Über die Qualität der Realität

Einer sagte, die »Qualität der Realität« wäre »eindeutig verbesserungsbedürftig«. Soll ein Witz sein und heißt: Ich bin unzufrieden mit meiner Umgebung. Aber kann man der Realität überhaupt eine Qualität zusprechen? Jeder kennt doch das Bild von Eule und Nachtigall.

Die Realität als solche hat (außer für Platoniker) keine Qualität, die unabhängig wäre von ihrer Wahrnehmung. Qualität wird vielmehr von den einzelnen Wahrnehmenden immer nur in die verschiedenen oder gleichen Bilder hineinprojiziert, die sie sich selbst und die sich die vielen anderen von der Realität machen oder zu machen vorgeben.

In der Werbepause eines Fußballspiels hörte ich im Fernsehen jemanden, der Autos verkaufen wollte, sagen: »Autos sind toll …«

Das Leben ist schön.

Diskussion

Der Sinn einer kreativen Diskussion ist es nicht, herauszufinden, wer recht hat, oder sich mit seiner Meinung oder Theorie durchsetzen zu wollen, sondern auszuloten, was richtig sein könnte. Dabei wird sich manches Mal herausstellen, daß keiner recht hat oder alle recht haben, und zwar deshalb, weil die Perspektive eine jeweils andere ist oder einem Diskussionsgegenstand mehrere Erscheinungsformen zukommen können. Dann kann man natürlich über die Qualität der Perspektive diskutieren und über eine eventuelle Ungleichwertigkeit der Erscheinungsformen und so weiter.

Diskussion sollte aber kein Kriegsersatz sein. Spielen und mit Gegenständen werfen kann man besser im Sandkasten. (Wenn ich meinen Text betrachte, fällt mir ein möglicher Ansatzpunkt für Kritik oder eine Diskussion auf: das Spielen im Sandkasten. Wie jeder weiß oder wissen sollte, kann Spielen im Sandkasten sehr kreativ sein, und deshalb habe ich hier zu allgemein formuliert, weil ich die kreativen Erscheinungsformen des Sandkastenspiels außer acht gelassen habe.

Ich dachte daran, daß die Kontrahenten sich in Diskussionen häufig gegenseitig Sand in die Augen streuen, und finde diese Unart wenig förderlich. Spielerische Elemente jedoch können Diskussionen in mancherlei Hinsicht beleben. Ein zweiter möglicher Einwand könnte sein, daß ich die sportliche Komponente von Diskussionen nicht erwähnt habe: Diskussion als geistige Eristik. Und schon wären wir in einer fruchtbaren Diskussion über Diskussionen.)

Meines Erachtens

Fünf Minuten Deutsch
Ein falscher Fall meines Erachtens

Von Ruprecht Skasa-Weiß

Nach und nach verkuddelmuddelt aber wirklich alles! Kommt nach davor, kommt nach danach, oder geht’s auch ohne Nach-Kommen? »Nach meinem Erachten durchaus«, sagt dieser. »Also meiner Meinung nach unbedingt«, meint jener. »Meines Erachtens, das reicht“, erklärt ein Dritter. Was er nicht sagt, das ist: »Meiner Meinung.« Dabei wäre auch noch diese Fügung theoretisch richtig. Aber da Wem- und Wesfall bei weiblich gebeugten Wörtern gleich klingen, ist man praktisch zum Verzicht genötigt. Es hört sich falsch an …

So weit und noch weiter Ruprecht Skasa-Weiß in der »Stuttgarter Zeitung«. Aber nicht weit genug. Ob nun meines Erachtens oder was auch immer, das ist wohl doch eher sekundär. Primär ist für mich (sic!) die Frage, was die Leute treibt, diese überflüssigen Meinungsäußerungen über die eigene Meinung in die Rede einzustreuen. Am schlimmsten ist das in wissenschaftlich sein wollenden Büchern, in denen so manches Mal auf einer Seite fünfmal m. E. auftaucht. Wozu soll das gut sein? Ist der Autor sich vielleicht gar nicht so sicher, wie er vorgibt? Hat er möglicherweise Angst vor irgendwelchen Autoritäten, die ihm übers Maul fahren könnten, oder hat er sein Erachten irgendwo in der Uni-Bibliothek geklaut?

