Gute Stimmung

Wer dauerhaft guter Stimmung ist, obgleich weder alkoholisiert noch naiv und dümmlich, und bei aller guten Stimmung sich selbst und andere kritisch betrachtet und beurteilt, der hat es schwer. Da man ihn nicht als naiv und gedankenlos abtun kann, weiß keiner so recht, was man mit ihm anfangen soll.

Als Heitergeist abqualifizieren kann man ihn nicht so leicht, obwohl er doch abqualifiziert gehört, denn die gute Laune wird von denen, die eher trübselig und beladen blickend durchs Leben gehen, obschon sich ihre Lebenssituation auf den ersten Blick nicht gravierend von der des Gutgelaunten unterscheidet, als Angriff auf die eigene Person empfunden. Miesepeter haben von jeher die Furcht, Gutgelaunte könnten ihnen die schlechte Laune verderben.

Damit müssen sie leben, und auch das ist eine verläßlich sprudelnde Quelle ihrer schlechten Laune. Deshalb sollten die Schlechtgelaunten den Gutgelaunten dankbar sein, denn so werden sie und andere davon abgelenkt, das die Hauptquelle ihrer schlechten Stimmung in ihnen selbst zu finden ist. Genauso wie die Hauptquelle der guten Stimmung.

Der Mensch ist wie ein Instrument, das sich hauptsächlich selbst stimmt. Und die meisten Dissonanzen sind auf mangelhafte Stimmung zurückzuführen.

Besser wissen

Die beste Medizin gegen Besserwisser ist besseres Wissen. Und die Fähigkeit, es auszudrücken. Beides kann man erwerben, heute mehr denn je. Freilich ist es einfacher, den Besserwissenden einen Besserwisser zu schimpfen. Das ist schnell getan, und man kann sich des applaudierenden Publikums sicher sein, denn wer will sich schon den Mühen des Denkens und Argumentierens aussetzen, wenn er den vermeintlichen Sieg über den Andersdenkenden auch ohne Anstrengung haben kann?

Der Mensch ist im allgemeinen zwar von Natur aus neugierig, aber von einem gewissen Niveau der Bedürfnisbefriedigung an ebenso faul.

Identitätsprobleme

Das Paradoxe am menschlichen Leben ist, daß der Mensch etwas werden soll, was er schon ist. Und deshalb natürlich nicht werden kann. Gott (oder wie immer wir das Nous nennen wollen) fragte sich: Wer bin ich? Und ließ sich Menschen wachsen. Wir sind die Inkarnationen der Identitätsprobleme Gottes.

Und wenn wir danach streben, daß das Größere uns inkorporiere, dann ist das ein Mißverständnis, denn wir sind bereits inkorporiert. Aber wir fühlen uns ausgestoßen: so ähnlich wie ein Aufklärungstrupp im Niemandsland.