Gestörte Melancholie

Durch den wohligen
Dunst mattroter Klage
fern allem Streiten
weit weg vom Hassen
reißen sie Schneisen
ins mürbe Bewußtsein
traumschwerer Tage
unruhbewölkt und
vom Streben verlassen
reißen mit giftigen Zacken
die Stunden
künstlicher Hast und
blutarmer Worte
lebenslang unauslöschliche
Schrunden:
rissig-zerschundene
steinharte Orte

Der zersplitternde Trost

Wo selbst die Tauben sich im Lärm verlaufen
da wird das sanfte Wort verschluckt, bleibt stumm.
Wo Blinde kalte, kranke Augen kaufen
da werden alle tiefen Blicke krumm.

Da hilft kein Rausch, kein sinnvolles Besaufen
die Bilder kreischen, das Delirium
im Ohr das Prasseln roter Scheiterhaufen
verbrannter Hoffnungen Martyrium.

Das ist die Zeit, da sie mit Feuer taufen
und niemand fragt sich noch, warum
kein Glanz mehr auf den Sternenhaufen –
vom Trost befreites Säkulum

Am Zeitrand lauert das Schweigen

Die einen sind es
die die Schrammen färben
ein wenig bunter Hautschorf.
Kein tiefer Blick
kein wahres Wort
nur Blutgerausche
Alltagsgähnen
stummes Gedröhn
in einem fort.

Und andre sind es
die uns in die
Tiefe stoßen:
vereister Blick, gefrornes Blut.
Schwarzweiß und tonlos
mancher Schrei.

Hier, dort die Schleifer
die die Seelen schleifen
mit schwarzen Diamanten
tiefe Wunden reißen.
Kein Glück, kein Trost.
Nur Barbarei

Vision

Die Fröste kreisen
kriechen in dein Glutgehirn
noch zuckt der weiße Atem
aber bald gefriert das Blut
und deine Seele bricht wie Glas
in stumpfe Messer stürzt das Herz
die Mondscheinnächte blicken leer
auf die Ruinen der Gefühle
verwehte Hülsen glücklicher Tage
flattern im Wind wie schmutzige Fahnen
und kalte Strahlen fahnden im Nichts
nach Resten wärmender Winde.
Der Oststurm ruft dich zur Ordnung.
Geh endlich fort. Hier leben
maskierte Gestalten. Hier wartet
der heimliche Tod

So ohne Sinn

So ein glutloser Tag
ohne Sonnenaugen
sinnleeres Nichts
im solarischen Sprühn
kein Lichtgefühl
am Rande der Welt
wo wolkenumwühlt
rotes Gestein lautlos
ins Dunkel stürzt
kein Tropfen Blut
nicht mal Zischen
nur Möwenschnäbel
Totentanz.

Im Dunst der
Rettungsring und
dein Gesicht mein Gesicht.

Nächtens
werde ich
atemlos morsen
Anna Anna
oder so ähnlich
wieder vergebens.
Palindrom in der
Finsternis.

Dumpfstummes Herz
will nicht verstehn

Morgen

Wenn die Morgensonne
die Fenster zerbricht
ist es Zeit
die Gitterstäbe
zu putzen.

Denn am Abend
ist Hochzeit.

In den Nachbarkäfigen
schmücken sich leise
die Bräute.

Auch die Messer
sind schon gewetzt.
Blank. Kalter Stahl.
In der Ferne
krähen die Hähne

Tag für Tag Nacht

Schaufelschwielen keuchen Gräben
Splitterrisse hoffnungslahm.
Böse bellen Uniformen
Fusel flucht auf Abraham.

Zyanaugen löschen Flehen
Wunde Blicke blickerstickt.
Eisgelächter schneidet Leben
Peitschen knurren haßgespickt.

Angstbefeuert schmelzen Seelen
Leiber stürzen aufs Gesicht
zucken in den klammen Furchen.
Brüllend löscht der Tod das Licht.


Deutsche Meister schwitzen DAMALS
Robenrentner rheumalahm.
Mythenrauch schwült kalte Helden
Lippen zucken prahlebram

Zeitlose Zeit

Wenn die Uhren
denken könnten
würden sie sprechen

Wenn die Uhren
fühlen könnten
würden sie schreien

Wenn die Uhren
denken und fühlen könnten
würden sie schweigen

Wenn die Uhren
schweigen könnten
wäre es still auf der Welt

Wenigstens für eine Weile

Der Papst stirbt

Wie Schattenlichter
das Blitzen
entfremdeter Tod.

Die Welt beugt sich
laut über
das fremde Sterben
für dich

in den zeitlosen Säulen
das kalte
Steinegestrüpp.

Die Massen
auf den Plätzen
der endlosen
Wahngewalten.

Und zum
Schluß nur
ein Name mehr
auf der Tafel
der verruchten
Stellvertretergestalten.

Eine Blume aus Stein
im Fenster
der Glockentänze.

Ein Name nur
der Vergeblichkeit.

Kein Trost
im Gewühl.

