Moral

Naturgemäß sind moralische Vorstellungen kulturell tradiert und damit in hohem Maße relativ, abhängig von den gewachsenen Strukturen der Gesellschaften, in denen sie sich manifestieren. Das heißt jedoch keineswegs, alle diese Vorstellungen, Normen und Gewohnheiten hätten in gleichem Maße ein Recht auf Akzeptanz. Sosehr ich die Herkunft meiner eigenen Moral reflektiere und sie damit zumindest in Teilen in Frage stellen mag, so bin doch ich selbst es, der moralische Pflöcke in den eigenen Boden treibt und dafür sorgt, daß diesen für alle sichtbar gesetzten Maßstäben so weit wie möglich Geltung verschafft wird und dem entgegenstehende Vorstellungen so abgewertet werden, wie sie es verdienen. Trotz der ungesicherten Herkunft und Geltung moralischer Normen dürfen wir in unserer täglichen Praxis keine moralische Indifferenz zulassen. In der Theorie muß das Phänomen Moral jedoch von allen Seiten intensiv beleuchtet, und deren Erscheinungsformen dürfen selbstverständlich auch radikal in Frage gestellt werden. 

Relevanzbedarf

Die Häufigkeit des Wortes Relevanz in der Rede eines Wortklinglers ist der Bedeutung des Redners umgekehrt proportional. Je unwichtiger der Verwender ist oder sich fühlt, um so häufiger wird er dem Relevanten und der Relevanz verbal frönen und ihnen scheinbar seine Reverenz erweisen. Tatsächlich Relevantes wird den meisten jedoch ganz ohne Charakterisierung und Hierarchisierung als solches deutlich.

Gipfelsturm

Als ich gestern morgen den emeritierten Professor Joachim Krause im Rundfunk ironiefrei und mit überlangem Hiatus gendericus von Abgeordnet *innen sprechen hörte, wußte ich: Der Zenit der Idiotie ist nah. Von ferne betrachtet, kommt mir das Ganze vor wie das Getümmel unterhalb des Mount-Everest-Gipfels.