Selbstentwertung

Ich dachte, er sei Sprachwissenschaftler. Als er dann jedoch begann, mit dem Oszillieren herumzufuchteln, bis es überhandnahm und zum Blablaen verkam, wurde ich hellhörig, und spätestens dann, als er bei jedem zweiten Rechts- oder Linksabbiegen von Paradigmenwechsel fabulierte oder gar von paradigmatischer Wende, da wußte ich: Wieder nur ein professoraler Jargoneur, oszillierend zwischen Paradigmen und von dem je einen auf das je andre rekurrierend syllogierend. Das kann man mal machen – aber doch nicht ständig.

Zwischenweltler schreibt am 20.07.2011 um 14:26 Uhr:*grins*
Man könnte denken, Du berichtest aus dem Bundestag.


Lyriost schreibt am 20.07.2011 um 14:29 Uhr:Da sitzen sie auch. Aber meistens eine Ebene tiefer. 😉


Lyriost schreibt am 20.07.2011 um 14:44 Uhr:Sag mal, Zwischenweltler, bist du heute schon „abgeholt“ worden, um „auf Augenhöhe“ zu kommunizieren?


Zwischenweltler schreibt am 20.07.2011 um 15:02 Uhr:Nö, dazu schiebt man mir immer ein Bänkchen unter.

Anmerkung: Kommentare nachträglich wiederhergestellt.

Mini-Miszellen 4 – »Lawrow poltert«

»Lawrow poltert« in beinahe allen Medien in den Überschriften, und ich wundere mich darüber, daß es im dazugehörigen Text eher ruhig und sachlich zugeht. Über die Einheitlichkeit bei der Benutzung von Verben und Adjektiven (von den Nomen ganz zu schweigen), wenn es um den Ukraine-Krieg geht, wundere ich mich allerdings schon lange nicht mehr. Abgesehen davon, daß vieles ganz offensichtlich aus der propagandistischen Wortwahl des ukrainischen Botschafters entlehnt ist, zeigt das natürlich, wie weit der unbeugsame Wille zur Einseitigkeit gediehen ist und wie Mitläufertum bis in die Sprache hinein funktioniert.

Mini-Miszellen 3 – DUDEN

Daß man sich beim DUDEN mit der rechten Schreibung bisweilen schwertut, ist ja nun nichts Neues. Aber vier Fehlschreibungen auf einer kleinen Seite im DUDEN-Shop finde ich ein wenig zu üppig. Hätte man nicht vorher die preiswerte DUDEN-Sprachberatung (derzeit etwa zwei Euro pro Minute, exakt 1,99 Euro) konsultieren können? Vermutlich gibt es dort sogar einen noch günstigeren Haustarif. Ich gebe ja zu, daß es ohne Brille manchmal schwierig ist, ein Divis nicht mit einem Gedankenstrich zu verwechseln, und ein »x« von einem »u« leichter zu unterscheiden ist als ein »x« von einem »×«. Aber einen falschen Bezug sollte man mit einigem Nachdenken doch entdecken, und daß man »zweimal« von jeher zusammenschreibt und nicht getrennt, sollte jemand, der sich mit Sprache beschäftigt, wissen. Alternativ kann man den Text vor der Veröffentlichung notfalls einmal oder besser »zwei Mal« lesen.

DUDEN

Gesinne

Am meisten vermisse ich den Sinn beim Reden über den Sinn. Welch haltloses Geplappere ist das doch meistens, wenn Menschen vom Sinn sprechen, gar vom Sinn des Lebens. Man könnte dies Gerede als unsinnig bezeichnen, würde man nicht durch solche Wortwahl die Möglichkeit dessen einräumen, was im allgemeinen als Sinn bezeichnet wird. Tatsächlich könnte auch der Unsinn der wahre Sinn sein. Ja, »wahrer Sinn« – die bizarre Exotik der Sprache auf ihrem Höhepunkt. Ich bin mehr für sprachliche Erotik, etwa: das Rätsel des Seins oder die kryptischen Gestalten des Seienden.

