Über den »Sinn« von Sinn

Über Sinn oder Unsinn von etwas können wir nur dann etwas sagen, wenn wir ein System zugrunde legen, in dem beides definiert ist. Alle solche Systeme stehen jedoch wackelig in den Zeitläuften und sind aus konventionellem Material zusammengeschustert und in hohem Maße subjektiv und abhängig von der Perspektive des jeweiligen Gedankenschusters. Die Wörter »Sinn« und »Unsinn« sind wie ihr Inhalt eine Erfindung des Menschen und haben keine tiefere Bedeutung als ein Holzpflock, den man auf einer Wiese in die Erde treibt.

Wenn wir uns fragen, ob das Wort Sinn Sinn hat, ähneln wir einer Katze, die sich in den Schwanz beißt. Deshalb fragen wir nicht danach, sondern setzen es stillschweigend voraus. So auch die Katze: Wenn sie das Jagen nach ihrem Schwanz nicht sinnvoll fände, schliefe sie lieber.

Das Glück der Alltäglichkeit

Wenn ich morgens vor den Spiegel trete, schaut mich das ganze Elend dieser Welt an. Dabei habe ich mich mit der obersten Schicht im Laufe der Jahre recht ordentlich angefreundet. Und auch die Veränderungen der Oberfläche nehme ich so gelassen wie möglich hin, und manchmal begrüße ich sie sogar, für was auch immer sie Indikatoren sind.

Zum Glück scheint es nicht die einzige Bestimmung des Menschen zu sein, vor dem Spiegel zu stehn, jedenfalls habe ich das für mich so bestimmt, als wüßte ich etwas anderes über die Bestimmung des Menschen als das, was ich an teleologischem Geschwätz in Büchern von Philosophen und und Religionsverkäufern kennengelernt habe.

Deshalb wende ich mich ohne Eile, aber doch zielstrebig vom Elend der Welt ab, um mich ins glückliche Elend der Alltäglichkeit zu stürzen und mein zufriedenes Leben zu leben.

Die ewige Frage

Wozu? Ob du eine Antwort auf die Sinnsuchfrage bekommen wirst, weiß ich nicht. Aber wenn du sie nicht stellst, wirst du bestimmt keine bekommen. Und wenn du sie stellst, frag den richtigen. Am besten dich selbst.

Unsinn

«Reiner Unsinn. Hauptsache, es macht Spaß.» Wenn er Spaß macht, ist der Unsinn vielleicht Unsinn, aber kein reiner Unsinn. Selbst reiner Unsinn ist möglicherweise sinnvoller als reiner Sinn. Oder dasselbe? Ist reiner Unsinn – also Unsinn, der keinen Spaß macht – Sinn? Erinnert das nicht etwas an Kant, der das Gute tun wollte – nur um der Idee willen – und meinte, wenn es Spaß mache, sei es gar nicht mehr wirklich gut? Eine solche deutsch-ernsthafte Vorstellung von Sinn ist mir zu asketisch gedacht.