Freundschaft

Es ist oft nicht leicht, uns für einen langjährigen engen Freund zu freuen, daß er die große Liebe gefunden hat, weil wir notwendigerweise in Kauf nehmen müssen, daß wir von dem nahen Menschen zukünftig nicht mehr so viel Zuwendung bekommen können wie gewohnt. Wir müssen akzeptieren, daß ein anderer ihm nun wichtiger ist als wir. Das ist nicht immer einfach. Und es kann weh tun, in der Gunst des Freundes hinter einen anderen und noch dazu fremden Menschen zurücktreten zu müssen.

Aber wenn wir uns von Herzen für den Freund freuen und die Veränderung unserer Stellung verstehend akzeptieren, dann ist das ein Zeichen echter Freundschaft. Wenn wir jedoch beleidigt von dannen ziehen oder auf der Beibehaltung unseres Status bestehen, dann ist das eher ein Zeichen von Infantilität und Egoismus. Und von mangelndem Einfühlungsvermögen.

Übel

Wer von ihm nicht betroffen ist, weil er nicht von ihm getroffen wurde, möglicherweise weil es schlecht gezielt hatte, sollte sich in jedem Augenblick darüber im klaren sein, daß es schon heute besser zielen und ihn treffen könnte. Es schießt dauernd und sehr häufig vorbei. Doch es trifft jeden mindestens einmal. Meist jedoch viel, viel öfter. Es ist nicht die schlechteste Art und Weise, sich auf diesen Augenblick, da man selbst getroffen werden wird, dadurch einzustellen, daß man sich in Menschen einfühlt, die bereits getroffen wurden.

Dazu ist es manchmal notwendig, sich erst einmal an die eigenen Wunden zu erinnern und ihren Schmerz nicht ständig zu verdrängen. Der zweite Schritt fällt dann leichter.