Deutsche Sprache

Im allgemeinen interessieren sich die Deutschen recht ordentlich für Sprache, von der Sprache der Technik über die Sprache des Sports bis zu den Sprachen der Länder, die man zum Zweck der Hautfärbung aufsucht. Die Beschäftigung mit der eigenen Sprache jedoch überläßt der Durchschnittsdeutsche weitgehend den Redakteuren beim Duden, die Grimms kennt man nur als Märchenerzähler und den Paul als Papst. Ob das der Sprache guttut, weiß ich nicht so recht.

Hyperbolische Litotik

Einer gelungenen Hyperbel merkt man die Übertreibung nicht an, vielmehr nährt sie den Verdacht, es handle sich um eine litotische Aussage, etwa wenn man von einem Kurzdenker sagt, er halte sich für beinahe so intelligent wie Albert Einstein oder so schlau wie Helmut Kohl.

Wieder mal das gelbe Buch

Zugegeben, ich freue mich jedes Mal, wenn ich einen Fehler im Duden finde, nur leider vergesse ich meistens, mir das zu merken. Damit es mir diesmal nicht wieder durch die Lappen geht: Beim Wort »reagieren« erlaubt der Duden, im Gegensatz zu früheren Ausgaben und etwa auch zum neuesten Wahrig-Wörterbuch, nur noch die Trennung re-agieren. Die nach wie vor korrekte Silbentrennung rea-gieren gilt jetzt denen, die sich nach dem Duden richten – und das sind leider viel zu viele –, als falsch.

Wer allerdings im Duden die Wörter Reagenzglas oder Reagens nachschlägt, wird sich verwundert die Augen reiben, denn dort bleibt der Trennstrich hinter dem „a“ erlaubt: „Rea-gens“, „Rea-genzglas“ – was natürlich richtig ist. Nur: Kann beim „Reagieren“ falsch sein, was beim „Reagenzglas“ richtig ist, oder war man beim Duden mal wieder mit den Gedanken woanders, etwa hoch auf dem gelben Empfehlungswagen?

Form und Plastizität

Als Ideal: Jeden Satz schreiben, als müsse er für die Ewigkeit stehen.

Negativer Nebeneffekt solcherart gußeiserner Artikulation ist das statisch Abgekühlte, die Verharschung des Geschriebenen. Hier wird vorgeführt: die Geburt der Dogmatik aus dem Geiste des Idealismus, denn wer möchte schon an der Ewigkeit kratzen, gar an der eigenen. Dem Eitlen ein Greuel. Aber nichts außer der Ewigkeit ist ewig (und auch die nur vielleicht), das sollte klar sein, und wir tun gut daran, unsere kleinen Wörterwürmer nicht zu überschätzen. Sie haben, so kein Feuer ins Spiel kommt, bestenfalls die Halbwertszeit von Plastiktüten.

Bemühen um plastischen Ausdruck sollte dennoch selbstverständlich sein, und gerade das Wissen um die formwiderstrebende Plastizität alles Geschaffenen und damit die Endlichkeit aller Form sollte uns besonders anspornen.

Plastizität ist kein Ergebnis, kein Endprodukt, sondern für mich grundsätzlich die Kraft, die in der Natur wirkend die Evolution antreibt, was wir Menschen durch Mimesis zu ergänzen oder gar zu ersetzen trachten. Dabei sollten wir uns des Prozeßcharakters des Ganzen bewußt sein, was uns davon abhalten kann, unsere Kraft an Denkmälern (und der „Satz für die Ewigkeit“ ist eine Art Denkmal) für was auch immer zu verschwenden. Wenn der Bau von Denkmälern überhandnimmt, beginnt das Leben zu veröden.

In der Natur trägt die zur Form geronnene Plastizität den Keim ihrer Auflösung in sich und die Fähigkeit zur Formwandlung. Das sollten wir nicht durch die Erfindung immer neuer Betonsorten zu konterkarieren trachten.

Warum nicht die Form ebenso bejahen wie ihre Fähigkeit, sich zu wandeln oder aufzulösen? Ich sehe da keinen künstlich erzeugten Widerspruch, allenfalls eine grundlegende Paradoxie allen Seins.

