Eigenständigkeit

Die Meinung, die in unserem Kopf entsteht, ist häufig der Ausdruck unserer Interessen. Nicht selten aber sind die Interessen, die wir vertreten, Ausdruck unserer Meinung. Das Ganze ist ein buntes Wechselspiel, das unsere Freiheit begrenzt und das jeder von Zeit zu Zeit unter die lupigen Linsen seines Urteilsvermögens legen sollte, wenn er eines hat, und dann mit Farbe, Pinsel und Palette ein wenig willkürlich eingreifen.

Solche Farbtupfer der Willkür sind Zeichen von Eigenständigkeit. Passende Malutensilien kann man sich überall ausleihen, scharfe Lupen leider nicht.

Da muß man es machen, wie einst Spinoza: Linsen schleifen.

Verhandlung

Das Falsche ist richtig, wenn das Richtige falsch ist. Aber nur dann. Die einzige Instanz, die beides auseinanderhalten kann, ist dein Urteilsvermögen. Aber wenn dein Urteilsvermögen auf falschen Prämissen beruht, dann ist das Falsche nicht richtig und das Richtige nicht falsch. Das solltest du bedenken, bevor du ein endgültiges Urteil fällst. Vor allem dann, wenn es so ist, daß eine Revision nicht zugelassen wird. Von der höheren Instanz. Und es gibt immer eine höhere Instanz – und sei es in deinem eigenen Bewußtsein, vor dir selbst verborgen. Sei es Gott oder das Schicksal. Aber das ist ja so ziemlich dasselbe. Also sei ein wenig vorsichtiger bei den internen Gerichtsverhandlungen. Aber wem sage ich das. Selbst Gott ist unvorsichtig. Oder sich seines eigenen Bewußtseins nicht bewußt. Und wenn er sich seines Bewußtseins bewußt wäre? Dann brauchte er uns nicht.