Daß das meine Meinung ist, was ich schreibe, ist doch wohl klar, darauf muß nicht ständig hingewiesen werden. Wer dauernd betont, daß das, was er sagt, seine Meinung ist, ist sich seiner Meinung nicht sicher, das steht spätestens seit Freud fest. Oder er hält sich für so unbedeutend, daß er mit »meiner Meinung nach« oder »nach meiner Meinung« die Bitte zum Ausdruck bringt, ihm doch mal zuzuhören, obschon er im Grunde nichts zu sagen hat. Und das ist dann meist tatsächlich so.

In älteren Büchern findet sich in diesem Zusammenhang das schöne Wörtchen »unmaßgeblich«. Immer schön ducken, wenn man was sagt, damit mögliche Zornesblicke über einen hinweggehen.

Wenn man sagt, was man denkt, sollte man es ohne solches Demutsgestotter tun, und wenn meine Meinung für jemand anderen als meine Meinung deutlich wird, dann vor allem dadurch, daß sie sich in der Form oder inhaltlich von anderen Meinungen abhebt. Ob andere meine Meinung als meine Meinung erkennen oder nicht und ob sie sie maßgeblich finden oder nicht, das ist ihre Sache.

Und wenn sich einer seiner Sache nicht sicher ist, sollte er keine wissenschaftlichen Bücher mit meines Erachtens und meiner Meinung nach schreiben, sondern erst mal noch ein wenig nachdenken.

Versuch eines Gesprächs mit Feministin(nen)

Zitat aus »Emma«

»Frauen sind witzig – witziger als Männer. Daher hört man aus der Damentoilette immer Gelächter – wir machen uns drinnen vor Lachen in die Hose. Selten hört man Gelächter aus der Herrentoilette. Und das liegt nur zum Teil daran, dass sie dort keine separaten Kabäuschen haben. Steckt drei Frauen länger als drei Minuten zusammen, und schon haben sie – egal, ob sie sich vorher kannten oder nicht – hochwichtige Details ihres Innenlebens ausgetauscht und angefangen zu lachen.«

Darauf mein Kommentar:

Frauen sind nicht nur witziger als Männer, Frauen sind einfach die besseren Menschen.

Darauf V.:

Also dass Frauen die besseren Menschen sind, finde ich nicht.
Feminismus betrifft Männer u. Frauen. Sie sollten lernen voneinander.
LG V.

Mein Kommentar:

Leider, liebe V., tun sich die meisten mit dem Lernen sehr schwer. Manche verstehen sogar ironische Bemerkungen nicht und bezeichnen nachvollziehbare Kritik als Haßtiraden.

Behauptung: »Frauen sind witzig – witziger als Männer. Daher hört man aus der Damentoilette immer Gelächter …«

Gegenrede: Merkwürdigerweise habe ich, wenn ich an einer Damentoilette vorbeigegangen bin, was in meinem Leben schon häufig vorgekommen ist, nur hin und wieder Gelächter gehört. Aber da wird schon manchmal gelacht, sagt meine Freundin. Meist jedoch, das bestätigt meine Tochter, über andere Frauen. Von »immer« kann natürlich auch keine Rede sein. Ebensowenig wie davon, daß Männer auf der Toilette nie lachen. Kommt aber tatsächlich selten vor. Der Grund ist einfach der: Männer halten sich selten länger als drei Minuten in einer Herrentoilette auf. Wenn doch, dann ist es ein Notfall, und in Notfällen hat man in der Regel nichts zu lachen. Außerdem weiß ja nun jeder, der darauf achtet, daß Männer im Gegensatz zu Frauen nur ungern mit anderen Männern zusammen die Toilette aufsuchen, es sei denn es handelt sich um schwule Männer.

Und weshalb sollen Frauen nun witziger sein als Männer? Mir fehlt für das »daher« oben ein plausibles Argument. Abgesehen davon glaube ich nicht, daß es eine Notwendigkeit für die obengenannte Behauptung gibt. Ist nicht jedes Männer sind … und jedes Frauen sind … einfach nur doof? Und dient es nicht ausschließlich dazu, Männer und Frauen auseinanderzudividieren?

