Unter dem Mäntelchen der Verschwörungstheorie

Hat sich schon mal einer ernsthaft gefragt, welcher Sprachakrobat auf die glorreiche Idee gekommen ist, abstruses Verschwörungsgefasel, abseitige Hypothesen und manifeste Paranoia mit dem Wort »Theorie« zum Kompositum Verschwörungstheorie zu veredeln?

Sollten wir solche »Theorien« deshalb unter die Gesellschaftstheorien einordnen oder eher unter Psychophantasien? Wie auch immer, ich denke mit Wissenschaft oder ernsthafter Weltanschauung hat das alles nichts zu tun; derartige »Theorien« sind eher Ausdruck von metaphysischen Bedürfnissen wahrnehmungsmäßig überforderter Menschen, eine Art Katechismus für Freireligiöse.

Und natürlich sind diese geraunten Scheinzusammenhänge politische Waffen für Leute mit bösen Absichten. Zum Beispiel der, eine Verschwörung anzuzetteln. Wo keimen die eigenen Verschwörungswünsche besser als im Humus von sogenannten Verschwörungstheorien?

Präsident Zahl

Interview des amerikanischen Präsidenten bei Fox News. Trump sagt, er selbst habe einen Test der geistigen Leistungsfähigkeit gemacht und großartig abgeschnitten. Biden solle das auch tun, doch er würde durchfallen, behauptete Trump. Auch hier, wie an anderer Stelle gab der Interviewer Wallace Kontra. Er habe den Test auch gemacht, und dieser sei nicht besonders schwer. Zum Beispiel müsse man das Bild eines Elefanten erkennen, führte Wallace aus. Klare Falschdarstellung, beschwerte sich Trump, weil die letzten fünf Fragen enorm schwierig seien. Wallace habe sie ganz sicher nicht beantworten können. Eine davon sei: Ziehen sie sieben von hundert ab.

»93«, antwortete der Journalist.

Ein Psychologe, der diesen Test im Bereich der Demenzfrüherkennung anwendet, dazu: »Wer sich damit brüstet, diesen Test bestanden zu haben, der kann sich auch damit brüsten, am Morgen die Schuhe selbst gebunden zu haben.«

Eroberer im eigenen Land

Ganz erstaunlich, wie gerade wieder im Radio gehört von einem Herrn Röttgen, finde ich, daß die syrische Regierung einen »Eroberungskrieg« in Syrien führt mit Hilfe der von ihr eingeladenen Russen, mit dem »Strippenzieher« Putin an der Spitze. Also die Bösen der Welt unter sich. Das geht doch gar nicht, daß man das eigene Land erobern will und dann auch noch gegen die Guten, die Ableger von al-Quaida, IS und anderen Gott-ist-groß-Rufern und deren Unterstützer, die sich allesamt einen Dreck um die Zivilbevölkerung scheren, es sei denn, die Frauen wagen sich ohne Kopftücher auf die Straße. Dann gibt es Ärger.

Wenn denen was an ihren Frauen und Kindern läge, dann würden sie ihre Waffen niederlegen, und der Krieg wäre im wesentlichen vorbei. Aber dann müßten sie lernen, Hacke und Schaufel in die Hand zu nehmen. Und deren Gebrauch macht müde und nicht spektakulär Bum-bum. Nichts für sie.

Hungertücher

Wie zu hören ist, sollen nach der Bundestagswahl unentgeltlich schmucklose linnene Hungertücher an alle ausgegeben werden. Da jedoch der Etatansatz voraussichtlich nicht ausreichen wird, um der gesamten Bevölkerung solche Schmachtlappen zukommen zu lassen, werden die Bezieher hoher und höchster Einkommen gebeten, sich selbst mit diesen traditionsreichen Sakralkunstwerken zu versorgen. Die Finanzverwaltung teilte mit, daß die Anschaffung von Hungertüchern als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden kann. Dabei wird auch der Kauf kunstvoller Tücher aus edelstem Material steuermindernd Berücksichtigung finden.

Luftpost aus Israel

Nachdem Hamas-Aktivisten Israel in einer Art Kassam-Luftflaschenpost in allgemeinverständlicher Sprache über längere Zeit höflich um eine neue Diskussionsrunde zu beiderseitig interessierenden Fragen gebeten hatten, hat Israel nun kurzfristig eine Informationsveranstaltung zum Existenzrecht des jüdischen Staates abgehalten, wenngleich nicht, wie von der Hamas erhofft, auf arabisch, sondern ebenfalls in einer Sprache, die von jedem zu verstehen ist. Man mag das unhöflich finden, aber verständlich ist es allemal.

Der übliche Schwindel

Der Multimillionär Friedrich Merz warnt schon wieder: Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie ist in Gefahr (Focus).  In der Vergangenheit war in diesem Zusammenhang stets vom Bremsen beim Sozialklimbim und von Steuererleichterungen für Besserverdienende wie Friedrich Merz die Rede. Nach der jüngsten Steuerschätzung werden bereits wieder Bilder von leeren Kassen gemalt, und das demonstrative Nach-außen-Krempeln von leeren Hosentaschen kommt bei Reichen und ihren politischen Hofnarren wieder in Mode. Kennt man alles, wiederholt sich alles. Der übliche Schwindel. Merkwürdigerweise kann man am gleichen Tag auch etwas anderes lesen: FAZ. Wahrscheinlich die letzten Zuckungen vor dem Exitus.

Labermoderne

Was Politikern oder solchen, die sich für Politiker halten, früher schon nicht möglich war, zum Beispiel, sich in der Öffentlichkeit einigermaßen verständlich und floskelarm auszudrücken, das hat sich nicht geändert, nur heißt es heute nicht mehr, etwas sei nicht möglich. Heute sagt man, es sei »nicht darstellbar«. Sind halt keine Künstler, diese Leute.

Justizirrtum?

Wirklich merkwürdig, im größten Teil der Presse, in Rundfunk und Fernsehen hören wir regelmäßig, wie auch jetzt wieder bei Daimler, von möglicher »Schummelei« oder »Unregelmäßigkeiten« großer Autokonzerne, wenn es um Abschalteinrichtungen bei Dieselfahrzeugen geht.

Irgendwann kommt es dann jedoch ebenso regelmäßig zu Ermittlungen der Justiz wegen »schweren Betrugs« bzw. Betrugs in einem besonders schweren Fall wie jetzt bei Herrn Winterkorn von VW. Lesen die Staatsanwälte keine Zeitungen, oder … oder was ist der Grund für diese sprachliche Diskrepanz? Oder sind vielleicht die Redakteure … 

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