Falsches Bewußtsein

Ein zentraler Terminus marxistischer Ideologiekritik ist das »falsche Bewußtsein«, das notwendigerweise die Basis jeder den Überbau einer Gesellschaft bildenden Ideologie (außer der marxistischen natürlich) sei.

Kurz gesagt, liegt dem Reden vom »falschen Bewußtsein« zweierlei zugrunde: zum einen die Annahme, es gäbe so etwas wie objektive Realität, die nur haargenau widergespiegelt werden müsse, um ein wahrheitsgemäßes Bild zu bekommen (der Mensch als Reflexionsautomat). Außerdem der Anspruch, im Besitz der (einzig) passenden politischen Überzeugung zu sein, die wie ein Rosenstrauch aus dem richtigen Bewußtsein herauswächst.

Der Mensch mit dem falschen Bewußtsein ist also entweder ein Lügner, wie vor allem all jene, die vom kapitalistischen System profitieren, oder von Linsentrübung betroffen, wie alle anderen, die entweder nicht von diesem System profitieren oder sich einbilden, sie hätten einen Vorteil davon. Diese Einbildung entsteht dann, wenn der einzelne sich über seine tatsächlichen Interessen täuscht, also zum Beispiel lieber Volvo fährt als Trabi.

Da er das richtige Bewußtsein besitzt, weiß der marxistische Theoretiker jedoch über die Bedürfnisse der Mehrheit besser Bescheid als diese selbst. Auch deshalb war die DDR wie andere vergleichbare gesellschaftspolitische Experimente so überaus erfolgreich.