Vernissage in Brilon

… Die Ausdrucksformen sind schließlich so individuell wie ihre Gestalter und reichen von bildender Kunst wie der Malerei, der digitalen Bildgestaltung, Bildhauerei und Keramik bis hin zur Poesie. „An fast jedem Kunstwerk sind lyrische Verse von Hajo Stark, der zum ersten Mal mit Stefan Voss gemeinsam den musikalischen Auftritt gestaltet. Lesen Sie die Verse dazu!“, forderte der Direktor das Publikum auf. …

Leider hat man es mal wieder nicht geschafft, meinen Namen richtig zu schreiben. Ist ja auch außerordentlich schwierig. So viele Buchstaben.

Briloner Anzeiger

 

 

Fremdnebel

Im »Briloner Anzeiger« von heute, 27. März 2019, konnte man Folgendes lesen:

Stichwort der Woche: Ist es die Berliner Luft?

Manchmal hat man den Eindruck, dass es in unserer Bundeshauptstadt irgendetwas gibt, was die Gehirne vernebelt und den nie ausgeträumten Traum einer deutschen Großmacht immer wieder neu aufleben lässt. Liegt es an der Berliner Luft oder sind da noch irgendwelche Altlasten im Boden, zum Beispiel über dem Bunker der Reichskanzlei? Nachdem man mit etlichen Steuermilliarden, die natürlich von den Bürgern in den Provinzen erarbeitet wurden, die ehemalige Reichshauptstadt wieder zum repräsentativen Regierungssitz ausgebaut hat, scheinen die Großmachtfantasien immer noch weiter ins Kraut zu schießen.

Seitdem sich die Stadt von „arm aber sexy“, wie es ein ehemaliger Oberbürgermeister ausdrückte, zur tatsächlich angesagten Partyhochburg entwickelt hat, die gern an das Berlin der „goldenen Zwanziger“ des vergangenen Jahrhunderts anknüpfen möchte, scheinen alle Traditionen der Bescheidenheit der alten Bundesrepublik komplett über Bord gegangen zu sein.

Gut, die Sache mit dem Großflughafen hat bisher noch nicht funktioniert, aber der Aufbau des ehemaligen Stadtschlosses, „auferstanden aus den Ruinen“ des Palasts der Republik, macht inzwischen doch große Fortschritte. Aber auch jenseits des Hauptstadtausbaus hat die „Großdeutsche Republik“ inzwischen alle Hemmungen verloren. Ein sonst eher „hanseatisch bescheidener“ Finanzminister träumt von einer deutschen Großbank mit Weltgeltung, indem er die abgehalfterte Deutsche Bank mit der Commerzbank, die noch vor einigen Jahren mit vielen Steuermilliarden gerettet wurde, fusionieren will. Für Risiken und Nebenwirkungen haftet, wie immer, der Steuerzahler.

Auch die Bundeskanzlerin, die dem „Es ist erreicht“ Schnurrbart des letzten deutschen Kaisers, mit ihrer „Es kann noch mehr erreicht werden“ Raute nacheifert, bringt jetzt ernsthaft den Bau eines eigenen deutschen Flugzeugträgers ins Gespräch. Über den militärischen Nutzen eines solchen Dinosauriers kann man natürlich streiten, unbestritten ist jedoch ein Flugzeugträger das Symbol für einen Großmachtanspruch. Mich würde aber doch mal interessieren, wie man ein solches Waffensystem mit dem reinen Verteidigungsauftrag der Bundeswehr vereinbaren kann.

Was kommt als nächstes? Der Einmarsch in Ungarn, um den unbotmäßigen Viktor Orban abzusetzen und damit den deutschen Führungsanspruch in Europa zu demonstrieren? Gott sei Dank hat unsere Verteidigungsministerin, sicher eine verkappte Pazifistin, die Bundeswehr inzwischen so kampfunfähig gemacht, dass die Ungarn in aller Ruhe Grenzzäune bauen könnten, bevor sich das einzig funktionstüchtige Feuerlöschfahrzeug der Bundeswehr aus dem Emsland in Richtung Budapest in Bewegung setzen könnte. Zwischen dem verbalen Großmachtanspruch und der tatsächlichen Schlagkraft der Truppe liegen nun mal Welten.

