Wahrnehmung und Bewußtsein

Wir alle leben im Dunkeln. Das Sonnenlicht als Quelle der Offenbarung ist nichts als eine Widerspiegelung unseres Bewußtseins, gewissermaßen eine optische Täuschung. Was uns den Weg erhellt, ist einzig und allein das von den Sinnen gefütterte Bewußtsein, das sich durch die sinnliche Wahrnehmung seiner selbst bewußt wird. So was wie ein kosmischer Zerrspiegel des Überkosmischen.

Wir

Manchmal fühle ich mich einen Wimpernschlag lang recht wohl in meiner Welt, aber nur so lange, bis mir wieder einfällt, daß meine Welt ein Teil deiner Welt ist und deine Welt ein Teil meiner, auch wenn dir das vielleicht nicht klar ist, und dann wird mir bewußt, daß ich allein bin in meiner Welt, wenn ich nicht gleichzeitig in deiner Welt bin. Und auch wenn mir deine Welt weniger gut gefällt als meine, möchte ich doch auf Dauer nicht allein sein, denn Solipsismus ist etwas für Abgestorbene, und ich fühle mich sehr lebendig. Bleibt nur die Hoffnung, daß unsere scheinbar getrennten Welten sich im Bewußtsein einander annähern und irgendwann miteinander verschmelzen, das heißt, daß wir beide erfahren, wo wir wirklich sind.

Verhandlung

Das Falsche ist richtig, wenn das Richtige falsch ist. Aber nur dann. Die einzige Instanz, die beides auseinanderhalten kann, ist dein Urteilsvermögen. Aber wenn dein Urteilsvermögen auf falschen Prämissen beruht, dann ist das Falsche nicht richtig und das Richtige nicht falsch. Das solltest du bedenken, bevor du ein endgültiges Urteil fällst. Vor allem dann, wenn es so ist, daß eine Revision nicht zugelassen wird. Von der höheren Instanz. Und es gibt immer eine höhere Instanz – und sei es in deinem eigenen Bewußtsein, vor dir selbst verborgen. Sei es Gott oder das Schicksal. Aber das ist ja so ziemlich dasselbe. Also sei ein wenig vorsichtiger bei den internen Gerichtsverhandlungen. Aber wem sage ich das. Selbst Gott ist unvorsichtig. Oder sich seines eigenen Bewußtseins nicht bewußt. Und wenn er sich seines Bewußtseins bewußt wäre? Dann brauchte er uns nicht.