Emergent art

Seitdem sich in der Kunst der Begriff emergent art etabliert hat, hat der Sinn von Avantgarde seine Bedeutung weitgehend verloren, denn es geht nicht mehr um inhaltliche Novität, sondern nur noch um geldwertes Neuigkeitsstreben. Vielleicht war das bei so mancher »Avantgarde« früher nicht anders, nur wurde es nicht so deutlich hinter den ehrlich verschämten Blicken der jungen Künstler. Heutzutage ist die Scham ebenso wie Bescheidenheit antrainiert und augenzwinkernde Pose. Und Einfachheit nichts als sinnleerer Kult. Die Schatten Andy Warhols sind lang. Aber die bunten Blasen Takashi Murakamis, die in diesen Schatten aufblühen, werden in absehbarer Zeit in der Folge der Finanzspekulationsblasen platzen. 

Geld und Macht

Wer viel Geld hat, neigt dazu, dieses zu benutzen, um zu noch mehr Geld zu kommen. Oder er versucht, mit diesem Geld zu Macht zu gelangen, um seine gesellschaftspolitischen oder anderen Idealvorstellungen in die Wirklichkeit umzusetzen. Wer viel Macht hat, neigt dazu, diese Macht zu mißbrachen, um an (noch mehr) Geld oder noch mehr Macht an sich zu reißen. Wem’s gefällt.

Stiftungen

Beim Wort Stiftung denkt der Unbedarfte an SOS-Kinderdörfer und Bildungsförderung, an Wohltätigkeit und uneigennützes Verhalten. Es gibt unendlich viele Wohltäter, die große Vermögen stiften. Schaut man dann aber genauer hin, etwa bei den über fünfzigtausend Stiftungen in Liechtenstein, dann stellt sich heraus, daß dieser Ort so eine Art Stall für ausländische Sparschweine ist, zu dem im Normalfall nur einer Zugang hat, wenn es ans Schlachten geht: der Stifter selbst.

So etwas nennt man Etikettenschwindel.

Kitsch und Kunst und Kommerz

Spätestens dann, wenn ein mehr oder weniger beliebiges Kindergartenbild durch zelebritäre Signatur und professorale Expertise galeriefähig wird – und damit begehrtes Objekt des Kunstmarktes –, während ein vergleichbares Werk eines unbekannten Künstlers im scheinbar wissenden Lächeln der Fachleute verblaßt, ahnen wir, daß es für den einigermaßen Kunstverständigen nicht so sehr um die vergleichsweise einfache, wenn auch weniger relevante Unterscheidung von Kunst und Kitsch geht, sondern vielmehr um die zwischen Kunst und einträglicher Scheinkunst, also Kunstkommerz. Das eine vom anderen definitorisch klar zu distinguieren ist jedoch wegen der Vielfalt der Erscheinungsformen und Widersprüche ein aussichtsloses Unterfangen. So bleibt uns nichts als unser individueller Blick, die Intuition des wachen Rezipienten und der koryphäenkritische Verstand.