Furcht und Erleichterung

Wenn du spürst, wie die Jalousien der Verdrängung herunterrauschen, und du noch einen Zipfel des Schrecklichen siehst. Große Erleichterung, aber immer auch die Furcht, die Jalousien könnten sich beim nächsten Mal irgendwo verhaken.

Immer dasselbe

»Wartet mal ab, ich hab noch gar nicht richtig angefangen.«

Das Gefährlichste am Menschen ist sein Wille zur Macht, sein Ehrgeiz, vollständig er selbst zu werden. Oder was er dafür hält. Und am Ende liegt die ganze Welt in Trümmern. Und er steht mittendrin. Oder sitzt. Dann schüttelt er sich dreimal. Und immer wieder den Kopf, als wenn das etwas nützte. Und bald geht alles wieder von vorne los: Aufbauen, Zerstören, Kopfschütteln.

Augen und Ohren und anderes

Wer hat sich nicht schon einmal verhört oder verguckt? Klar, jeder. Aber was für die Ohren und die Augen gilt, gilt auch für unser Gefühl: Es besteht immer die Gefahr der Täuschung. So real und niemals kritisierbar Liebesgefühle auch sein mögen, sie sind nicht immer verständlich und häufig »unangemessen«, weil wir etwas in den andern hineinzuinterpretieren versuchen, was nicht vorhanden ist. Liebe macht bekanntlich schlechte Augen. Und dann, wenn wir eine Brille zur Hand nehmen, wundern wir uns über das, was wir sehen, und über uns selbst, auch wenn das an unseren Gefühlen manchmal nichts ändert.

Zukunft

Die meisten von uns neigen dazu, ihr Leben in die Zukunft zu verschieben. Bei diesem ständigen öffentlichen Nachdenken und dem Gerede über gesellschaftliche Zukunftsperspektiven und auch bei unserem inneren Palaver über unsere eigene Zukunft wird häufig das vergessen, was viel wichtiger ist: unsere Gegenwart.

Wenn wir ganz in unserer Gegenwart aufgehen und unsere Möglichkeiten heute nutzen, brauchen wir uns um die Zukunft keine Sorgen zu machen. Und uns morgen nicht damit zu quälen, was wir gestern versäumt haben.

Ausrufezeichen

Lehrer sagen und schreiben gern etwas mit Ausrufezeichen. Aber oft ist das Gesagte das Ausrufezeichen nicht wert. Wo du keine Ausrufezeichen findest, da lasse dich ruhig nieder, und suche nach den versteckten Zeichen im Text, und – noch besser – setze die Ausrufezeichen selbst, und zwar an den richtigen Stellen, wenn es solche für dich gibt: Aber darüber mußt du selbst entscheiden.

Gewissen

Es ist so, als wären wir in unserer Kindheit mit einer Art retardierendem Breitband-Antibiotikum gegen uns selbst geimpft worden, das uns einerseits unsere Wege asphaltiert und diese deshalb leichter begehbar gemacht hat, aber uns heute immer wieder behindert, weil es erdrutschartig von Zeit zu Zeit Geröll auf unserem Weg zu uns selber auftürmt. Jedes Medikament hat eben unerwünschte Nebenwirkungen.

Oder sind es erwünschte? Wir sollten darüber nachdenken, wem die Wirkungen und Nebenwirkungen nützen. Und dann die von uns nicht erwünschten Nebenwirkungen mit einer anderen Medikation bekämpfen: zum Beispiel Eigensinn.

Das Dumme ist nur, daß gewissenfernes Nachdenken schon wieder Eigensinn voraussetzt und Eigensinn meistens gewissenfernes Nachdenken: ethischer circulus vitiosus.

Wahrnehmung und Bewußtsein

Wir alle leben im Dunkeln. Das Sonnenlicht als Quelle der Offenbarung ist nichts als eine Widerspiegelung unseres Bewußtseins, gewissermaßen eine optische Täuschung. Was uns den Weg erhellt, ist einzig und allein das von den Sinnen gefütterte Bewußtsein, das sich durch die sinnliche Wahrnehmung seiner selbst bewußt wird. So was wie ein kosmischer Zerrspiegel des Überkosmischen.

