Gedanken zur Gewaltdefinition

Eines der Hauptprobleme bei einer weitgefaßten Definition der Gewalt scheint mir zu sein, daß dadurch Legitimierungsanreize für Gewaltbereite entstehen, etwa dahingehend, daß ein unter struktureller Gewalt Leidender die eigene „rohe“ Gewaltanwendung  rechtfertigt, indem er erklärt, er könne sich nur so wehren, da ihm die strukturelle Macht fehle, sich auf der gleichen Gewaltebene zur Wehr zu setzen. Schließlich läuft die Argumentation von Gewaltanwendern in den meisten Fällen auf die Postulierung einer Notwehrsituation hinaus. Der eigentlich Gewalttätige und die Ursache der eigenen Gewaltanwendung ist immer der andere.

Gewalt und Phantasie

Die meisten Menschen, die ich kenne, sind für weniger Gewalt und für mehr Phantasie im Umgang miteinander. Dabei bedenken sie kaum oder gar nicht, daß es mehr Gewaltphantasien gibt als Gewalt und daß so ziemlich jeder Gewalttat Gewaltphantasien vorausgehen. Die Gutmeinenden haben zuwenig Phantasie, sich vorzustellen, welche Phantasien die weniger Gutmeinenden in ihren Köpfen ausbrüten.

Strukturelle Gewalt und Gummigeschosse

Strukturelle Gewalt erzeugt Angst und Ohnmacht. Ohnmacht erzeugt übertriebene physische Gewalt. Wenn die strukturelle Gewalt ihrerseits von übertriebener physischer Gewalt flankiert ist, steht es zwei zu eins, und so wird aus Wut Haß. Die Folge ist ausufernde, grenzenlose Gewalt.