Kritik und Kreativität

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, wird auch der Unkreativste kreativ. Vor allem dann, wenn er etwas nicht verstehen will, weil es gegen seine eingeschliffenen Überzeugungen gerichtet ist. Dann ist kein Mittel zu billig, keine Unterstellung zu abwegig, um nicht mit viel Brimborium geäußert zu werden.

Der Stillose entdeckt plötzlich seinen Sinn für den Stil (des zu Kritisierenden), und der grobschlächtig Argumentierende reagiert hypersensibel auf rhetorische Wackeligkeit (beim anderen), wenn er schon keine offensichtlichen Rechtschreib- oder Grammatikfehler findet. Und am Ende glaubt der Kritiker des Kreativen tatsächlich, er selbst wäre der eigentlich Kreative. Dagegen hilft nur eines: die Kritik des Kreativen, die kreative Kritik der Kritik.

Puzzeln

Im Leben wie auch in der Kunst sollte man beim Puzzeln vielleicht innovativ sein und mehrere Puzzles zu etwas ganz Neuem zusammenfassen, ganz im Sinne des radikalen Expressionismus: (Lebens-)Kunst als Montage. Und manchmal wird aus zwei oder mehreren Puzzles eine Collage neuer Qualität, fernab der Reproduzierbarkeit üblicher zerschnittener und wieder zusammengesetzter Bilder. Es gibt viele Formen von Avantgardismus, die sich im postmodernen Sinne weiterentwickeln ließen. Warum nicht mal im persönlichen Leben?