Vernissage in Brilon

… Die Ausdrucksformen sind schließlich so individuell wie ihre Gestalter und reichen von bildender Kunst wie der Malerei, der digitalen Bildgestaltung, Bildhauerei und Keramik bis hin zur Poesie. „An fast jedem Kunstwerk sind lyrische Verse von Hajo Stark, der zum ersten Mal mit Stefan Voss gemeinsam den musikalischen Auftritt gestaltet. Lesen Sie die Verse dazu!“, forderte der Direktor das Publikum auf. …

Leider hat man es mal wieder nicht geschafft, meinen Namen richtig zu schreiben. Ist ja auch außerordentlich schwierig. So viele Buchstaben.

Briloner Anzeiger

 

 

Kitsch und Kunst und Kommerz

Spätestens dann, wenn ein mehr oder weniger beliebiges Kindergartenbild durch zelebritäre Signatur und professorale Expertise galeriefähig wird – und damit begehrtes Objekt des Kunstmarktes –, während ein vergleichbares Werk eines unbekannten Künstlers im scheinbar wissenden Lächeln der Fachleute verblaßt, ahnen wir, daß es für den einigermaßen Kunstverständigen nicht so sehr um die vergleichsweise einfache, wenn auch weniger relevante Unterscheidung von Kunst und Kitsch geht, sondern vielmehr um die zwischen Kunst und einträglicher Scheinkunst, also Kunstkommerz. Das eine vom anderen definitorisch klar zu distinguieren ist jedoch wegen der Vielfalt der Erscheinungsformen und Widersprüche ein aussichtsloses Unterfangen. So bleibt uns nichts als unser individueller Blick, die Intuition des wachen Rezipienten und der koryphäenkritische Verstand.

Rätselgelöstes Lösungsrätsel

»Ein Künstler ist einer, der aus der Lösung ein Rätsel machen kann.« Sagte Karl Kraus.

Die Künstler haben sich weiterentwickelt: Der moderne, medienbegabte Künstler verkauft dieses Rätsel als Lösung.

Über das Fragmentarische

Das Fragmentarische in Literatur und Kunst ist so aufregend, weil es offener ist für den immer währenden Wandel der Realität – und weiter weg von illusionären Idealen. Aber es verstimmt uns oft sehr, denn Fragmentarisches haben wir in unserem Leben selbst alle reichlich. Wir erwarten deshalb von Kunst und Literatur, daß sie uns – wenigstens zeitweise – ablenken von der Erfahrung der eigenen Unvollkommenheit und Unabgeschlossenheit.

Über Kunst und Fälschung

Wenn spektroskopische Altersbestimmung, reflektoskopische und mikroskopische Untersuchungen notwendig sind, um zu bestimmen, ob ein Kunstwerk echt ist, und nicht mal ausgewiesene Kunstwissenschaftler in der Lage sind, ohne all diese technischen Hilfsmittel eine Fälschung vom Original zu unterscheiden, dann wird deutlich, daß der Mythos von der Aura des Kunstwerks eben das ist, was er ist: ein Mythos. Wäre es nicht so, könnte jeder Kunstrezipient problemlos das Original von der Reproduktion unterscheiden, und man könnte sich aufwendige und teure Expertisen sparen, weil ja jeder gleich sehen würde, was Sache ist.

Wichtig ist, was die Menschen glauben. Wenn sie an die Echtheit eines Kunstwerks glauben, werden sie der Kopie gestatten, so auf sie zu wirken, als seien sie mit dem Original konfrontiert. Das ist das eine.

Das andere ist Folgendes: Wenn ein begnadeter Fälscher mir die perfekte Kopie eines Bildes von Max Ernst anfertigt, dessen Ausdruckskraft mich jedesmal, wenn ich im Museum war, trotz des Gefühls, nicht allein und unter Beobachtung zu sein, tief auf mich gewirkt und mich mitgerissen hat, dann reicht mein Bewußtsein, eine Fälschung vor mir zu haben, nicht aus, um mir diese tiefe Empfindung zu nehmen, wenn ich, wann immer ich will, in meinem Wohnzimmer vor dieses Bild trete.

Wenn der reiche Mensch dagegen, der es sich leisten kann, einem Museum ein bedeutendes Kunstwerk wegzuschnappen, in seinem elektronisch gesicherten privaten Museum vor den Rembrandt tritt, dann genießt er nicht so sehr die Aura des Kunstwerks, sondern in erster Linie sich selbst, seine Herausgehobenheit, seine gesellschaftliche Stellung, seine Macht.

Qualität

Im Kulturbetrieb wie auch in der Gesellschaft allgemein ist nicht so sehr entscheidend, welche Qualität das hat, was einer tut, entscheidend ist vielmehr, welche Stellung er hat oder welche ihm zuerkannt wird. Das führt dazu, daß nicht mehr so wichtig ist, wie gut ein Kunstwerk ist, sondern entscheidend ist, was sich daraus machen läßt. Autoren, Musiker und dergleichen machen sich nicht mehr selbst, sie werden gemacht: von Werbestrategen und Multiplikatoren, von ernannten und selbsternanntenKunstkennern.

Jeder Dummkopf kann aus einem durchschnittlichen Buch einen großen Wurf machen, wenn er nur die Stellung dazu hat – und sei es auch nur eine An-Stellung: bei einer Feuilletonredaktion.