Ich

Wenn wir unser Ich definieren, geschieht das in Abhängigkeit von Erziehung, Denktraditionen und mehr oder weniger wissenschaftlichen Moden. Was ich als mein Ich betrachte, ist, abgesehen von meiner Körperlichkeit, nichts als eine Glaubensfrage. Ich weiß nicht, wer ich bin, ich weiß nur, was ich zu sein scheine. Und du?

Vom Ego

Nirgendwo läuft das (eigene) Ego so so sehr zur Hochform auf wie bei der Jagd auf das Ego (der andern). Und nicht nur das der andern. Wenn man sieht, mit welcher Inbrunst manche sich selbst geißeln und erniedrigen, dann bekommt man ein Gefühl für die egozentrische Selbstüberschätzung, die dahintersteckt.

Madentiraden

Ein Großteil der Menschen in den sogenannten zivilisierten Ländern wünscht sich materiellen Wohlstand, Zuwendung und Freizeit, aber je mehr Wohltaten diese Menschen genießen können (oder besser könnten), um so mehr fällt ihnen auf, was ihnen fehlt.

Und sei es auch noch so wenig, das Bewußtsein, daß etwas fehlt – und natürlich fehlt immer etwas, und sei es auch nur Bewußtsein –, macht sie unzufrieden. Von allem nur ein wenig zu haben, das scheint eine bessere Quelle des Glückes zu sein. Man kann aber auch das Bewußtsein dahingehend erweitern, daß man das Bewußtsein, daß etwas fehlt, ergänzt durch das Bewußtsein dessen, was man tatsächlich besitzt.

Am besten wäre es, wenn man sich klarmachte, daß es vor allem an klarem Bewußtsein fehlt, wenn ein Fetter glaubt, er hätte zuwenig zu essen.

Über Unbelehrbarkeit

Manche Menschen haben sich dermaßen gut eingerichtet in ihrer Selbstherrlichkeit, daß nichts sie erreicht, was sie nachdenklich machen könnte, weder Kritik noch gutgemeinte Ratschläge, noch fundierte Argumente. Sie sind wie imprägniert gegen Meinungen und Sichtweisen anderer, und sie sorgen mit mentalem Imprägnierspray dafür, daß ihr Denken und die damit verbundenen Haltungen und Handlungen nicht durch Fremdes beeinträchtigt werden. So weit, so gut. Man kann sie bedauern oder nicht, jeder, wie er mag.Auch die Imprägnierten haben das Recht, nach ihrer Fasson zu leben. Jeder hat dieses Recht.

Nun ist es aber so, daß gerade diese geistig unbeweglichen Menschen häufig mit überdimensionalem Sendungsbewußtsein ausgestattet sind und dazu neigen, anderen ihre Denkart als vorbildlich aufdrängen zu wollen. Das führt dazu, daß sie ihren Mitmenschen mit geradezu missionarischem Eifer vorgeben wollen, wie Texte zu lesen seien, was wie und wo geschrieben werden soll und darf und welche Gefühle die richtigen sind.

Sie glauben allen Ernstes, sie hätten ganz allein das Recht, darüber zu entscheiden, über was geredet werden darf und wann Diskussionen, wenn sie sich überhaupt auf solche einlassen, beendet sind. Dieses Recht hat niemand.