Nutzlosigkeit

Dieser lächerliche Versuch einiger Osho-Imitatoren, die Vernunft und alles logische Denken als Funktion des Egos madig zu machen und ihre »Nutzlosigkeit« festzustellen. Dabei ist der Begriff »Nutzen« erst durch die Vernunft in die Welt gekommen. Wenn der Esoteriker nun von »Nutzen« und »Nutzlosigkeit« spricht, muß er, wenn das nicht nur wahnhaftes Geschwätz sein soll, immer die vernunftlogischen Meßgeräte in der Tasche haben, um die von ihm behauptete Nutzlosigkeit überhaupt wahrnehmen und darstellen zu können.

Der Nutzen der Lehre von der Nutzlosigkeit des Denkens ist ohne die Vernunft nicht feststellbar, mit Hilfe der Vernunft festgestellt, ist sie jedoch gleichzeitig widerlegt. Ein paradoxes Phänomen.

Der einzige Esoteriker, der auf mich überzeugend wirkt, ist still, lächelt vor sich hin und singt hin und wieder ein Liedchen.

Esoterik und Intellekt

Einige Esoteriker in der Nachfolge Oshos neigen dazu, den Intellekt intellektuell zu verteufeln: Sie kleben sich mit Hilfe ihrer reduzierten Interpretation des Intellekts, den Teil für das Ganze nehmend, einen Pappkameraden mit Namen Intellekt zusammen, stellen jede Menge leere Flaschen drumherum auf, und dann stoßen sie alles mit dem gleichen reduzierten Intellekt und großem Getöse wieder um.

Wen kann das überzeugen, wenn nicht ihren Intellekt? Wenn man, wie ich, davon ausgeht, daß das, was dort als Intellekt bezeichnet wird, nur das ist, was der nichtintuitive Intellekt durch analytische Dekonstruktion des Denkens übrigläßt, dann kann man nur lächeln darüber, wie sie sich selbst auszutricksen versuchen, rein intellektuell. Das, was dort als Intellekt beschrieben wird, ist doch schon eine Reduktion des Intellekts mit Hilfe des Intellekts. Das ist nicht schwer zu verstehen, jedenfalls dann nicht, wenn der Intellekt um diese Tendenz seines Wesens weiß und Wert darauf legt, nicht von sich selbst auf einen Teil seiner selbst reduziert zu werden. Das kann man natürlich nur verstehen, wenn man nicht rein intellektuell an die Beschreibung des Intellekts herangeht. Das, was verschiedentlich von Esoterikern als Intellekt beschrieben wird, um das Denken allgemein zu desavouieren, ist nur ein Teil dessen, was vom Denken übrigbleibt, wenn sie es reduziert-intellektuell zergliedern. Das, was dort als Denken bezeichnet wird, ist kein reales Bild, sondern ein modellhaft-intellektuelles Bild des Denkens.

tao

Von Menschen und Mäusen

»Es gibt sehr wenige Menschen in der Welt.« Das schrieb einer, der sich für einen »erwachten« Menschen hält. Eine Leuchte, die anderen, lebend »in dunklen Löchern«, den Weg zum ewigen Licht weisen will und Tag für Tag mit wortreichem Pathos, das sich in die grandiosesten Verzückungen steigert, über die Notwendigkeit des Schweigens parliert.

Er befindet: »Es gibt sehr wenige Menschen in der Welt.« Was sagt das? Das heißt nichts anderes, als daß der, der solches schreibt, der Mehrheit, der übergroßen Mehrheit, das Recht abspricht, sich als Menschen zu bezeichnen. Sie sind minderwertig. Nur ein paar, vermutlich er und seine sektiererischen Freunde, haben demnach das Recht, sich als Menschen zu bezeichnen.