Darauf V.:

Hallo L.!
Sorry, aber mit Deiner Gegenrede bist du bei mir an der falschen Adresse. Der Artikel ist von den EMMAs.
Hier kannst Du Ihnen antworten: E-Mail: redaktion@emma.de
Die Redaktion freut sich immer sehr über Rückmeldungen. 🙂
LG V.

Mein Kommentar:

Liebe V., das ist doch wohl nicht dein Ernst. Ich kenne das so, daß man nur dann ohne kritischen Kommentar zitiert, wenn man selbst dahintersteht. Machst du das anders? Stehst du selbst hinter diesem Hohoho-Kinderkram oder nicht? Sag doch mal was dazu: Was hältst du davon? Und was ist mit den ersten zwei Zeilen? Die beziehen sich nicht auf »Emma«.

Darauf U. T.:

Ach, Ironie war der erste Kommentar von Dir. Sowas.. von unwitzig… (Buh! Schnarch! XD )
Na, damit bestätigst Du aber zumindest den 1. Teil Deiner Behauptung zu 100%! XDDD

Mein Kommentar:

Tolle Argumente, U. Alle Achtung. Ganz hohes Niveau.

Darauf U.:

Vollkommen RICHTIG erkannt, L.: Absolut dumm und niveaulos war das.
Das war nämlich GANZ EXAKT DEIN Niveau, DEINE Art, die ich hier gespiegelt habe! 😉

Schmeckt Dir nicht!? Na, dann weißt Du jetzt ja, wie sich V. fühlen muß bei dem Quark, den Du hier selbst verzapfst.
Vielleicht läßt Du Dir das mal gründlich durch den Kopf gehen, bevor Du wieder die Finger an die Tastatur legst.

Darauf V.:

Danke @U. T.! 🙂

Und weiter V.:

Hallo L.!
Was die ersten zwei Zeilen von Dir betrifft die sich nicht auf den EMMA Artikel beziehen, machst du genau dort weiter wo du per Email [als Antwort auf eine E-Mail von mir, V. – Anmerkung von Lyriost] aufgehört hast: Mich grundlos persönlich anzugreifen u. deine Hass-Reden als harmlose Kritik darzustellen. Ich hatte dich klar u. deutlich gebeten mir keine weiteren Texte (Hass-Tiraden) zu schreiben. Nun willst du das scheinbar hier im Blog fortsetzen. Nein danke!

Wenn Du den EMMAs etwas zu ihren Artikeln oder zum Feminismus schreiben möchtest kannst du das jederzeit öffentlich auf Facebook tun. https://de-de.facebook.com/emma.magazin/

Ansonsten bitte ich dich hier in meinem Blog keine Kommentare mehr zu schreiben!
Jeder weitere Kommentar von Dir wird gelöscht werden.

MfG
V.

Mein Kommentar:

Wunderbar. Man ist nicht in der Lage, sich mit Argumenten sachlich auseinanderzusetzen, reitet aber auf hohem Roß durch die Welt und hält sich für etwas Besonderes. Und wenn einer mal Zweifel anmeldet, möchte man ihn am liebsten über den Haufen reiten. Aber: Wer sich dem Diskurs nicht stellt, hat unrecht.

»Sie sollten lernen voneinander», schreibst du. Aber du meinst damit tatsächlich, andere sollten von dir lernen. Wie kann man auch voneinander lernen, wenn man die Kommentare des anderen nicht hören will, sich damit nicht auseinandersetzen will und sie ignoriert oder gar löscht?

Du solltest bitte ehrlich sein und erklären: Es sind nur unkritische und zustimmende Kommentare erwünscht. Ist das nicht etwas armselig?

Bitte definiere doch mal das Wort Haß, das du jetzt schon wieder ins Gespräch wirfst. Wo siehst du bei mir Haß? Ich sehe nur Widerspruch. Machst du es dir nicht etwas zu leicht, wenn du jede von deiner eigenen abweichende Meinung in die Haß-Ecke schiebst? Selbst was U. hier schreibt, ist noch kein Haß, sondern nur Ausdruck von Unreife und Ressentiment. Bei mir gibt es so was wie Haß dagegen überhaupt nicht, und in meinem Alter wäre Unreife etwas absonderlich. Ressentiments habe ich ohnehin nur gegen Dummheit – unabhängig vom Geschlecht. Diese Abneigungen sind allerdings tief. Wie man leicht merken kann.

