Gewohnt peinlich

Der FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf, Abgeordnetenhaussitzer in Berlin, hat mir mal wieder vor Augen geführt, weshalb die FDP zu Recht dort in aller Regel in der Nähe der Fünf-Prozent-Hürde herumsitzt.

In der Debatte um die Berliner Bildungspolitik meinte Herr Fresdorf: »Es wäre eine gute Möglichkeit für die große Hoffnung der Sozialdemokratie, Franziska Giffey, nach Berlin zu eilen. Da könnte sie zeigen, wie wichtig ihr ihre Heimatstadt ist.«

Mal wieder zeigt sich ein FDP-Abgeordneter wie üblich so vorlaut wie schlecht informiert. Tatsächlich ist Frau Giffey in Frankfurt (Oder) geboren, in dem kleinen Dorf Briesen aufgewachsen und hat in Fürstenwalde ihr Abitur gemacht. Per definitionem ist eine Heimatstadt aber der Ort, in dem man aufgewachsen ist. Das ist in diesem Fall nun wirklich nicht Berlin.

Ob Spandau (bei Berlin) die Heimatstadt eines Berliners sein kann, darüber läßt sich streiten. Vor allem aber streitet man in Spandau darüber, ob Berlin die Heimatstadt eines Spandauers sein kann. Dazu muß man wissen: Herr Fresdorf ist in Spandau geboren und aufgewachsen.

Die Phantasie von der „Mitte“

Wenn der Generalsekretär der CDU sich „große Sorgen um die SPD“ macht und befürchtet, daß sie sich von ihrer Wählerbasis entfernt, dann weiß man, der Wahlkampf hat begonnen. Demnächst mutiert das dann, nach dem Vorbild Trumps (linksradikale Demokraten“) wie in den USA zum Schüren von absurden Ängsten vor dem „Kommunismus“. Etwa so: „Alle Wege der SPD führen nach Pjöngjang.“ Nicht mehr wie früher nach Moskau.

„… nicht mehr in der Mitte“

Bei Anruf Mord-(Geständnis)

En gewisser Alexej Nawalny hat seinen „Mörder angerufen“. Was ganz erstaunlich ist, denn Tote können bekanntlich nicht telefonieren, und ein Mörder ist jemand, der verurteilt wurde, weil er jemanden getötet hat. Auch finde ich, es ist ein netter Zug von einem Giftmischer, dem Opfer seine Telefonnummer zukommen zu lassen. Aber wahrscheinlich war das nötig, weil der Täter bereits während der Tat ahnte, er werde bald von seinem schlechten Gewissen übermannt werden und nur wenn er dem Mordopfer gegenüber geständig wäre … Von früher kenne ich derlei Dinge unter dem Namen „Räuberpistolen“, und so was las man in Groschenheften oder in der „BILD-Zeitung“.

Süddeutsche Zeitung

Telepolis

Unter dem Mäntelchen der Verschwörungstheorie

Hat sich schon mal einer ernsthaft gefragt, welcher Sprachakrobat auf die glorreiche Idee gekommen ist, abstruses Verschwörungsgefasel, abseitige Hypothesen und manifeste Paranoia mit dem Wort »Theorie« zum Kompositum Verschwörungstheorie zu veredeln?

Sollten wir solche »Theorien« deshalb unter die Gesellschaftstheorien einordnen oder eher unter Psychophantasien? Wie auch immer, ich denke mit Wissenschaft oder ernsthafter Weltanschauung hat das alles nichts zu tun; derartige »Theorien« sind eher Ausdruck von metaphysischen Bedürfnissen wahrnehmungsmäßig überforderter Menschen, eine Art Katechismus für Freireligiöse.

Und natürlich sind diese geraunten Scheinzusammenhänge politische Waffen für Leute mit bösen Absichten. Zum Beispiel der, eine Verschwörung anzuzetteln. Wo keimen die eigenen Verschwörungswünsche besser als im Humus von sogenannten Verschwörungstheorien?

Präsident Zahl

Interview des amerikanischen Präsidenten bei Fox News. Trump sagt, er selbst habe einen Test der geistigen Leistungsfähigkeit gemacht und großartig abgeschnitten. Biden solle das auch tun, doch er würde durchfallen, behauptete Trump. Auch hier, wie an anderer Stelle gab der Interviewer Wallace Kontra. Er habe den Test auch gemacht, und dieser sei nicht besonders schwer. Zum Beispiel müsse man das Bild eines Elefanten erkennen, führte Wallace aus. Klare Falschdarstellung, beschwerte sich Trump, weil die letzten fünf Fragen enorm schwierig seien. Wallace habe sie ganz sicher nicht beantworten können. Eine davon sei: Ziehen sie sieben von hundert ab.

»93«, antwortete der Journalist.

Ein Psychologe, der diesen Test im Bereich der Demenzfrüherkennung anwendet, dazu: »Wer sich damit brüstet, diesen Test bestanden zu haben, der kann sich auch damit brüsten, am Morgen die Schuhe selbst gebunden zu haben.«

Eroberer im eigenen Land

Ganz erstaunlich, wie gerade wieder im Radio gehört von einem Herrn Röttgen, finde ich, daß die syrische Regierung einen »Eroberungskrieg« in Syrien führt mit Hilfe der von ihr eingeladenen Russen, mit dem »Strippenzieher« Putin an der Spitze. Also die Bösen der Welt unter sich. Das geht doch gar nicht, daß man das eigene Land erobern will und dann auch noch gegen die Guten, die Ableger von al-Quaida, IS und anderen Gott-ist-groß-Rufern und deren Unterstützer, die sich allesamt einen Dreck um die Zivilbevölkerung scheren, es sei denn, die Frauen wagen sich ohne Kopftücher auf die Straße. Dann gibt es Ärger.

Wenn denen was an ihren Frauen und Kindern läge, dann würden sie ihre Waffen niederlegen, und der Krieg wäre im wesentlichen vorbei. Aber dann müßten sie lernen, Hacke und Schaufel in die Hand zu nehmen. Und deren Gebrauch macht müde und nicht spektakulär Bum-bum. Nichts für sie.

Hungertücher

Wie zu hören ist, sollen nach der Bundestagswahl unentgeltlich schmucklose linnene Hungertücher an alle ausgegeben werden. Da jedoch der Etatansatz voraussichtlich nicht ausreichen wird, um der gesamten Bevölkerung solche Schmachtlappen zukommen zu lassen, werden die Bezieher hoher und höchster Einkommen gebeten, sich selbst mit diesen traditionsreichen Sakralkunstwerken zu versorgen. Die Finanzverwaltung teilte mit, daß die Anschaffung von Hungertüchern als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden kann. Dabei wird auch der Kauf kunstvoller Tücher aus edelstem Material steuermindernd Berücksichtigung finden.