Verkündigungsmenschen

Manche Menschen verkünden bei Festlichkeiten laut und gern und unter Tränen, daß sie alle lieben, und sie herzen und küssen jeden, der ihnen in den Weg kommt und sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Diese Verkündigungsmenschen sind voll der Liebe für alle. Wahrscheinlich haben solche Menschen deshalb so wenig Zeit, wenn du ihnen signalisierst, daß du sie brauchst.

Verständigungsparadoxie

Zu den tragischen Absonderlichkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation gehört die Tatsache, daß uns die am besten zuhören, zu denen wir nicht sprechen, und daß uns die, denen wir etwas sagen wollen, nicht zuhören.

Uhren

Bei der letzten Umstellung haben meine Uhren mir ihre Krallen gezeigt. Aber es hat ihnen nichts genützt. Sie mußten sich fügen, so wie auch ich mich fügen mußte. Aber die Hähne sind uns allen überlegen. Sie fügen sich nicht. Sie krähen weiter die richtige Zeit. Aber die Biologen arbeiten dran.

Ewiges Leben

Das Feuer lange erloschen, ausgetretene Glut
und an den Ufern warten die Gefährten noch.
Ihr Rufen klingt falsch wie Gesang.
Sieh doch, sie winken dir zu.

Doch das Rad dreht und dreht
es gibt kein Entkommen.
Halt ihn, diabolischer Strick, göttlicher Knoten fest!
Auf immer Tag, auf ewig die Sonne glüht.

Und Asche regnet aufs Haupt
die Lichter zucken im Nebel.
Der König reist durch sein kleines Reich
immer im Kreis durch sein Reich

Über Gedichtinterpretation

Wer ein Gedicht analytisch seziert und regelgeleitet interpretiert, läuft Gefahr, das Gedicht gründlich mißzuverstehen. Es ist so, als wenn man einem Lebewesen das Blut abzapfte, um es besser zu begreifen. Gedichtinterpretationen erscheinen manchmal sehr plausibel, und man kann einiges aus ihnen lernen, aber meistens mehr über das Weltbild, die Bildung und den interpretatorischen Ansatz des Rezipienten als über das Gedicht. Von den Intentionen des Dichters ganz zu schweigen.

Es gibt sogar Interpretationsverfahren, die Gedichte zerstören, weil sie die komplexen Wort-und-Sinn-Gebilde auf architektonische Phänomene reduzieren. Mit einer architektonischen Denkweise aber läßt sich ein musikalisches Phänomen nicht erfassen, nicht mal dann, wenn es so streng architektonisch daherkommt wie Bachsche Fugen.

Die Frau

Was die Frau dem Mann über ihre strukturelle Beschaffenheit mitteilt, ist gleich Null. Männer bilden sich ein, die Strukturen, die sie finden (wenn sie denn welche finden), sagten ihnen etwas über den »Bauplan« der Frau; dabei betrachten die Männer nichts weiter als die Strukturen ihres eigenen Denkens, die ihnen von ihren »Forschungsgegenständen« entgegenblinken.

Frauen sind mit Spiegeln umstellt, undurchdringlich für den Blick des Mannes. Er sieht immer nur die Reflexion seines eigenen Denkens, kann gar nichts anderes sehen. Wenn er doch nur begriffe, daß er die Oberfläche der Frau betrachtet, wenn er glaubt, in ihre Geheimnisse eingedrungen zu sein.

Umgekehrt gilt natürlich (fast) das gleiche.

Über Gefühle und Entscheidungen

Allem, was wir tun, liegt eine Entscheidung zugrunde, das zu tun, was wir tun, sei uns das nun bewußt oder nicht, sei die Entscheidung eine bewußte oder eine, die wir erst in unserem veränderten Handeln bemerken. Es ist ein Mythos, daß wir uns von unseren Gefühlen leiten lassen, denn die Gefühle entstehen erst in der Folge. Wir können uns erst in einen Menschen verlieben, wenn wir uns entschieden haben, ihn anzuschauen. Wir müssen uns immer erst entscheiden, diesem oder jenem Gefühl Raum zu geben – oder auch nicht. Das alles gilt auch für die Entscheidung, uns nicht zu entscheiden.

