Koryphäen und Koniferen

Es ist eine unbedachte Verächtlichkeit gegenüber den Koniferen, Koryphäen als Koniferen zu bezeichnen. Während Koryphäen, vor allem selbsternannte, sich häufig durch Zwergwüchsigkeit auszeichnen, aber nur selten über einen Meter siebzig groß werden, gehören Koniferen zu den schnellwachsenden Arten, und einige ihrer Exemplare, wie etwa der Küstenmammutbaum, werden über hundert Meter hoch. Manche Koniferen, etwa Kiefern, halten schon mal ein paar tausend Jahre durch. So gesehen, sind die Koniferen die wahren Koryphäen. Deshalb ist es statthaft, abweichend vom üblichen Sprachgebrauch, die Konifere als Koryphäe zu bezeichnen. Wenn wir nun »unsere Koryphäen« anschauen, sollte daher, bevor wir ihnen den Ehrennamen »Konifere« verleihen, unser Augenmerk darauf liegen, ob sie nadeln.

Dummwort Unwort

Ich schlage vor, das Dummwort »Unwort« zu ächten und in Zukunft das, was es bezeichnet, angemessen zu benennen. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, daß Dummwörter nichts dafür können, wenn sie von Dummköpfen benutzt werden. Es wäre schön, wenn man sich den Wörtern gegenüber fair verhielte und sich auf die Wahl zum »Dummkopf des Jahres« beschränkte.

Die Apostrophs oder die Apostroph’s?

Immer ist es erhebend, im »Zwiebelfisch«, dem Zentralorgan des Sprachpolizisten Bastian Sick, zu lesen. Manchmal aber ist es auch überaus lustig. Zum Beispiel, wenn er sich über die Unsitte von Deppenapostrophen mokiert und deren neueste Variante, den Plural-Apostroph, amüsiert betrachtet und dessen Aufkommen unverständlich findet, weil doch, wie er schreibt, die »Tendenz der Standardsprache« in eine andere Richtung gehe. So heißt es bei Sick: »Nicht immer mehr, sondern immer weniger Apostrophs empfiehlt die neue amtliche Regelung.« Apostrophs.

Nebenbei: Die »neue amtliche Regelung« und die »Tendenz der Standardsprache« sind grundsätzlich zweierlei. In einem jedoch sind sich Tendenz und Amt einig: Der Plural von Apostroph ist Apostrophe – und nicht, wie der Herr Obersprachwart schreibt, Apostrophs. Mit oder ohne Apostroph, das ist hier nicht die Frage.

Eine Kuh mit zwei Eutern wird nicht dadurch zum Ochsen, daß man ihr eines davon wegoperiert. Aber man macht sich selbst zum Ochsen, wenn man es versucht.

Zwiebelfisch

Hineininterpretieren

Gerade habe ich zum wiederholten Male gelesen, in Texte könne man vieles hineininterpretieren. Oder auch »hineindeuten«, also, so bezeichnet es das Duden-Wörterbuch: »etw. aufgrund eigener Deutung oder Vermutung in etwas zu erkennen glauben, was in Wirklichkeit nicht darin enthalten ist«.

Die Definition leuchtet mir durchaus ein. Was mir jedoch nicht einleuchtet, ist das dazugehörige zusammengesetzte Stichwort „hineininterpretieren“.

Anders als „hineininterpretieren“ heißt „interpretieren“ erklären, erläutern, deuten, aus einem Text also etwas von dem herausholen, was darin ist. Also herausinterpretieren. Und hinein…? Hineininterpretieren, hineinlesen, hineinprojizieren ist nichts als ein Mißverständnis, denn ein bestimmter Text ist ein bestimmter Text und bleibt genau so, wie er ist. Wir können einen Text lediglich, so wie ich es hier mit dieser Duden-Definition getan habe, für uns selbst in unserem Kopf ergänzend uminterpretieren und dieses anderen mitteilen, indem wir einen Text zum Text verfassen, der diesen ergänzt.

Der ursprüngliche Text bleibt davon unberührt. Niemand kann etwas in einen vorliegenden Text hineininterpretieren. Nicht einmal der Autor selbst.

Duden minus

Gerade las ich:

Ich willige ein, dass der Verlag Bibliographisches Institut GmbH, Mecklenburgische Straße 53, 14197 Berlin, mir regelmäßig fachspezifische Informationen und Sonderangebote per E-Mail zusendet und erkläre mich mit der Verarbeitung meiner Daten wie im der Datenschutzerklärung näher beschrieben einverstanden. Sie können sich jederzeit abmelden, indem Sie einfach auf den in jeder E-Mail enthaltenen Abmelde-Link klicken. Bis zu Ihrem Widerruf dürfen wir Ihre Daten rechtmäßig nutzen.

So weit das Bibliographische Institut, das den DUDEN herausgibt. Was soll man dazu sagen: Zwei Fehler in solch einem kurzen Text. Schwaches Bild. Die wollen mir fachliche Kompetenz verkaufen, mich und andere korrekte Grammatik und richtige Interpunktion lehren. Sollten sie sich das nicht erst mal selbst beibringen?

Ich kann vom DUDEN  immerhin lernen, wie man es nicht machen sollte.

DUDEN

PS: Inzwischen ist durch Überarbeitung der Seite noch ein Kommafehler dazugekommen. Köstlich.

duden-

Labermoderne

Was Politikern oder solchen, die sich für Politiker halten, früher schon nicht möglich war, zum Beispiel, sich in der Öffentlichkeit einigermaßen verständlich und floskelarm auszudrücken, das hat sich nicht geändert, nur heißt es heute nicht mehr, etwas sei nicht möglich. Heute sagt man, es sei »nicht darstellbar«. Sind halt keine Künstler, diese Leute.

Justizirrtum?

Wirklich merkwürdig, im größten Teil der Presse, in Rundfunk und Fernsehen hören wir regelmäßig, wie auch jetzt wieder bei Daimler, von möglicher »Schummelei« oder »Unregelmäßigkeiten« großer Autokonzerne, wenn es um Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen geht.

Irgendwann kommt es dann jedoch ebenso regelmäßig zu Ermittlungen der Justiz wegen »schweren Betrugs« bzw. Betrugs in einem besonders schweren Fall wie jetzt bei Herrn Winterkorn von VW. Lesen die Staatsanwälte keine Zeitungen, oder … oder was ist der Grund für diese sprachliche Diskrepanz? Oder sind vielleicht die Redakteure … 

Finde den Fehler.