Verstummen

Ich wasche magre Wörter
im Speichel müder Tage
sie bröckeln manchmal
brechen durch
im Mund wie alte Honigwaben
und ich verschluck
mich dran und spuck sie
aus wie Rotz

Und dann ist
Ruh.
Die Vögelein schweigen im Walde.
Und nur ein Baum
knarrt leis im Wind
ein Wort

Die Steine schweigen
und alle Sterne knien nieder.
Ohnmacht beginnt.
Die Nacht geht
nicht mehr
fort

Manchmal

von: Lyriost   Kategorie: GedichteManchmal

Kein Netz
Gewißheit weiß wie Schnee
mit klaren Linien
um mich her
zerstäubt die
flimmernde Welt
wie man Kreide
von einer
Tafel wischt.
Der Himmel flieht
und alle Formen
flüchten ihm nach.
Stumm ruhend am
randlosen Rand
ein sprachloses
Ich

Die Tränen der Heliaden

Man hängt sie an Hälse und Ohren
und adelt grobe Gestalt
Tränen die einstmals verloren
die Töchter der Lichtgewalt

das Blut verhärmter Gehölze
versteinerter Grambericht
schmückt schillernd eitles Gepelze
rahmt manches leere Gesicht

Nicht ganz ernst gemeint

Du sollst nicht töten
schrieben sie auf ihre Fahnen
dann schlachteten sie
ein paar Rinder und Schweine
oder Schafe und Ziegen
feierten zum Abschied
mit ihren Frauen
bis spät in die Nacht
und im Morgengrauen
zogen sie lärmend in
den Krieg

Verschmähte Liebe

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Verschmähte Liebe

Das Mondschaf stand allein im Feld
und fühlte sich im Stich gelassen:
„Bleib bei mir, Schäfer, du, mein Held?“
Es konnt sein Unglück gar nicht fassen.

Den Schäfer konnte das nicht rühren,
das dumme Schaf war nicht sein Fall –
ging in die Stadt, Bordelle inspizieren,
war lieber Hahn im Hühnerstall