Man kann sich natürlich auch hinlegen und warten, bis es vorbei ist.

metepsilonema

Anbiederungsseuche 

Wollte man großzügig und milde sein, dann käme man zu dem Schluß, die Worte des großen Thomas Bernhard seien so bezwingend, daß sie die Sprache eines jeden okkupierten, der sich beschreibend seinem Werk nähert. Doch wenn man, ganz im bernhardschen Sinne, weniger naiv und rücksichtsvoll ist, dann fällt auf, es ist wie eine Seuche: So ziemlich jeder, der über Bernhard schreibt, beginnt nach kurzer Zeit, sich mit einer dezenten Imitation des repetetiven Duktus anzubiedern, den wir von dem verhinderten Nebenerwerbslandwirt aus Oberösterreich kennen. Und überall kullern die »naturgemäß« aus den Sprachschablonen, daß es nur so kracht. Und selbst dort, wo es augenzwinkernd geschieht, bleibt ein fader Geschmack nach kumpelhaftem Getue und eitler Selbsterhöhung. Gräßlich. 

Falsche Floskeln

Heute hörte ich
man müsse allen Wurzeln
entgegentreten

des Antisemitismus
blasse Metapher und falsch

man tritt drauf und viel besser
solche Wurzeln reißt man raus

Rat für deutsche Rechtschreibung

»Der Rat ist die maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung …«

Der Rechtschreibrat, die »maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung«, hat unlängst einen Bericht über seine Arbeit von 2006 bis Oktober 2010 herausgegeben. Ich hab den mal kurz überflogen und festgestellt, daß sich der Rat mit der Erstellung von Texten nicht besonders gut auskennt – so sind Wortzwischenräume bei Überschriften uneinheitlich, bei Prozentangaben fehlen sie gänzlich (5%), statt Klammerhierarchien gibt es mehrere runde Klammern hintereinander, Punkte bei Aufzählungen mit römischen Ziffern stehen nicht untereinander, häufig werden Gedankenstriche und Bindestriche verwechselt usw.

Es gibt falsche Silbentrennung (»Zeile-nende« statt »Zeilen-ende«, »deutsch-er« statt »deut-scher«), Kommata, wo keine hingehören, aber auch schon mal einen Relativsatz ohne Komma, stilistische Merkwürdigkeiten:

»Diese Diskussion ging aus von der erneuten und vertieften Beschäftigung des Rats mit dem im Regelungsvorschlag von 2006 von den vom Rat initiierten Veränderungen nur am Rande berührten Bereich der Groß- und Kleinschreibung.«

An diesem Satz kann man sehen, daß sich kein Sprachpraktiker – also Lektor, Korrektor, Schriftsteller – vor der Veröffentlichung mit ihm befaßt hat. Das Sagen im Rechtschreibrat haben in erster Linie beamtete Sprachverwalter und Theoretiker, »in Sonderheit« Pfleger der knisternden Nominalphraseologie.

Im Bericht findet man Redundanzen (»in diesem Bereich … in diesem Bereich« – »in Sonderheit … in Sonderheit«), umgangssprachliche Ausdrücke statt standardsprachliche (»von vorneherein« statt »von vornherein«), falsche Schreibung von Wörtern (»daran gegangen« getrennt statt richtig wie von jeher »darangegangen«), die Schreibweise »Orthographie« neben »Orthografie«, grammatikalische Fehler (Beispiel: »… das sich auf bestimmten Bereichen bezog …«, »die gebildeten Wörtern«, die »Darstellung wurden wiedergegeben«, »Eidgenössisches Finanzdepartements« statt »Eidgenössisches Finanzdepartement«). Nichts gegen den Genitiv, aber nicht um jeden Preis(es).

Die Schreibung nach Doppelpunkten, groß oder klein, ist nicht immer regelkonform, und es gibt falsche Pluralbildung (etwa »Nominationsstereotypen« statt, wie es korrekt wäre, »Nominationsstereotype«).

