Du anderer

Willst du dich sehn
laß den Spiegel
sieh mich an
atme tief den Geruch
der schwefligen Lügen
im Ehrlichkeitskult der
verschlossenen Schlösser
hinter denen
du dich verkriechst
in mir.

Oder wende dich ab
von dir
wenn die Schlüssel
klirren in mir
dem Gefängnis
deiner unausgesprochenen
Gedanken.

Wenn die Blicke
sich streifen
siehst du vorbei
siehst deinen
Rücken
wie er im Dunkel
verschwindet
in den Schatten
deiner Unmöglichkeit
so fern wie
die Sonne
als wäre kein Tag.

Vorbei der Traum
der Unendlichkeit.
Vorbei der Traum
der Geburt

Hofnarr

Und einmal wirst du
gehen müssen
vielleicht zu spät
bestimmt zu früh
fortan wirst du ins
Leere küssen
vorbei die
Zweisamkeitsrevue.

Und Schatten werden
dir Vertraute
nur Träume noch
von Fleisch und Blut
nur leeres Huschen
keine Laute
kein Augenaufschlag
keine Glut.

Nur Ruhe, Brache
kaltes Dunkel
und stummer Ruf
verhallt im Nichts
kein warmes Wort
kein Sterngefunkel
kein Glitzern des
verirrten Lichts.

So wirst du in die
Weiten starren
auf ewig spielst
du Blindekuh
ein tauber unter
stummen Narren.
Die Parzen schauen
spöttisch zu

Das Nichts

Umgeben vom Nichts wird das Nichts nicht sichtbar. Umgeben von etwas schon. Und dann ist es nicht mehr nichts, sondern etwas. Das Nichts nichtet sich. Heidegger würde eher sagen: »Das Nichts nichtet.« Aber einfach ist das nicht. Der Sprung des Schattens aus dem Schatten.

Sonne und Schatten

Wenn es uns in der Sonne zu warm wird, findet sich fast immer schnell ein schattiger Platz. Es gibt immer irgendwo kühlenden Schatten – und sei es in der Nacht. Der Weg vom Schatten in die Sonne aber ist weitaus schwieriger. Es gibt nicht immer wärmende Sonne.

Der Tod und der Schatten

Überall, wo Lichter lohen, brennen, glühen, schimmern, huschen große oder kleine Schatten umher. Schatten sind so allgegenwärtig wie das Licht. Der Tod aber wirft keine Schatten, denn er stellt alles in den Schatten, weil er die Lichter ausbläst.