Selbstentwertung

Ich dachte, er sei Sprachwissenschaftler. Als er dann jedoch begann, mit dem Oszillieren herumzufuchteln, bis es überhandnahm und zum Blablaen verkam, wurde ich hellhörig, und spätestens dann, als er bei jedem zweiten Rechts- oder Linksabbiegen von Paradigmenwechsel fabulierte oder gar von paradigmatischer Wende, da wußte ich: Wieder nur ein professoraler Jargoneur, oszillierend zwischen Paradigmen und von dem je einen auf das je andre rekurrierend syllogierend. Das kann man mal machen – aber doch nicht ständig.

Zwischenweltler schreibt am 20.07.2011 um 14:26 Uhr:*grins*
Man könnte denken, Du berichtest aus dem Bundestag.


Lyriost schreibt am 20.07.2011 um 14:29 Uhr:Da sitzen sie auch. Aber meistens eine Ebene tiefer. 😉


Lyriost schreibt am 20.07.2011 um 14:44 Uhr:Sag mal, Zwischenweltler, bist du heute schon „abgeholt“ worden, um „auf Augenhöhe“ zu kommunizieren?


Zwischenweltler schreibt am 20.07.2011 um 15:02 Uhr:Nö, dazu schiebt man mir immer ein Bänkchen unter.

Anmerkung: Kommentare nachträglich wiederhergestellt.

Maskulistische Linguistik

Vertreterinnen einer feministischen Linguistik beklagen sehr gerne, wie ungerecht es bisweilen in der Sprache zugeht, als könne und solle die Sprache so etwas wie ein Gerichtshof für Gleichberechtigung sein. Häufig seien weibliche Formen unterrepräsentiert und fristeten ein armseliges Leben im Schatten männlicher Dominanz. Daß es auch anders geht, sieht man zum Beispiel in der Technik. So wird nicht etwa der Vater in die Mutter geschraubt beziehungsweise die Mutter auf den Vater – oder die Vaterschraube oder der Schraubenvater in die Schraubenmutter oder Mutterschraube –, sondern ganz pragmatisch eingeschlechtlich nur die Schraube in die Mutter, die Mutter auf die Schraube (oder die Mutterschraube). Technik als weibliche Domäne. Schon in Pierers Universallexikon von 1862 findet man neben der Schraube die »Schraubenmutter« und die »Mutterschraube«. Den Schraubenvater oder die Vaterschraube sucht man unter dem Stichwort Schraube bei Pierer und in späteren Lexika vergebens.

Wir sagen zwar Schraubenmutter, aber nicht Schraubenvater. Tatsächlich findet sich der Begriff Vaterschraube in Krünitz‘ Enzyklopädie ein Jahrhundert vor Pierer. Die Feminisierung des technischen Befestigungs- und Verbindungselementes Schraube liegt also zwischen der Mitte des achtzehnten und der des neunzehnten Jahrhunderts.

Den Männern bleibt angesichts dieser offensichtlichen Benachteiligung, die völlig unverständlich ist, wenn man bedenkt, wie der Begriff analogisch entstanden ist, nichts als eine Art technischer Penisneid und betroffenes Staunen über die kuriose Realitätsfremdheit mancher sprachlichen Formen.

Vielleicht erklärt sich aus dem männlichen Neidgefühl die Erfindung des Kompositums Schreckschraube. Auch das eindeutig ein dominium femininum.