Klirrende Fahnen

Wenn ihr die Fahnen bei Hölderlin nicht klirren hört, dann liegt das bestimmt nicht daran, daß Fahnen normalerweise nicht klirren. Es liegt eher daran, daß ihr versucht, mit dem Schläfenlappen zu hören, statt mit dem inneren Ohr zu lauschen. Hölderlin hat sie klirren hören, da bin ich sicher. Aber der war ja ver-rückt. Hin und wieder muß man aus der banalen Realitätsverzückung heraustreten, um die Weite der Realität zu begreifen.

Der Boden der Realität

Die meisten Leute, die vollmundig erklären, sie stünden mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität, behaupten dies, während sie in Wirklichkeit an Tischen – meist Schreibtischen – sitzen, die Füße in Socken oder Strümpfen, und auf ihre Schuhe schauen, prüfend, ob diese wirklich blankgeputzt sind.

Zivilisation kann eine angenehme Sache sein, aber Realität erfährt man besser barfuß auf einer Wiese oder wenn man im Sand an einem Strand entlangschlendert. Es muß ja nicht unbedingt gleich im Winter sein. Jeder hat mal klein angefangen.

Über die Qualität der Realität

Einer sagte, die »Qualität der Realität« wäre »eindeutig verbesserungsbedürftig«. Soll ein Witz sein und heißt: Ich bin unzufrieden mit meiner Umgebung. Aber kann man der Realität überhaupt eine Qualität zusprechen? Jeder kennt doch das Bild von Eule und Nachtigall.

Die Realität als solche hat (außer für Platoniker) keine Qualität, die unabhängig wäre von ihrer Wahrnehmung. Qualität wird vielmehr von den einzelnen Wahrnehmenden immer nur in die verschiedenen oder gleichen Bilder hineinprojiziert, die sie sich selbst und die sich die vielen anderen von der Realität machen oder zu machen vorgeben.

In der Werbepause eines Fußballspiels hörte ich im Fernsehen jemanden, der Autos verkaufen wollte, sagen: »Autos sind toll …«

Das Leben ist schön.