Nur gefiederte
Worte

2005

Geschenk

Im eisigen Schneestein
der zeitlichen Weiten
torkeln vermummte Gestalten
wie hungrige Raben
mit flehenden Armen
und zittrigen Händen
in Aschengewändern.
Sie rufen nach Warmem
und betteln um Gnade
zertreten die Waagen
zerreißen die Roben
zerbrechen die Tafeln
und sprechen
das Wort vor sich hin:
Kein Recht für
das Recht.
Nur gerechte
Begnadung

Ewiges Leben

Das Feuer lange erloschen, ausgetretene Glut
und an den Ufern warten die Gefährten noch.
Ihr Rufen klingt falsch wie Gesang.
Sieh doch, sie winken dir zu.

Doch das Rad dreht und dreht
es gibt kein Entkommen.
Halt ihn, diabolischer Strick, göttlicher Knoten fest!
Auf immer Tag, auf ewig die Sonne glüht.

Und Asche regnet aufs Haupt
die Lichter zucken im Nebel.
Der König reist durch sein kleines Reich
immer im Kreis durch sein Reich

Bildstörung

Nichts nützt das Rütteln am Tisch,
wenn der Kopf nicht aufspringt.
Die Strahlen des Mondes rufen vergebens.
Noch zucken unruhig die Augen
hinter lähmenden Jalousien.
Geduldig harren meine Hände.

Nichts nützt das Rütteln am Kopf,
wenn das Herz nicht anspringt.
Die Strahlen der Sonne rufen vergebens

Ein Tag wie jeder andere

Es sind die Nägel
die den Leib der Liebe zieren
es ist das Blut
das sie vom Rost befreit
und nicht nur sie.

Es sind die Wunden
die den Nordwind spüren
es ist der Tag
der kranke Seelen heilt
und nicht nur sie.

Es sind die Lahmen
die zum Hügel starren
mit toten Augen
grauer Wut.

Kein warmes Herz
das nicht zu Salz
gefriert

Falsche Brennweite

Was kann man schon sehn
wenn Blicke nur Haut berührn
wie eine Leinwand

auf der Vergangenes webt
die Flut gekrümmter Bilder

mit trockenem Blick
in dem Vergangenes lebt
wie Würmer im Sarg

kann man irgendwas sehen
wenn man die Blicke nur denkt

kann man irgendwas sehen
wenn man nur Häute erblickt?

Verstummen

Ich wasche magre Wörter
im Speichel müder Tage
sie bröckeln manchmal
brechen durch
im Mund wie alte Honigwaben
und ich verschluck
mich dran und spuck sie
aus wie Rotz.

Und dann ist
Ruh.
Die Vögelein schweigen im Walde.
Und nur ein Baum
knarrt leis im Wind
ein Wort.

Die Steine schweigen
und alle Sterne knien nieder.
Ohnmacht beginnt.
Die Nacht geht
nicht mehr
fort

Warum, weshalb, wieso?

Schon wieder Schatten, Tod und trübe Tage
Vergänglichkeit und all die dunklen Farben
das Sein, das Nichts, die alte Sinnsuchfrage
und grelles Licht auf die verhüllten Narben.

Weshalb bist du so negativ, so bitter
wieso nicht Frühlingsglück nach schweren Stürmen
warum nicht Sonnenschein nach dem Gewitter
erfüllte Hoffnung unter Kirchentürmen?

Die Welt ist voll von Illusionsmaschinen
die gute Laune spritzt aus blinden Drüsen
der warme Saft rinnt aus den Witzlatrinen
und Zuversicht aus falschen Analysen.

Was tut da schon ein Dorn, ein kleiner Splitter
erzeugt im Schädel mattes Wetterleuchten
im trüben Auge neben all dem Flitter
ein Hauch im Sentiment der Tränenfeuchten.

Warum nicht negativ, weshalb nicht bitter
wieso nicht schwarze Nacht mit roten Stürmen
Verzweiflungsschreie nach dem Blutgewitter
verrauchte Hoffnung unter alten Türmen?

Fragt etwa jemand den Komödienschreiber
Warum sind deine Stücke leicht und heiter
weshalb nicht öfter aufgespießte Leiber
wieso nicht eimerweise Kot und Eiter?

Der Fremde

Er ist verschlungen in den Strom der Zeiten
in Finsternis gehüllt im bunten Bilderbruch
und keine Zeichen, die ihn hingeleiten
ins Licht, in frische Luft, befreit vom Brandgeruch.

Und an den Rändern seiner Nachtgesichter
versinkt der Sinn, gerinnt zu bröckligem Gestein
in ihm die Worte seiner toten Dichter
Kultur, ein unverbindliches Beisammensein.

Im späten Licht verdichtet sich Geschichte:
Jahrtausend und Jahrzehnt: nur Abel – Kain
auf ihren Schultern ruhen blutige Gewichte
ererbter Wahn, beleuchtet, blind vom Feuerschein.

Ein Hexentanz im Staub der Folianten,
ein Lufthauch kaum im Kerker der verglühten Zeit
kein Testament der im Gewühl Verbrannten
nur Mummenschanz, die Larven der Vergangenheit.

Im Versteck

Da ist kein Lärm
wo Wunden tropfen
und wer nicht hören will
sieht keine Träne.

Man stirbt nicht dran
so leicht fließt keiner aus
und wer in Fernen blickt
fühlt nicht mal Schmerz.

Nur manchmal wird er wach
wenn ihn im Dunkeln Blicke streifen
dann spürt er
auf der Brust den Schutt
verglühter Tage
und plötzlich
zittert seine Hand
und tastet
nach dem Riegel.

Und morgens wäscht er Rost
von seinen Fingern.

Mit Seife spart er nicht