Apodiktisches

Ganz erstaunlich, was passiert, wenn ich mich in einem Beitrag über den Vorwurf des Apodiktischen äußere. Einer findet meine Infragestellung der Relevanz des Apodiktischen apodiktisch und bietet mir eine andere Herangehensweise und ein anderes Denken an, will mir einen anderen Denkort, nämlich seinen, zuweisen, natürlich ohne sich der Mühe einer Begründung zu unterziehen, und ist beleidigt, wenn ich nicht darauf eingehe. Ein anderer wiederum hält meine Sprache für elaboriert und gibt mir in stilistisch und lexikalisch ungehobelter Sprache, gewürzt mit mannigfaltigen Beleidigungen und Unterstellungen, gute Ratschläge, wie ich meinen Stil – und damit mein Denken – ändern könne. Und sie merken nicht, wie unverschämt, intolerant und rücksichtslos sie sich verhalten, wenn sie ihr eigenes Denken oder Sprechen zur kognitiven oder sprachlichen Norm erklären, an der ich mich zu orientieren hätte.

Offensichtlich

Das Wort offensichtlich wird besonders dann auffällig oft benutzt, wenn etwas so gar nicht offensichtlich ist, man aber einem andern gern etwas unterstellen möchte, was nur in der eigenen Phantasie existiert.

Suboptimal

Die Verwendung des Wortes »suboptimal«, sahniger Euphemismus allererster Güte, außerhalb einer ironischen Bemerkung ist nicht nur suboptimal, sie ist auch ein Zeichen für intransparente Gedankenführung eines Menschen nicht nur andern gegenüber, sondern auch gegenüber sich selbst. Er merkt nicht, daß er mehr scheinen möchte, als er ist, und möchte den andern suggerieren, daß er mehr ist, als er scheint. Das gilt insbesondere dann, wenn eigenes Fehlverhalten ohne verschämtes Lächeln als »suboptimal« bezeichnet wird.

Koryphäen und Koniferen

Es ist eine unbedachte Verächtlichkeit gegenüber den Koniferen, Koryphäen als Koniferen zu bezeichnen. Während Koryphäen, vor allem selbsternannte, sich häufig durch Zwergwüchsigkeit auszeichnen, aber nur selten über einen Meter siebzig groß werden, gehören Koniferen zu den schnellwachsenden Arten, und einige ihrer Exemplare, wie etwa der Küstenmammutbaum, werden über hundert Meter hoch. Manche Koniferen, etwa Kiefern, halten schon mal ein paar tausend Jahre durch. So gesehen, sind die Koniferen die wahren Koryphäen. Deshalb ist es statthaft, abweichend vom üblichen Sprachgebrauch, die Konifere als Koryphäe zu bezeichnen. Wenn wir nun »unsere Koryphäen« anschauen, sollte daher, bevor wir ihnen den Ehrennamen »Konifere« verleihen, unser Augenmerk darauf liegen, ob sie nadeln.

Dummwort Unwort

Ich schlage vor, das Dummwort »Unwort« zu ächten und in Zukunft das, was es bezeichnet, angemessen zu benennen. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, daß Dummwörter nichts dafür können, wenn sie von Dummköpfen benutzt werden. Es wäre schön, wenn man sich den Wörtern gegenüber fair verhielte und sich auf die Wahl zum »Dummkopf des Jahres« beschränkte.

Die Apostrophs oder die Apostroph’s?

Immer ist es erhebend, im »Zwiebelfisch«, dem Zentralorgan des Sprachpolizisten Bastian Sick, zu lesen. Manchmal aber ist es auch überaus lustig. Zum Beispiel, wenn er sich über die Unsitte von Deppenapostrophen mokiert und deren neueste Variante, den Plural-Apostroph, amüsiert betrachtet und dessen Aufkommen unverständlich findet, weil doch, wie er schreibt, die »Tendenz der Standardsprache« in eine andere Richtung gehe. So heißt es bei Sick: »Nicht immer mehr, sondern immer weniger Apostrophs empfiehlt die neue amtliche Regelung.« Apostrophs.

Nebenbei: Die »neue amtliche Regelung« und die »Tendenz der Standardsprache« sind grundsätzlich zweierlei. In einem jedoch sind sich Tendenz und Amt einig: Der Plural von Apostroph ist Apostrophe – und nicht, wie der Herr Obersprachwart schreibt, Apostrophs. Mit oder ohne Apostroph, das ist hier nicht die Frage.

Eine Kuh mit zwei Eutern wird nicht dadurch zum Ochsen, daß man ihr eines davon wegoperiert. Aber man macht sich selbst zum Ochsen, wenn man es versucht.

Zwiebelfisch