Viele Fragen, keine Antworten.

Bin gespannt, was weiter passieren wird.

Was wohl? Mein letzter Kommentar wurde selbstverständlich gelöscht. Und genauso mein Link zu diesem Eintrag hier. Missionare und Missionarinnen tun sich von jeher schwer mit kritischen Nachfragen und Einwänden. Fällt auf sie selbst zurück.

 

Anmerkung: Die im Diskurs erwähnte E-Mail von mir, die angeblich »Haß-Reden« und persönliche Angriffe enthielt, war eine Antwort auf eine Anfrage der Feministin V., deren Antwort ihr nicht gefallen hat. Was ich verstehe. Bei Bedarf kann ich diese gern hier einstellen oder daraus zitieren. Natürlich gab es darin weder »Haß-Reden« noch »persönliche Angriffe«. Allerdings auch nicht das Gegenteil. Ich habe nur ruhig und sachlich erklärt, weshalb ich den Wünschen der Bittstellerin nicht nachkommen kann und inwiefern sie selbst dafür verantwortlich ist, daß ich das nicht kann.  

Über Denken und Meinen

Wenn eine Meinung in einem urteilsfähigen Kopf entsteht, haftet ihr eine wie auch immer geartete Plausibilität an, und die Meinung ist ernst zu nehmen. Der Grad der Plausibilität ist jedoch stets abhängig vom Grad der Durchseuchung dieser Meinung mit Vorurteilen, von denen niemand ganz frei ist. Und wer glaubt, seine Urteilsfähigkeit sei so rein wie Quellwasser, der unterliegt einem Vorurteil.

Wenn eine Meinung in einem vorurteilsfähigen Kopf entsteht, haftet ihr wenig Plausibilität an, und die Meinung ist nicht sonderlich ernst zu nehmen. Der Grad der Plausibilität ist jedoch stets abhängig vom Grad der Durchseuchung dieser Meinung mit plausiblen Urteilen, von denen niemand ganz frei ist. Und wer glaubt, die Vorurteilsfähigkeit anderer sei so rein wie Quellwasser, der unterliegt einem Vorurteil.

Wir sollten also nicht nur denken, bevor wir etwas sagen, sondern auch genau hinschauen, auf welchen Prämissen dieses Denken beruht.

Nur wer sein eigenes Denken bedenkt, kann saubere Meinungen produzieren. Das ist mit Sicherheit kein Vorurteil.

Alle Kreter lügen

Eine wunderbare Basis – und vielleicht die fruchtbarste – für ein Gespräch ist die gemeinsame Hypothese, daß es so etwas wie objektive Wahrheit nicht gibt, nicht zuletzt untermauert von Nietzsches mehr oder weniger überzeugendem Relativismus und allerlei physikalischen Forschungsergebnissen, daß aber auch das eben nur Hypothese, nur Meinung ist und nicht objektive Wahrheit. Wenn jemand behauptet, es sei objektive Wahrheit, daß es objektive Wahrheit nicht gebe, ist das zumindest theoretisch genauso abenteuerlich wie die Feststellung, es könne eine objektive Wahrheit jenseits der subjektiven geben. Warum fällt mir da jetzt wohl der Kreter ein, der sagt: Alle Kreter lügen?

Die eigene Meinung

Daß so viele Menschen aber auch so wenig Zutrauen zu der eigenen Meinung haben – kaum widerspricht man ihnen höflich und vorsichtig und erklärt, warum, da schreien sie gleich Zeter und Mordio und behaupten, man wolle ihnen etwas einreden und die eigene Weltanschauung als objektive Wahrheit deklarieren. Lustig ist das vor allem dann, wenn man versucht, andere, die ihre subjektive Wahrheit als objektive setzen und das nicht bemerken, auf diesen Umstand hinzuweisen. Dabei ist Kritik doch nur Anregung zum Denken. Na ja, eben. Kein Schmiermittel zur Vorurteilspflege. Aber das bekommen sie doch zuhauf, wenn sie mit Gleichgesinnten reden. Wieso nur erwarten sie das von mir? Harmoniebedürfnis in Ehren, aber wenn ich nur mit Gleichgesinnten spräche, würde ich noch kleinere Gedankenkrümel produzieren.