Spott

Der trockene Spott ist das effektivste Antidoton allzu pathetischer Tiefschürfigkeit und das Gewürz, das dem tragischen Braten den letzten Schliff gibt. Das ist das offene Geheimnis des Erfolges von Samuel Beckett und Thomas Bernhard.

Über Spiegel und Narrenkappen

Nichts reizt meinen Widerspruch und meine spöttische Kreativität so sehr wie Leute, die glauben, sie wären klüger als andere, nur weil sie einen zu kurzen Spiegel haben, um die Narrenkappe auf ihrem eigenen Kopf zu sehen.

Wenn sie dann, wenn man ihnen einen etwas längeren Spiegel vorhält, auch noch meinen, das sei eigentlich ihr Spiegel, denn wie jeder sehe, sei schließlich ihr Bild doch darin, dann fühle ich mich an gewisse Blondinenwitze erinnert und lache nachträglich, aber um so heftiger, weil ich erst jetzt den wahren Kern dieser Witze erkenne. Manchmal ist auch bei Leuten, die sich nicht für klüger halten als andere Kluge, der Spiegel zu kurz, um alles zu sehen.

Deshalb gehört Selbstironie zur Selbstbetrachtung wie das tägliche Zähneputzen zur Körperpflege.

Nur wenn wir uns nicht selbst überschätzen, können wir einigermaßen sicher sein, daß wir nicht von anderen unter die kalte Spottdusche gestellt werden.

Bei realistischer Selbstbetrachtung dagegen kann uns noch so unberechtigter Spott nur wenig anhaben.