Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit heißt nicht, daß man vor jede fremde Tür seinen Haufen setzen darf und darauf bestehen kann, daß niemand mit Schaufel und Besen zur olfaktorischen »Zensur« schreitet.

Aber im eigenen Wohnzimmer darf nach Herzenslust gefurzt werden. Und mehr. Das ist Meinungsfreiheit.

Eigenständigkeit

Die Meinung, die in unserem Kopf entsteht, ist häufig der Ausdruck unserer Interessen. Nicht selten aber sind die Interessen, die wir vertreten, Ausdruck unserer Meinung. Das Ganze ist ein buntes Wechselspiel, das unsere Freiheit begrenzt und das jeder von Zeit zu Zeit unter die lupigen Linsen seines Urteilsvermögens legen sollte, wenn er eines hat, und dann mit Farbe, Pinsel und Palette ein wenig willkürlich eingreifen.

Solche Farbtupfer der Willkür sind Zeichen von Eigenständigkeit. Passende Malutensilien kann man sich überall ausleihen, scharfe Lupen leider nicht.

Da muß man es machen, wie einst Spinoza: Linsen schleifen.

Richtig und falsch

Jeder hat das Recht, sich für sich selbst zum Papst zu ernennen. Auch hat jeder das Recht, aus dieser Selbsternennung für sich ebenso wie der römische Papst Unfehlbarkeit abzuleiten, mit welcher Begründung auch immer.

Aber niemand hat das Recht, diesen subjektiven Unfehlbarkeitsanspruch im Gespräch mit anderen geltend zu machen und den Geltungsbereich der Unfehlbarkeit auf diese anderen auszudehnen.

Ob etwas falsch oder richtig ist, was einer sagt, zeigt sich erst, wenn frei darüber geredet werden kann, was er sagt. Manchmal zeigt sich bei einem offenen Gespräch, was richtig ist und was falsch, manchmal aber auch nur, daß es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern nur unterschiedliche Interessen und die zugehörigen Meinungen.

Über Meinungsopportunismus

Ein Meinungsopportunist ist jemand, dem etwas die ganze Zeit auf der Zunge liegt, der das aber erst dann sagt, wenn andre, günstigstenfalls solche mit wie immer gearteter Reputation, die dasselbe auf der Zunge liegen haben, es in Worte übersetzen. Häufig ist das Gesagte dann von der Art, daß man sich wünschte, sie hätten es lieber runtergeschluckt oder ins Klo gespuckt.

Der Meinungsopportunist braucht die Gruppe und Unterstützung »von oben«, um so zu tun, als wenn er mutig wäre.

Über die Wahrnehmung fremder Meinungen

Wer zu gut weiß, welche Meinung ein anderer hat, projiziert seine eigene Meinung in die Meinung anderer und nimmt sich damit die Möglichkeit, dessen tatsächliche Meinung wahrzunehmen.

Genaugenommen gilt das auch für die eigene Meinung. Wer zu gut weiß …