Kultur und Mathematik

Wie so oft in unserer medial sichtbar gemachten, aber auch verformten Welt stelzen die tauben Nüsse in goldenen Schuhn daher und alle Welt gafft und klatscht vor allem denen Beifall, die sich selber Beifall klatschend in den Vordergrund drängen. Was kümmert es mich, könnte man sagen, ja, man ist versucht, diese Kindereien zu belächeln, und belächelnswert sind solche narzißtischen Zuckungen tatsächlich. Und ohne Belang.

Wäre da nicht der Nebeneffekt dieser Veranstaltung. Und der besteht darin, daß man im Gewimmel der perlenbehängten Säue, die sich allerorten tummeln, die häufig eher schlichten Perlenproduzenten übersieht, die allzuoft still und bescheiden lächelnd im Hintergrund oder gar im Untergrund agieren: der Geist am Katzentisch, während die Geistlosigkeit ihre rauschenden Feste feiert.

Deshalb hier mein Unbescheidenheitsimperativ: Überlaßt die Bescheidenheit den Unbescheidenen, denjenigen, die sie gern im Munde mit sich führen, um sie bei jeder Gelegenheit andern zu predigen. Man sollte diesen Leuten ruhig hin und wieder vor die Füße spucken. Und man sollte andere darauf hinweisen, wenn man eine Veranstaltung findet, bei der die Nullen hinten stehen und nicht vorn, denn es ist im kulturellen Leben wie in der Mathematik: Wenn die Nullen vorne stehen, ist der Wert gering.