Rassismus?

Wenn ich zurückdenke, dann erinnere ich mich noch gut daran, wie versucht wurde, mir mit Gewalt die Haare zu schneiden, wie ich in meiner Jugend als Gammler beschimpft wurde, als Abschaum der Gesellschaft und Ähnliches. Das war nicht schön, doch das hatte etwas mit Angst vor kultureller Diversität zu tun und mit dem Glauben an gottgegebene, allgemeingültige Werte, den man bedroht sah. Diese Werte haben sich inzwischen weitgehend als hohl erwiesen und erledigt.

Natürlich war das eine Unverschämtheit, wie man mir damals gegenübertrat, intolerant, dumm, ignorant. Aber rassistisch? Welche Rasse repräsentierten diejenigen, die mich beschimpften und zu unterdrücken versuchten? Ist Dummheit ein Rassemerkmal? Sind lange blonde Haare ein Rassemerkmal? Sicher nicht.

Auch ein Kopftuch ist kein Rassemerkmal.

Wenn man jegliche Xenophobie und Intoleranz, Dummheit und Ignoranz eilfertig als Rassismus bezeichnet, dann relativiert und verharmlost man den wirklichen Rassismus.  

Tagesschau

Über Rassismus

Ein Rassist ist im tiefsten Herzen ein wissenschaftsgläubiger Mensch: Er ist überzeugt, seine Vorurteile seien nicht bedingt durch Mangel an Denkvermögen, sondern Folge der basischen Verteilung in der Desoxyribonukleinsäure. Folglich blickt er auf andere Menschen wie ein Biochemiker, der eine Sequenzanalyse vornimmt. Im Unterschied zum Rassisten kann der Biochemiker jedoch zwischen Genotyp und Phänotyp unterscheiden.