Die anderen sind: Mäuse. (»Es gibt Millionen von Mäusen, aber keine Menschen.«)
Lassen wir die Logik beiseite, die es nicht erlaubt, gleichzeitig zu behaupten, es gäbe „sehr wenige“ und „keine“ Menschen, kommt uns eine derartige Tiermetaphorik nicht bekannt vor? Gab es da nicht mal eine arische Ratte (um bei der vorgegebenen Metaphorik zu bleiben), die in solchen Bildern schwelgte, was zur Folge hatte, daß Millionen von Menschen in wertes und unwertes Leben kategorisiert, an Rampen selektiert und anschließend wie Ungeziefer vernichtet wurden? 

Von der Charakterisierung der Mitmenschen als Mäuse ist es nur ein kurzer Weg zum »Mausgift kaufen«, wie es Bernhard Minetti in einem Theaterstück von Thomas Bernhard so unvergleichlich sagt.

Praktische Meditation

Er erwachte
und fühlte sich befreit
denn er hatte
endlich die Leiter
beiseite gelegt.
Nun nahm er die Säge
prüfte mit dem Daumen
das Blatt
es war scharf
und er sägte
und sägte
gutes Holz
für das Feuer
sagte er sich

Er warf alles von sich
das Feuer loderte auf
und wärmte ihn
und er lachte

die Säge aber
behielt er
für alle Fälle
man kann ja
nie wissen

Meditation

Der Hauptschwachpunkt aller auf Erkenntnis zielenden Meditation ist die Tatsache, daß durch die Fokussierung auf das Visuelle die eigenen vormeditativen textuellen Setzungen aus dem Blickfeld geraten. Es ist ein schönes Gefühl, wenn der Reisende im Flugzeug vergißt, daß er nicht selber fliegt, aber dadurch löst sich das Flugzeug nicht auf. Ist wohl auch besser so.

Brainbuilding

Wie sind sie mir zuwider, diese esoterischen Schwätzer, die davon faseln, wie schwer es sei, geradezu unmenschlich schwer, meditierend ins Innere einzutauchen, die Verstrickungen in die äußere Welt mit ihren Schlingen und Netzen und allen Verlockungen hinter sich zu lassen, um schwebend ins Nirwana eintauchen zu können. Mühsam, mühsam. Wie lächerlich leicht seien dagegen die Besteigung des Everest oder eine Mondlandung oder … blablabla.

Dabei sitzen sie zu Hause entspannt auf ihrer Meditationsmatte, haben die Uhr angehalten, damit das Ticken sie nicht stört, und bequeme Kleidung angelegt, damit nichts sie kneift und ablenken kann bei ihrer »größten Herausforderung, der ein Mensch sich in seinem Leben stellen kann«. Hängt doch schon „»die ganze Vergangenheit felsenschwer an ihrem Hals«.

»Dies ist das größte Abenteuer, das es gibt.« Ist es das wirklich? Oder ist das nicht vielmehr ein schweißsparender Muckibudenersatz zu klein geratener, verwöhnter Wohlstandsneurotiker, um sich wichtig zu machen?

Spiritueller Überschwang

Spiritueller Überschwang ist weniger Ausdruck emotionaler Reife als vielmehr die Folge des Wunsches nach tiefer gehender Emotionalität.

Dabei ist verbales Überschäumen häufig kein Zeichen von Fülle, sondern eher ein Indiz für Mangel. Und gerade dort, wo die Fülle blumenreich beschworen wird, ist der Mangel am größten.

Bei anspruchsloseren Menschen beschwören solche spirituellen Exzentrizitäten nicht selten ein Abziehbild der Gefühle herauf, als deren Ausdruck sie sich gebärden, und so lassen diese Menschen es sich auf dem wortgestrickten Gefühlsteppich gutgehen. 

Schlafgewohnheiten

Der wissenschaftliche Theoretiker ruht sich auf seinen Abstraktionen aus, hört den Ruf der Universität und hofft, daß ihm bald ein Licht aufgeht, der metaphysische Esoteriker hält sich an seine Meditationsmatte, hört den Ruf des Kuckucks und hofft auf Erleuchtung. Der metaphysische Theologe liegt auf einer harten Pritsche, hört die Glocken läuten und ist voller Hoffnung auf Erlösung. So bunt und vielfältig sind die Schlafgewohnheiten im anorganischen Leben.