Auf der Suche

Gesine Lötzsch ist auf der Suche nach dem Weg zum Kommunismus, so wie viele Esoteriker auf dem Weg zur Erleuchtung sind oder wie einstmals Edison, ganz banal, auf der Suche nach der Glühlampe war. Wie die meisten, die nach Wegen zum Licht und zur Glückseligkeit suchen, geht auch Frau L. davon aus, daß der „Pfad zum Kommunismus“ ein „sehr langer und steiniger“ sein wird, also eher eine Art Höllenweg ist. Ich weiß ja nicht, woher sie ihre Kenntnisse hat, denn wer einen Weg nicht kennt, kann dessen Begehbarkeit nicht recht einschätzen, glaube aber, das mit der Steinigkeit wird so falsch nicht sein. Wenn es also stimmt, wieso sollten wir uns dann die Mühe machen, diesen Weg zu beschreiten? Ich für mein Teil bleibe lieber zu Hause, wünsche jedoch denen, die steinige Wege lieben, eine gute Reise. Und sollten sie noch zu meinen Lebzeiten im Paradies des Kommunismus ankommen, bitte ich schon jetzt um eine Ansichtskarte, falls das Schreiben ins nichtkommunistische Ausland dort erlaubt sein sollte.    

Junge Welt

Fähigkeiten und Bedürfnisse

Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen, so das Grundprizip des Kommunismus. In der Praxis bedeutet das, die Unfähigen setzen den Schwerpunkt in der Entwicklung ihrer Bedürfnisse, und die Fähigen reduzieren ihre Bedürfnisse zugunsten der Unfähigen. Böswilliger Versuch der Bequemen, die Folgen ihrer Unfähigkeit, über die eigene Bedürfnisbefriedigung hinausgehende Fähigkeiten zu entwickeln, auf die Gutwilligen abzuwälzen.