Negative Kongruenz

Ein sinnloses Unterfangen: mit schwachen, unfairen Menschen offen, geduldig und rücksichtsvoll zu verkehren. Weit entfernt davon, sich ein Beispiel zu nehmen, legen sie es dir als Schwäche aus und warten auf eine günstige Gelegenheit, dir deine Fairneß durch Bosheit zu vergelten. Statt Annäherung und den Versuch, kommunikative Deckungsgleichheit zu erreichen, erzeugt faires Verhalten des einen eher das Gegenteil: negative Kongruenz.

Verstand und Vernunft

Mich amüsiert es immer wieder, wie die Vernunft, ich meine die reine, sich im Gebirge versteigt, aber noch mehr belustigt es mich, wieviel Vernunft der Verstand aufzubringen vermag, um der sich versteigenden Vernunft Unvernunft zu unterstellen. Das ist wahrhaft köstlich.

Apodiktisches

Ganz erstaunlich, was passiert, wenn ich mich in einem Beitrag über den Vorwurf des Apodiktischen äußere. Einer findet meine Infragestellung der Relevanz des Apodiktischen apodiktisch und bietet mir eine andere Herangehensweise und ein anderes Denken an, will mir einen anderen Denkort, nämlich seinen, zuweisen, natürlich ohne sich der Mühe einer Begründung zu unterziehen, und ist beleidigt, wenn ich nicht darauf eingehe. Ein anderer wiederum hält meine Sprache für elaboriert und gibt mir in stilistisch und lexikalisch ungehobelter Sprache, gewürzt mit mannigfaltigen Beleidigungen und Unterstellungen, gute Ratschläge, wie ich meinen Stil – und damit mein Denken – ändern könne. Und sie merken nicht, wie unverschämt, intolerant und rücksichtslos sie sich verhalten, wenn sie ihr eigenes Denken oder Sprechen zur kognitiven oder sprachlichen Norm erklären, an der ich mich zu orientieren hätte.

Kritik und Kreativität

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, wird auch der Unkreativste kreativ. Vor allem dann, wenn er etwas nicht verstehen will, weil es gegen seine eingeschliffenen Überzeugungen gerichtet ist. Dann ist kein Mittel zu billig, keine Unterstellung zu abwegig, um nicht mit viel Brimborium geäußert zu werden.

Der Stillose entdeckt plötzlich seinen Sinn für den Stil (des zu Kritisierenden), und der grobschlächtig Argumentierende reagiert hypersensibel auf rhetorische Wackeligkeit (beim anderen), wenn er schon keine offensichtlichen Rechtschreib- oder Grammatikfehler findet. Und am Ende glaubt der Kritiker des Kreativen tatsächlich, er selbst wäre der eigentlich Kreative. Dagegen hilft nur eines: die Kritik des Kreativen, die kreative Kritik der Kritik.

Amok 2009

Jetzt stürzen sich Politiker und Medien wieder auf das Thema und kochen ihre Süppchen. Man mag es kaum noch hören. Drei etwas andere Beiträge und Diskussionen zum Thema: 

Wir sind Amok

Wertlose Werte überall

Warum tut einer so was

Zum Geburtstag Günter Kunerts

Günter Kunert, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, wird heute achtzig. In der ZEIT habe ich keine Würdigung wahrgenommen. Habe ich sie übersehen, oder fand man den Geburtstag tatsächlich nicht der Erwähnung wert?

In einem Gedicht Kunerts heißt es:

Wir sind die vor und
hinter Scheiben
gewöhnt die Stille und den
falschen Ton
in einem sicher, daß wir bleiben
dieselben immer
wie uns selbst zum Hohn.

Falsche Töne zu Kunerts Geburtstag gab es in der ZEIT heute nicht.

Lieber Günter Kunert, seien Sie herzlich gegrüßt
von mir und von Neil Young. Sie wissen schon …

Die Welt

PS: Inzwischen ist Günter Kunert neunzig und immer noch präsent. Wie schön.