In summa: Der Rechtschreibrat wäre gut beraten, sich von einem schriftkundigen Menschen beraten zu lassen, bevor er Texte für die Öffentlichkeit freigibt.

Schule des Schreibens

»Lieben Sie gute Filme und Sie wollten schon immer mal ein interessantes Drehbuch dafür schreiben? Einmal nur die Handlung einer fiktiven Geschichte selbst beeinflussen? Das muss kein Traum mehr bleiben!

Der Markt bietet eine Menge schlechter Drehbuchvorlagen. Das liegt oft nicht am fehlenden Talent, sondern daran, dass den kreativen Köpfen die richtige Ausbildung dafür fehlt. Zeit dass sich daran etwas ändert! Vielleicht sind Sie ja ein unentdecktes Talent und wissen es nur noch nicht?

Entdecken Sie Ihre Talente als Drehbuchautor mit einem Fernstudium der ›Schule des Schreiben‹. In insgesamt 6 speziellen Schreibkursen, erlernen Sie ganz ohne den üblichen Zeitdruck die hohe Schule des anspruchsvollen Schreibens. Während Ihrer gesamten Studienzeit werden Sie persönlich von fachkompetenten Studienlehrern betreut.

Denken Sie an Ihre Zukunft und nutzen Sie Ihre Chance!«

Soweit die »Schule des Schreiben(s)«, die vorgibt, Menschen gegen nicht unerhebliche Gebühr das Schreiben beibringen zu können. Schauen wir uns den Text mal an.

Erster Absatz:

Ein »interessantes« Drehbuch? Gibt es ein abgegriffeneres Adjektiv als »interessant«? Sollte ein Drehbuch nicht besser spannend, professionell, phänomenal, phantastisch, toll, fesselnd oder vielleicht faszinierend sein? Jemand, der andern sprachlich etwas beibringen will, sollte nicht so flachbrüstige Wörter verwenden. Und wieso »einmal nur«? »Das muss kein Traum mehr bleiben.« Schlechtes Deutsch durch und durch.

Zweiter Absatz:

»Der Markt bietet schlechte Drehbuchvorlagen«? Nein, auf dem Markt findet man sie, finden sie sich, oder dort werden sie angeboten. Daß »der Markt … bietet«, das liege nicht am fehlenden Talent, so heißt es. Gemeint ist, nicht der Mangel an Talent sei die Ursache, die schlechte Drehbücher zur Folge habe. Es fehle die richtige Ausbildung »dafür«. Wofür denn nur? Nirgendwo findet sich eine sprachliche Wendung, an der man mit dem »dafür« andocken könnte. Worauf bezieht sich das »dafür«? Auf Köpfe, auf Talent oder schlechte Drehbücher? Ich weiß es nicht. Ganz schlecht.

Dritter Absatz:

Talententdeckung »als« Drehbuchautor und dann noch »mit« einem Studium. Wie soll ich das verstehen? Sollte ich Talent »zum« Drehbuchautor haben, dann werde ich das möglicherweise »durch« ein Studium herausfinden. Aber eher nicht durch eines bei der »Schule des Schreiben«. Die »hohe Schule des anspruchsvollen Schreibens« kann man hier nicht »erlernen«, aber auch woanders kann kein Schüler »eine Schule erlernen«. Wohl aber das Setzen falscher Kommas wie hinter dem Wort »Schreibkursen«. Und das Ignorieren von Genitivkennzeichnungen: »Schule des Schreiben«.

Mal ehrlich: Wer möchte so unprofessionell belehrt werden?

An anderer Stelle heißt es: »Schreiben ist ein Handwerk, das jeder erlenern kann.« Erlenern. Ich finde, jeder, der andern das Schreiben beibringen möchte, sollte es zuvor selbst gelernt haben. Oder »gelenert«.

2010

Kindliche Naivität

Auf die Frage, was sie von Gendersternchen halte, sagte die mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Autorin Strobel, sie verstehe gar nicht, was alle gegen Sternchen hätten, und sprach von den Sternen am Himmel, die ja nun kein Herrschaftszeichen seien und so weiter blabla.

