Der Boden der Realität

Die meisten Leute, die vollmundig erklären, sie stünden mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität, behaupten dies, während sie in Wirklichkeit an Tischen – meist Schreibtischen – sitzen, die Füße in Socken oder Strümpfen, und auf ihre Schuhe schauen, prüfend, ob diese wirklich blankgeputzt sind.

Zivilisation kann eine angenehme Sache sein, aber Realität erfährt man besser barfuß auf einer Wiese oder wenn man im Sand an einem Strand entlangschlendert. Es muß ja nicht unbedingt gleich im Winter sein. Jeder hat mal klein angefangen.

Über Glauben und Freiheit

Es ist ein untrügliches Merkmal von Emanzipation, an etwas zu glauben und nicht an jemand. So wie der Glaube an die Freiheit, und sei er auch noch so naiv und unbegründet, um vieles wertvoller ist als der Glaube an jemanden, der sie uns gewährt, so ist auch der Glaube an ein wie immer geartetes göttliches oder auch teuflisches Prinzip Ausdruck von selbstbestimmtem Denken, der Glaube an einen Gott oder den Teufel hingegen ein Zeichen von Unmündigkeit. Und der Glaube an unser äußeres Selbst als Maß aller Dinge ist nur ein Reflex dieser anthropomorphen Vorstellungen und der Gipfel der Dependenz. Die wahre Freiheit des Königs liegt in der Möglichkeit der freiwilligen Abdankung.

Weiße Weisheit

Die weißen Schleier
fallen auf die Welt
und alles Wollen
wird von Sturm
zu Wind.
Ich schaue still
wie Jagd nach Ruhm
nach Glück nach Geld
nach allem
was im Rausch zerfällt
im Nichts zerrinnt.
Wie alles endet
und von vorn
beginnt.

Die weisen Schleier
fallen auf die Welt
und alles Wollen
wird vom Sehen
blind

Kein Zeuge

Und spräche ich auch mit bis zur Unkenntlichkeit verstellter Stimme: Jede Erfahrung des Furchtbaren, des Desasters ist existentiell-individell. Und daher weiß ich nichts, denn zwar fühle ich mich auch betroffen, wenn es nicht um mich geht, aber ich bin es nicht.

Permutativer Beitrag zum Eudämonismus

Lieber ein luftiges Lustschloß als ein lustiges Luftschloß. Nicht zuletzt weil man im Lustschloß die Fenster schließen kann und weil es weniger leicht davonfliegt. Ein Luftschloß ist da um einiges gefährdeter. Schon wegen des Windes. Wenn aber das Lustschloß ein Luftschloß ist, dann sollte man, wenn möglich, rechtzeitig an Materialisierung denken.

Elitenbildung

Wenn sich einer einbildet, er brauche sich nur den Hintern zu parfümieren, um zur Elite zu gehören, dann liegt er voll im Trend: Elite ist, so scheint es, immer dort, wo die Fürze besser riechen. Auch Geldscheine als Toilettenpapier sind bei der Elitengenerierung von jeher anerkannt nützliche Requisiten. Emotionale Intelligenz und Bildung dagegen nur in Ausnahmefällen.

Mausgrau

Wer seine Individualität besonders herausstreicht, offenbart damit einen Mangel an Individualität. So schrill es auch immer erscheinen mag, Mausgrau schimmert durch: Uniformträger tragen auch Individualität wie eine Uniform.