Von Raupen und Schmetterlingen

Die Raupe stand immer wieder vor dem Spiegel, betrachtete sich und sagte ein ums andere Mal: »Wie ein richtiger Schmetterling.«

Der Schmetterling, der noch Reste seines Kokons mit sich herumschleppte, die an ihm klebten, erkannte die versteckte Schönheit in der Raupe, die sich unterschied von allen anderen Raupen, ja Schmetterlingen, flog immer wieder um die Raupe herum und versuchte, sich bemerkbar zu machen. Aber die Raupe spielte ihre Spiele vor dem Spiegel und beachtete ihn nicht.

Schließlich faßte er sich ein Herz und sprach sie an. »Du wunderschöner Schmetterling, du bist doch auch allein wie ich, wollen wir uns zusammentun?«

Doch die Raupe sah nur kurz hoch vom Spiegel, taxierte den Schmetterling sekundenschnell und schaute dann an ihm vorbei.

»Laß mich in Ruhe, ich interessiere mich nicht für Raupen«, sagte sie unwirsch.

Bildstörung

Nichts nützt das Rütteln am Tisch,
wenn der Kopf nicht aufspringt.
Die Strahlen des Mondes rufen vergebens.
Noch zucken unruhig die Augen
hinter lähmenden Jalousien.
Geduldig harren meine Hände.

Nichts nützt das Rütteln am Kopf,
wenn das Herz nicht anspringt.
Die Strahlen der Sonne rufen vergebens

Selbstverwirklichung?

Eine besondere Art von Hilferufen ist die, die der Rufer selbst nicht bemerkt: Wer auffällig akzentuiert seine Unabhängigkeit und Selbstbestimmung betont und sich und andern mit besonderer Eindringlichkeit zu zeigen versucht, daß er ohne fremde Hilfe alles im Griff hat, zeigt damit, daß es nicht so ist und er der Hilfe bedarf. Das Fatale daran ist die Vehemenz, mit der die angebotene Hilfe zurückgewiesen wird, weil man ja ganz eigenständig selbst alles im Griff zu haben sich einredet. Wird der Hilferuf von andern gehört, werden diese als Phantasten betrachtet, und das Hilfsangebot wird ausgeschlagen, das Unabhängigkeitsgehabe verstärkt. Oft endet dies nach anfänglicher Euphorie nicht in der Selbstverwirklichung, sondern in einer heftigen Lebenskrise. In krassen Fällen manchmal dann in der Selbstzerstörung.

Gesunder Menschenverstand

Häufig ist zu lesen, wenn man sich dieses oder jenes anschauen würde, dann sei sicher, daß man den Glauben an den gesunden Menschenverstand verlöre. So schlimm? Ja, wenn ich es mir dann anschaue, kann ich die Erwartung manchmal verstehen. Manchmal aber auch nicht, und zwar deshalb, weil das Vorgeführte mir unmittelbar einleuchtet und ich keinerlei Widerspruch in meinem Verstand bemerke. Und in aller Regel kann ich mich auf meinen Verstand verlassen, das weiß ich aus Erfahrung. Auf den gesunden Menschenverstand kann ich mich jedoch nicht verlassen, und auch das weiß ich, weil ich es erfahren habe – und nicht nur ich.

An den gesunden Menschenverstand glaube ich nicht, und deshalb kann ich den Glauben an ihn, man verzeihe es mir, daß ich den Erwartungen nicht gerecht werden kann, nicht verlieren. Um den Glauben an den gesunden Menschenverstand verlieren zu können, muß man einen kranken Verstand haben, denn nur ein kranker Verstand glaubt an den gesunden Menschenverstand. Und nur wer an etwas glaubt, kann diesen Glauben verlieren. Nein?

Doch. Daraus folgt, daß es der kranke Verstand ist, der an den gesunden Menschenverstand glaubt, und der ist ihm das Maß aller Dinge, denn wenn der kranke Verstand ganz ehrlich ist, dann gibt er zu, daß er sich selbst für den gesunden Menschenverstand hält und daß er davon ausgeht, daß es andere gibt, die nicht über diese Art Verstand verfügen, wie zum Beispiel ich. Wenn er seinen Glauben an den gesunden Menschenverstand aber nun verliert, was hat er dann noch? Richtig, dann hat er was gewonnen: Verstand.

