Gähnen

Wenn wir einem offensichtlich Harthörigen einen etwas komplexeren Vorgang erklären – und dazu etwas weiter ausholen, als er es gewohnt ist –, und er beginnt zu gähnen, dann liegt das nicht notwendigerweise daran, daß ihn unsere Ausführungen langweilen. Auch ist sein Verhalten nicht unbedingt als Affront gemeint. Oft ist es vielmehr so, daß unser Gesprächspartner noch an die längst widerlegte Hypothese glaubt, sein Gähnen sei Ausdruck von Sauerstoffmangel und erhöhtem Kohlendioxidgehalt des Blutes. Da er weiß, daß Gehirne zum Denken viel Sauerstoff benötigen, reißt er ein ums andere Mal den Mund auf wie ein Raubfisch sein Maul. Nimmt der Gähner doch – ganz zu Unrecht – an, er könne durch diese Übung seine Gehirnfunktionen verbessern.