Das Märchen von der Sicherheit

Nur wer an das Märchen von der sicheren und warmen menschlichen Gesellschaft, an die Mär vom Guten in jedem Menschen glaubt, wird die Realität als Abweichung von der Realität empfinden, und zwar unabhängig von der Gesellschaftsordnung. Wer aber wissen will, wie die Menschen wirklich sind, der schaue sich um und werfe einen Blick in die Geschichte.

Und wenn er dann merkt, daß er zu einem Zeitpunkt und an einem Ort lebt, wo die Fratzen des Bösen überwiegend hinter Gitterstäben aufleuchten, dann freue er sich, daß er sein Leben jetzt leben darf und noch ein wenig frei atmen, bevor der Geruch verbrannten Menschenfleisches wieder durch alle Ritzen in sein wohnliches Provisorium dringt.

Freu dich, Mensch, wenn du frei atmen kannst, und rede dir nicht ein, die Luft sei erfüllt vom kalten Kreischen böser Gewalten, wo doch nur die Stimmen der vielen unterschiedlichen Vögel miteinander konkurrieren. Lerne zu unterscheiden. Das kalte Kreischen kommt aus den Verliesen, wo die Dämonen an den Gitterstäben rütteln.

Charisma

In der Antike wurde Charisma als Geschenk, Gottesgabe betrachtet. Wenn ich mir die Geschichte und die jetzt lebenden charismatischen Menschen so anschaue, komme ich aber immer mehr zu dem Schluß, daß der Teufel mit seinen Geschenken weitaus großzügiger zu sein scheint oder Gott etwas weggibt, was er selbst aus moralischen Gründen nicht mehr haben möchte. Die Ausstrahlungskraft des Bösen, da sollte man ehrlich sein, ist größer als die des Guten. Wenn man dichotomisch denkt, muß man das beklagen. Oder aufhören, dichotomisch zu denken.