Großzügigkeit mal anders

Manche Menschen kratzen für sich selbst hemmungslos den Belag von allen Brötchen, die ihnen in die Finger kommen, und halten sich zudem für vorbildlich großzügig, wenn sie den andern mit großer Verzichtsgeste die geplünderten Reste überlassen, statt sie in den Müll zu werfen.

Egoismus

Das Schlimmste am Egoismus ist nicht die Rücksichtslosigkeit beim Ellbogengebrauch, sondern das phantasiearme Bewußtsein des Egoisten, die andern hätten eine ähnliche Einstellung wie er selbst (oder sie seien gar schlimmer) und würden diese nur besser verbergen. So gesehen, wird die eigene Egohampelei zu einer Art Schutzmechanismus. Wie so oft, spielt der Täter nichts lieber als Opferlamm.

Auf der Suche

Die meisten Menschen sind auf der Suche nach etwas, was sie längst haben, aber die wenigsten bemerken ihre Blindheit rechtzeitig, denn es kommt nicht selten vor, daß man bei dieserart Suchen das Gesuchte ganz nebenbei verliert. Mit etwas Glück findet man es jedoch eines Tages wieder – wenn man längst nach etwas anderem sucht. Nicht immer aber erkennt man das Gefundene als das früher Gesuchte wieder, noch weniger identifiziert man es als einstmals Besessenes, denn man ist zu sehr hingerissen vom Gesuchten des Augenblicks. 

Halb so schlimm

Das Schlimmere tröstet über das Schlimme hinweg. Solange das Schlimmere einen nicht selbst erwischt. Deshalb mögen Menschen Moritaten und Schauergeschichten, Geschichten von Mord und Totschlag so sehr und tragen ihre eigenen körperlichen und seelischen Verletzungen mit Fassung.

Krieg um Frieden

Lange konnten sie sich nicht einigen, wer der Friedlichste von ihnen war, es ging hin und her, und jeder glaubte, er hätte die besten Argumente. Nichts half, und unzufrieden und entnervt saßen sie da und warfen sich giftige Blicke zu. Dann hatte einer eine Idee: Wir werden das ein für allemal ausfechten, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Darauf konnten sich alle ohne weiteres einigen. Und so begann der Krieg.