Wir

Manchmal fühle ich mich einen Wimpernschlag lang recht wohl in meiner Welt, aber nur so lange, bis mir wieder einfällt, daß meine Welt ein Teil deiner Welt ist und deine Welt ein Teil meiner, auch wenn dir das vielleicht nicht klar ist, und dann wird mir bewußt, daß ich allein bin in meiner Welt, wenn ich nicht gleichzeitig in deiner Welt bin. Und auch wenn mir deine Welt weniger gut gefällt als meine, möchte ich doch auf Dauer nicht allein sein, denn Solipsismus ist etwas für Abgestorbene, und ich fühle mich sehr lebendig. Bleibt nur die Hoffnung, daß unsere scheinbar getrennten Welten sich im Bewußtsein einander annähern und irgendwann miteinander verschmelzen, das heißt, daß wir beide erfahren, wo wir wirklich sind.

Sprachrohr

Man sollte sich beim Sprechen, besser noch vor dem Sprechen, immer wieder überlegen, ob man nicht ein Sprachrohr von jemand anderem ist, und wenn ja, von wem, denn es fördert Interessenkonflikte mit uns selbst, wenn wir uns bewußtmachen, wessen Sprachrohr wir sind. Und Interessenkonflikte mit uns selbst fördern die Klarheit des Denkens.

Das ist nicht nur ideologiekritisch gemeint, sondern ganz existentiell.

Repetitive Wahrnehmungsdiagnostik

Alles Repetitive verändert die innere Wahrnehmung, vorausgesetzt, es beinhaltet minimale Veränderungen und wird über einen längeren Zeitraum ausgedehnt. Dann entsteht in der Wahrnehmung so etwas wie die Reflexion des Raum-Zeit-Kontinuums. Man muß sich nur die Zeit nehmen und den Raum geben, die Zeit als Raumzeit wahrzunehmen, und so lange warten, bis man die Wahrnehmung nicht mehr als Wahrnehmung wahrnimmt. Und das über einen längeren Zeitraum. Man kann das auch Meditation nennen, wenn man will.

Sprachwandel

Im  aktuellen Jugendsoziolekt hat das Wort »Opfer« eine semasiologische Umdeutung erfahren, hin zum Pejorativen. Potentielle Opfer neigen dazu, das Wort Opfer zum Schimpfwort zu machen, mit denen andere potentielle Opfer bedacht werden können, um damit potentielle Täter von sich selbst abzulenken. Man muß sich dann nur noch geignete Sündenbocke suchen. Das ist ja nicht schwer. Am besten Juden, Zigeuner, Behinderte, Intellektuelle oder Migranten, wie es seit einiger Zeit so schön politisch korrekt heißt. Wobei das mit den Migranten so eine Sache ist, weil gerade bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien dieser Gebrauch des Wortes »Opfer« sehr verbreitet zu sein scheint.

Auf Opfersuche, falls das nötig ist und für die Opferrolle nicht längst jemand ausersehen wurde, macht man sinnvollerweise ein gemeinsames Casting. Solche Allianzen von Tätern und Opfern finden sich allenthalben und haben sich in der Weltgeschichte recht gut bewährt.

Arbeitslose Aktionäre

Wenn die Arbeitslosen Aktien der Deutschen Bank kaufen würden, brauchten sie bald nicht weiter nach Arbeit zu suchen, und es gäbe demnächst noch mehr arbeitslose Aktionäre. Das würde zwar an der Arbeitslosigkeit nichts ändern, aber an der Arbeitslosenstatistik. Und das wär doch schon mal was. Andererseits: Dann würden ja viel weniger mein Blog lesen, weil sie so sehr mit den Aktienkursen beschäftigt wären. Also doch kein so guter Vorschlag. Man muß eben immer überlegen, wenn man Vorschläge macht, ob man sich damit nicht selbst schadet. Ist alles eine Interessenfrage.

Das paßt doch gar nicht hierher. Stimmt, aber die Arbeitslosen haben ja auch gar kein Geld, um Aktien zu kaufen.

Über Kritik

Harsche Kritik von einem Dummkopf ist mir lieber als das heftige Lob von einem Denkmenschen, denn bei dem man weiß nie, was dahintersteckt. Am angenehmsten ist mir eine gerechte Beurteilung, von wem auch immer. Also kritisches Lob. Das hilft mir weiter.

