Klepsydra nur, Ophelia

Sie treibt nicht fort, ihr Haar hat sich verfangen
an einem kahlen Trauerweidenast
der Wind leckt rauh die früh verglühten Wangen
und Ratten taumeln müde im Morast.

Am Ufer keine Astern, Anemonen,
ein paar kaputte Eimer, Anglermüll
und von Verirrten, die am Tag hier wohnen
der Rest vom Flaschendosenbieridyll.

So unromantisch. Da klingt kein Chopin,
und auch von Schubert kann kein Ton hier stören.
Das tote Mädchen schaukelt im Refrain
der stillen Fluten, fern von den Souffleuren.

Man wird sie morgen aus der Brühe fischen,
wird wissen wollen, wann, warum und wie
mit Messern graben an den Eisentischen
Begründung finden, doch die Gründe nie

 

Eine Antwort auf „Klepsydra nur, Ophelia

  1. Diese Schlußfolgerung dürfte ein Teil von Benns Verzweiflung in den kalten Kellern gewesen sein. Der Pathologe kann keine Aussagen des Patienten mehr interpretieren und damit fehlinterpretieren, wie es seinen Kollegen, insbesondere aber dem Psychiater immer wieder gelingt. Denn wann hätten wir Menschen uns schon mal richtig verstanden und klar ausgedrückt? Gar selbst gekannt?
    Insofern ist die schön dargestellte (das gelingt mit brav schlafenden oder gar toten Mädchen immer besonders leicht und gut, das bildet sich in der bildenden Kunst so fort und macht bekanntlich auch vor den Märchen nicht Halt.) Wasserleiche auch symbolisch für unser Unverständnis für alles, was tiefer geht.

    Gefällt 1 Person

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