Harmonie und Disharmonie

Das Leben, im besonderen das des Menschen, weist darauf hin, daß die Harmonie des Seins unvollkommen, nur eine scheinbare ist, daß wir bei genauer Betrachtung im Sein eine disharmonische Komponente ausmachen können, die danach drängt, sich zu manifestieren.

In die vollständige äußere Harmonie des Seins ist ein Riß eingeschrieben, der vielleicht nur winzig ist, der aber ausreicht, um ein Bewegungselement zu erzeugen, das dazu führt, daß Sein sich in Seiendes ausfaltet und eines Tages beginnt zu atmen. 

In allem Existierenden schreibt sich dieses disharmonische Element weiter und wird zum sich potenzierenden kakophonischen Trubel, der irgendwann, der Reibungshitze überdrüssig, in sich selbst zusammenfällt, so daß das Seiende sich auf seinen Ursprung besinnen und zu ihm zurückkehren kann.

Man kann nur hoffen, daß die bewußtesten Teile des Seienden bei ihrer Rückkehr über ausreichendes Wissen verfügen, um den Riß im Sein mit dem passenden Werkzeug abdichten zu können, so daß das Sein im Anschluß für ein paar Quatrilliarden Jahre in Ruhe und Harmonie mit sich selbst wird leben können.

Wenn es das will.

Media in vita

Ohne dir persönlich allzusehr nahetreten zu wollen: Dir ist doch sicher bekannt, daß in deinem Studienplan im Nebenfach Geologische Anthropologie eine Exkursion in die Hölle, ersatzweise ins Purgatorium, vorgesehen ist. Und in deinem Keller liegt seit Jahren die Ausrüstung – du weißt schon: In der Ecke hinter deinem alten Kinderfahrrad, von dem du dich immer noch nicht trennen konntest, ist eine Klappe …

Du erinnerst dich nicht? Solltest du aber. Es kann jeden Tag losgehen. Dieserart Exkursionen werden kurzfristig angesetzt.

Einfach nicht so einfach

Unser Leben ist vor allem deshalb nicht einfach, weil wir glauben, es könnte einfach sein. Wenn wir begreifen, daß es so ist, wie es ist, und nicht mehr wähnen, es könnte einfacher sein, als es ist, dann sind wir schon einen Schritt weiter.

Kohäsionsverschiebung

Sie klingt so plausibel, die östliche Lehre von der Befreiung des Menschen durch die Übung des Nicht-Anhaftens an die Außenwelt unserer gewohnten Vorstellungen und Denkmuster.

Wenn nur nicht das Problem bestünde, daß wir, wenn wir den Klebstoff Schicht für Schicht akribisch aus den Ritzen unserer Verbindung mit den Dingen und Ideen herauslösen, denen wir anhaften, ebendiesen Klebstoff sammeln und nicht wissen, wohin damit. So stehen wir da mit verklebten Fingern und haben nichts Besseres zu tun, als uns mit der Idee des Nicht-Anhaftens noch stärker zu verkleben, als wir es ohnehin schon getan hatten, denn sonst hätten wir mit der Aktion gar nicht erst begonnen.

Sehr witzig das Ganze und nicht ohne Unterhaltungswert, aber eben doch keine Befreiung, sondern nur eine Substitution, ein Trip in ein anderes Zimmer des Gefängnisses.

 

 

Narren

Wir alle sind Narren in der Komödie des Lebens: die, die es wissen, sind Narren, weil sie es wissen und so tun, als wären sie keine. Und die, die es nicht wissen, sind Narren, weil sie nicht wissen, daß sie Narren sind.

Und dann gibt es noch die, die schreiben »Wir alle sind Narren« und hoffen, sich so von ihrem Narrenhut befreien zu können: Narren.