Verstand und Verständnis

Verständnis kommt nur sprachlich von Verstand. Wirklich tiefes Verständnis aber kann der Verstand nicht generieren. Verständnis kommt aus dem Herzen. Ein Gefühl.

Wie destilliert man Blut?

Wie bekommt man das fremde Leben aus dem eigenen, wenn man dieses fremde Leben als das eigene fühlt und begreift? Ich glaube nicht, daß eine Bluttransfusion dauerhaft helfen kann, da sie ja leider bei vielen Krankheiten nur vorübergehend für Besserung sorgt. Besser wäre wohl Destillation. Aber wie destilliert man Blut?

Klarheit

Klarheit ist eine gute Voraussetzung für alle Lebensbereiche. Aber nichts ist so hinderlich bei der Gestaltung wie ein zu klar ausgeprägter Gestaltungswille. Wer sich selber zu sehr zwingt, verschmachtet irgendwann im eigenen Kerker. Wenn niemand nach ihm schaut.

Mitmenschen und Nachbarn

Wenn wir keine nachbarlichen Mitmenschen hätten, könnten wir freier atmen, aber wir dürften uns keinen Schnupfen einfangen, weil wir ohne Nachbarn nach einer Weile nicht mehr wüßten, wie wir den Mund aufbekommen sollen.

Apodiktisch

In der geistigen Auseinandersetzung gibt es nichts essentiell Apodiktisches. Niemand ist so mächtig, daß er ungerügt apodiktisch auftreten könnte, denn die Grundlage jeder Meinungsäußerung ist das Argument. Und das Argument ist nur dann ein Argument, wenn es falsifizierbar ist. Kugelsichere Argumente gibt es nicht.

Deshalb ist jede Aussage, die wir machen und implizit oder explizit argumentativ unterfüttern, letztlich nichts weiter als eine mehr oder weniger plausible Hypothese, darauf wartend, daß ein Kritiker mit einem Argumentationsgewehr daherkommt und unsere Argumentation in Stücke schießt oder einer mit einem Lappen die Schminke abwischt, wenn unsere Argumente zu dünn sind.

Aber nun dem Argumentierenden apodiktisches Verhalten vorzuwerfen, weil man gerade kein Gewehr oder keinen Lappen zur Hand hat, das ist doch ein wenig zu dürftig und reicht nicht zur Falsifizierung einer Argumentation aus.

Wer selber kraftvoll und stringent argumentiert, braucht keine Angst zu haben vor apodiktisch auftretenden Geistesgrößen, denn diese Großen erscheinen uns oftmals nur deshalb groß, weil sie so viele Zwerge um sich herum versammeln, die selber nicht die Kraft zum Denken haben und sich demzufolge an den vermeintlichen Denkriesen anhängen, um selbst größer zu erscheinen.

Entscheidend ist die Qualität der Argumentation. Und wenn unsere Argumente den anderen nicht standhalten, dann sollten wir uns nicht ärgern, sondern freuen, denn wir haben wieder was dazugelernt.

Wir können aber auch anfangen, zu spucken und zu treten, wie das so häufig geschieht. Aber dann dürfen wir uns nicht wundern, daß uns das nicht weiterbringt im Denken, denn wenn der Kopf mit Spucken beschäftigt ist und die Füße mit Treten, haben wir keine Gelegenheit, uns hinzusetzen und nachzudenken.

Aber manchmal ist uns eben mehr nach Spucken und Treten, das kennt ja jeder. Nur, was bringt uns das? Am Ende doch nur Beschämung. Und sei es vor uns selbst.

Phänomenologie der inneren Dummheitsentstehung

Dumme Menschen sind nicht deshalb dumm, weil sie keine Gedanken haben oder falsche oder verdorbene, verfaulte. Dumme Menschen sind dumm, weil sie sich selbst nicht richtig oder gar nicht zuhören, sondern lieber anderen, die auch nicht wirklich dumm sind, aber Dummheiten erzählen, weil sie sich selbst nicht richtig zuhören. Vice versa. Deshalb fühlen sich Dummköpfe zu Dummköpfen hingezogen.

Ohrenärzte sind hier in jedem Fall machtlos.

Wer gegen dieses Phänomen der Verblödung ein Heilmittel fände, der würde reich und berühmt und mehr.