Vielleicht könnte man auch statt des Sterns einen kleinen Mond oder die liebe Sonne nehmen. Meine ich. Oder das kleine Häufchen von WhatsApp, das so schön dampft.

Nun ist es ja so, daß nicht »alle«, sondern nur eine Mehrheit der deutschsprachigen Menschen, die die Sprache in vielfältiger Weise nutzen, etwas gegen solcherart Wörter- und Satzverschandelung haben – und das nicht nur aus in der Sprachwissenschaft allseits bekannten guten Gründen.

Aber Sterne als Symbol von Herrschaftsfreiheit? Ich schaue beim Denken an Sterne als Symbole weniger in den Himmel, an dem wegen der Lichtverschmutzung, vieler Wolken und Gase aller Art ohnehin nicht mehr viele Sterne zu sehen sind. Ich schaue eher auf die Schulterklappen von Uniformen, auf denen mal weniger, mal mehr Sterne als Symbole von Macht und Status ihrer Träger blinken.

Soviel über naive Konnotationsverweigerung und semantische Einäugigkeit.

Antisemitismus unverstanden

»An einem Berliner S-Bahnhof haben Unbekannte einen der 29-Jährigen erst auf seinen Glauben angesprochen und dann mit Reizgas ins Gesicht gesprüht. Der Staatsschutz ermittelt.« So kann man bei »Spiegel online« lesen.

Im weiteren Text liest man dann etwas von einer »antisemitischen Straftat«. Wegen des »jüdischen Glaubens«. So einen Schwachsinn höre ich immer wieder, und so langsam reicht es mir. Ich frage mich: Wie ungebildet sind die Schreiber und Laberer eigentlich, die diesen Unsinn verbreiten? Wenn ich mich recht erinnere, geht es den Judenhassern heute ebensowenig um theologische Dinge wie den Nazis früher. Schon Hitler und seinen Konsorten ging es nicht um Glaubensdinge, sondern um »die Vernichtung der jüdischen Rasse«.

Also hört auf, von was anderem zu reden als »Rasse«, und Rassenhaß, wenn es um Antisemitismus geht, nur weil das Wort »Rasse« nicht mehr in euren weichgespülten Sprachgebrauch paßt.

Spiegel online

Ordnung

Es gibt viele Menschen, die den größten Teil des Tages damit beschäftigt sind, dafür zu sorgen, daß »alles seine Ordnung« hat, es jedoch völlig abwegig finden, auch nur einen winzigen Teil dieses Tages über Sinn und Charakter dieser Ordnung nachzudenken. Auch ich bin nicht ganz frei von dieser schlechten Angewohnheit, wenngleich bei meinen Bestrebungen die Ordnung der sprachlichen Zeichen im Vordergrund steht.

Gutmensch

»Gutmensch« ist ein Schmähwort des egoistischen Menschen, meistens benutzt, um weniger egoistische Menschen zu verunglimpfen. Gern laut gerufen, damit das unterdrückte eigene schlechte Gewissen, das sich bisweilen zögerlich meldet, übertönt wird. Annähernd synonym mit »Weltverbesserer«.

Umgangssprachlicher Krieg

Beim Ausdruck »umgangssprachlicher Krieg«, also bei der Bezeichnung dessen, was offen euphemistisch am besten temporäres Friedensdefizit genannt werden kann, findet sich eine Verschiebung des Euphemismus ins Attribut. Man möchte die verschleiernde Wirkung, ohne daß das Stilmittel, das für den Nebel sorgt, sofort sichtbar wird. Deshalb nennt man das Ding beim Namen, benutzt jedoch ein nebulöses weichspülendes Beiwort, hoffend, daß dieses dem harten Wort seine Kraft nimmt. So hat man alles gesagt und kann je nach Lage der Dinge seine Hände in Unschuld waschen.

Türk-Eis

Türkeis Premier Erdogan im Gespräch“, formuliert ZEIT online. Das klingt nicht nach geographisch-politischer Zuordnung, sondern eher nach einer neuen Eissorte. Spraches Anwender sind bisweilen allzu verwegen.