Weltanschauung

Emanzipiertes Denken ist agnostizistisch offen, so wie die elementaren Bilder theistisch vieldeutig sind. Atheismus aber ist etwas anmaßend Reduziertes, eine Folge von Blindheit und Denkfaulheit.

Theismus als Weltanschauung ist nur als spielerisch-harmlose Hypothese erträglich, als mehr oder weniger dogmatisch vertretene Weltanschauung jedoch eines denkenden Menschen ebenso unwürdig wie ernsthaft vertretener Atheismus.

Beide Lehren haben denselben Kern: die Überschätzung des menschlichen Erkenntnisvermögens.

Verhandlung

Das Falsche ist richtig, wenn das Richtige falsch ist. Aber nur dann. Die einzige Instanz, die beides auseinanderhalten kann, ist dein Urteilsvermögen. Aber wenn dein Urteilsvermögen auf falschen Prämissen beruht, dann ist das Falsche nicht richtig und das Richtige nicht falsch. Das solltest du bedenken, bevor du ein endgültiges Urteil fällst. Vor allem dann, wenn es so ist, daß eine Revision nicht zugelassen wird. Von der höheren Instanz. Und es gibt immer eine höhere Instanz – und sei es in deinem eigenen Bewußtsein, vor dir selbst verborgen. Sei es Gott oder das Schicksal. Aber das ist ja so ziemlich dasselbe. Also sei ein wenig vorsichtiger bei den internen Gerichtsverhandlungen. Aber wem sage ich das. Selbst Gott ist unvorsichtig. Oder sich seines eigenen Bewußtseins nicht bewußt. Und wenn er sich seines Bewußtseins bewußt wäre? Dann brauchte er uns nicht.