Vielleicht geht es mir allein so, aber ich trauere immer noch dem alten Hauptstadtprovisorium am Rhein nach. Mit Bonn war sicher „kein Staat zu machen“, dafür stand es für einen noch wirklich funktionierenden Staat. Der Geist von Beethoven, Adenauer und Schumacher war für eine vernünftige Regierungsarbeit vermutlich zuträglicher, als die Geister, die noch in der Berliner Luft rumschwirren. Vielleicht sollte man da mal die „Ghostbusters“ ranlassen.

Ihr Norbert Schnellen

 

Dazu fällt mir ein:

Lieber Norbert Schnellen,

Ihr »Stichwort der Woche« ist bisweilen eine durchaus realitätsnahe, beachtenswerte Stimme im provinziellen Gemurmel, das mir hier in Brilon in die Ohren dringt, aber mit dem Artikel »Ist es die Berliner Luft« liegen Sie so was von daneben, daß das nicht unwidersprochen bleiben darf.

Grundsätzlich ist Ihre Kritik an neu erwachenden Großmachtphantasien in Deutschland sicher berechtigt, aber was hat das mit Berlin zu tun? Um es vorwegzunehmen, derartige Phantasien, die von jeher besonders im Bierdunst von Provinzstammtischen hervorragend gedeihen, haben nichts, aber auch gar nichts mit der Berliner Luft zu tun.

Schon immer hat nicht die Berliner Luft für Gehirnvernebelung gesorgt, sondern der Zuzug von Gehirnvernebelten von auswärts hat die Luft belastet. Denken wir nur an den Österreicher aus Braunau, der in Bayern hochgepäppelt wurde und dann nach Berlin kam, um sein Unwesen zu verbreiten. Der Joseph mit der großen Klappe kam aus dem Rheinland, Himmler aus München, Göring aus Rosenheim, Heydrich aus Halle. Und so weiter und so fort. All diese großen politischen Verbrecher haben ihre Verderbtheit mitgebracht nach Berlin und die Luft der Stadt verpestet.

Was sollen denn diese unsäglichen Ressentiments wie »Steuermilliarden, die natürlich von den Bürgern in der Provinzen erarbeitet wurden«? Glauben Sie ernsthaft, die Berliner säßen überwiegend den ganzen Tag in Cafés rum und tränken Latte macchiato? Auch in Berlin wird gearbeitet wie überall. Der Lokführer muß auch dort früh aufstehen, nicht nur in der Provinz. Und die Polizisten und Feuerwehrleute auch. Nur haben sie meist etwas mehr zu tun als im ländlichen Raum.

Wenn die armen und sexy Zeiten des Regierenden Bürgermeisters (so heißt das in Berlin) Wowereit vorbei sind, dann hat das vor allem auch etwas mit dem Zuzug von Politdeppen, Großmannssüchtigen und Gewinnlern aus den (bevorzugt südlichen) Provinzen zu tun, aber nichts mit Berlin. Das von Ihnen erwähnte Stadtschloß übrigens ist weiß Gott keine Berliner Idee, sondern damit möchten sich andere schmücken. Gerade lese ich: »Freundeskreis Berliner Schloss Düsseldorf übergibt über eine halbe Million Euro …« Nur ein Beispiel.

Der »deutsche Führungsanspruch«, von dem Sie schreiben, wird unserem Land ja nicht zuletzt von anderen nahegelegt, weil das Land nun mal die wirtschaftliche Stärke hat, die andere gern hätten. Frei nach dem Motto: Hannemann, geh du voran, du hast die größten Stiefel an. Und der erwähnte »Flugzeugträger« ist weniger eine Idee in Richtung Großmachtanspruch als vielmehr Reaktion auf das US-NATO-Drängen nach mehr Rüstungsanstrengung bzw. Aufträgen für die US-Rüstungsindustrie.

Und was Bonn betrifft, da assoziiere ich Wiederbewaffnung, Notstandsgesetze, „Spiegel“-Affäre, Starfighter, Altnazis in hohen Ämtern bis ins Bundeskanzleramt.

Ick weeß ja nich, meen Lieba. Da kommt bei mir keene Trauer uff. Det sin Jeister, uff die ick jut vazichten kann.

Nebenbei: Überschrift in der gedruckten Ausgabe: »Ist es die Berliner Luft?«, online: »Ist das die Berliner Luft?« Wie gesagt: Weder noch.