meinung mit plausiblen Urteilen, von denen niemand ganz frei ist. Und wer glaubt, die Vorurteilsfähigkeit anderer sei so rein wie Quellwasser, der unterliegt einem Vorurteil.

Wir sollten also nicht nur denken, bevor wir etwas sagen, sondern auch genau hinschauen, auf welchen Prämissen dieses Denken beruht.

Nur wer sein eigenes Denken bedenkt, kann saubere Meinungen produzieren. Das ist mit Sicherheit kein Vorurteil.

Die eigene Meinung

Daß so viele Menschen aber auch so wenig Zutrauen zu der eigenen Meinung haben – kaum widerspricht man ihnen höflich und vorsichtig und erklärt, warum, da schreien sie gleich Zeter und Mordio und behaupten, man wolle ihnen etwas einreden und die eigene Weltanschauung als objektive Wahrheit deklarieren. Lustig ist das vor allem dann, wenn man versucht, andere, die ihre subjektive Wahrheit als objektive setzen und das nicht bemerken, auf diesen Umstand hinzuweisen. Dabei ist Kritik doch nur Anregung zum Denken. Na ja, eben. Kein Schmiermittel zur Vorurteilspflege. Aber das bekommen sie doch zuhauf, wenn sie mit Gleichgesinnten reden. Wieso nur erwarten sie das von mir? Harmoniebedürfnis in Ehren, aber wenn ich nur mit Gleichgesinnten spräche, würde ich noch kleinere Gedankenkrümel produzieren.