Von der Asche und ihren Geheimnissen

Manchmal flammt aus der Asche die Liebe noch einmal auf, bevor sie für immer erlischt, aber es kommt auch vor, daß die Liebe beinahe erlischt, bevor sie dauerhaft erglüht. Das ist für mich das größte denkbare Glück.

Liebe und Verliebtheit

Die berühmten Schmetterlinge im Bauch sind die Voraussetzung für den Menschen, sich einem anderen Menschen über das normale Maß hinaus zuzuwenden und sich ihm zu öffnen. Sie sind Ausdruck der Verliebtheit, aber kein Dauerzustand liebender Menschen, denn diese Gefühle sind flüchtig wie alle Schmetterlinge. Sie lassen sich nirgendwo dauerhaft häuslich nieder.

Erst wenn die beiderseitige Bereitschaft, diese Verliebtheit zum Anlaß zu nehmen, den andern mit allen Konsequenzen als so etwas wie einen absoluten Freund zu betrachten, dazu führt, daß Menschen füreinander Verantwortung übernehmen und für den andern ohne Wenn und Aber da sind, kann ein Transformationsprozeß in Gang kommen, der dazu führt, daß Verliebtheit sanft in tiefempfundene Liebe übergeht.

Wer dies nicht versteht und gefühlsmäßig nicht nachvollziehen kann oder will, weil er das Schmetterlingsgefühl mit Liebe verwechselt, der wird nie in der großen, dauerhaften Liebe ankommen, sondern wieder und wieder auf wechselndem Terrain nach Schmetterlingen jagen und irgendwann resigniert feststellen, daß er die große Liebe nicht gefunden hat. Wie auch, er hat sie mit den falschen Mitteln am falschen Ort gesucht.

Manchmal

Wenn die Narben
erglühen
möchte ich schreien
möchte hassen
wenn deine Achseln
lose Worte
zucken
die Chiffren
der sprachlosen
Verwirrung
im Gewirr
deiner ungefühlten
Gedanken.

Eine Wurzel
die die Erde sucht
als stecke sie
nicht darin.

Und die
vor ihr flieht.

Ich möchte schreien
möchte hassen
doch die
Stimme bricht.

In reiner Liebe
wächst kein Haß

Erkennen

So wie der Kitzel im Höschen ganz ohne Liebe auskommen kann, so kann auch die Liebe ganz ohne den Kitzel im Höschen auskommen. Kann.

Wenn es in der Bibel heißt: Sie erkannten sich oder besser: einander, dann ist das auf den ersten Blick nur ein schamhafter Euphemismus für sexuelle Aktivität, aber wenn wir es genauer betrachten, sehen wir oft eine zweite Ebene: das intuitive Erkennen der Gleichheit in der Andersheit, der existentiellen Einheit, die Schau des einen im anderen.

Schon in Platons Schöpfungsmythos findet sich der Kern dieses Vorgangs. Das Getrennte ist nur scheinbar verschieden, tatsächlich jedoch sind Mann und Frau jeweils Teil eines vorausgehenden Ganzen und streben danach, wieder eins zu werden.

Was möglicherweise für das principium individuationis insgesamt gilt.

Der Kern aller Liebe.

Liebesvorstellungen

Die Krise der dauerhaften Liebesfähigkeit hat viel damit zu tun, daß eine wachsende Zahl von Menschen ihre Vorstellungen über die Liebe zunehmend aus Groschenromanen, Szene-Psychologen-Geschwätz, Soap-Operas und Hollywoodfilmen bezieht.