Über Einstiegsdrogen

Nachdem unlängst nachgewiesen wurde, daß Cannabis-Dauerkonsum die Hirnstrukturen verändert, was vermutlich viel stärker ausgeprägt beim gewohnheitsmäßigen Lesen der Bildzeitung oder bei Fernsehdauerberieselung der Fall ist, wird jetzt mit Hilfe einer schwedischen Studie, bei der man Ratten das Zigfache der normalen THC-Dosis injiziert hat, um sie dahin zu bekommen, wo man sie hinhaben wollte, wieder mal glauben gemacht, Cannabis sei eine Einstiegsdroge für Heroin.

Einen Vergleichstest mit Alkohol gibt es meines Wissens nicht. Was es aber gibt, ist die Flut von Werbung für alkoholische Getränke und Millionen aktive Alkoholiker mit ihren Familien und ungeheurem negativen Output für sich selbst, ihre Umgebung und die Gesundheitssysteme.

Gegenüber diesem legalen Elend wirkt die Kriminalisierung des Haschischkonsums lächerlich und ist für mich nicht nachvollziehbar, und man fragt sich, welche Hirnstruktur bei der Bewertung der Cannabis-Folgeerscheinung als die normale Referenzstruktur betrachtet und zum Vergleich herangezogen wurde: etwa die eines durchschnittlichen, bebilderte Zeitung lesenden Alkoholikers? Oder vielleicht die von Otto Waalkes?

Und noch was: Haben wir nicht gerade erst gehört, daß sich der Gebrauch von Handys verändernd auf die Struktur der Hirnströme auswirkt? Von einem Verbotsantrag habe ich jedoch nichts gehört.

Anmerkung: Nichts gegen Otto Waalkes, sein Sid gehört neben Monty Python zum Ulkig-Genialsten, was ich kenne, aber ist sicherlich nicht Ausdruck dessen, was allgemein als normale Hirnstruktur angesehen wird. Überhaupt sollte man erst mal klären, was eine normale Hirnstruktur ist. Wenn man sich die Aussagen so mancher Politiker anhört …

Aktuell

Nichts ist aktueller als der Drang zur täglichen Darmentleerung. Auch deshalb ist Darmverschluß leichter zu diagnostizieren als der Hirntod, denn der Denkdrang gehört nicht zu den elementaren täglichen Aktualitäten.

Menschen und Delphine

Delphine sind wie auch manche Menschen intelligente Tiere. Wenn Delphine schlafen, schalten sie einen Teil ihres Gehirns ab und dösen ein wenig vor sich hin. Auf jeden Fall wird bei Bedarf wieder auf volle Leistung geschaltet.

Die Menschen schalten, wenn sie sich schlafen legen, meist nicht nur teilweise ab, sondern gänzlich. Aber oft hat man den Eindruck, daß nach dem Aufwachen nur ein Teil des Gehirns angeschaltet ist. Also ein wesentlicher Unterschied bei der Steuerung des Hirngebrauchs: Die ozeanischen Wasserpflüger schalten einen Teil ihres Gehirns vor dem Schlafen ab und dann bei Bedarf wieder ein, während die zivilisierten Pflastertreter häufig vergessen, alle Teile wieder einzuschalten.

Delphine haben sich halt besser im Griff als Menschen.

Medizinglaube

Nach längerem Nachdenken (bei mir dauert das häufig etwas länger, deshalb habe ich kürzlich ein EEG machen lassen) komme ich zu dem Schluß, daß ein unauffälliges Hirnstrombild nicht mit letzter Sicherheit einen Dachschaden ausschließt. Man sollte die Fähigkeiten der technologisch fundierten Medizin nicht überbewerten. Im Augenblick denke ich darüber nach, ob meine Nichtabweichung vom Normbereich nicht vielleicht bedenklicher ist, als es eine Abweichung wäre. Was ich als eine unbedenkliche Abweichung vom Normbereich betrachte.