4 Antworten auf „Scheitern

  1. zartgewebt schreibt am 01.03.2011 um 08:56 Uhr:
    Wenn ich da so drüber nachdenke, über deine Worte, hm … da kommt mir mein Scheitern in den Sinn, als ich ein paar Jahre selbständig war. Relativ schnell wurde mir dabei bewusst, dass das nichts ist für mich, dass diese Art von Leben mich nicht erfüllt – im Gegenteil.
    Ich begrüßte das Scheitern, nahm es an und verabschiedete mich von der Selbständigkeit im „Broterwerb“. Ich verlor zwar etwas Geld, gewann jedoch immens an Erfahrung dazu – fühlte mich unendlich befreit, diese Last (die auch viele schöne Seiten ins sich barg) hinter mir zu lassen.

    Was ich damit sagen möchte:
    als Scheitern habe ich diesen Umstand nie betrachtet.

    Lyriost schreibt am 01.03.2011 um 12:17 Uhr:
    Hallo, zartgewebt, schön, daß du es so siehst, natürlich scheitert jeder erst mal anders, wenngleich am Ende ganz ähnlich. So wie beinahe jede Art von Leben Anhänger findet, wenn schon nicht in jedem Falle begeistert – die persönlichen Wünsche oft Staunen machend und höchst unterschiedlich.

    Liebe Grüße
    Hajo

    SweetFreedom schreibt am 01.03.2011 um 19:31 Uhr:
    Hallo Lyriost,

    da hast Du wieder wahre Worte schön verpackt 🙂

    Wer Schwäche „zeigen“ kann, ist in meinen Augen ein starker Mensch.

    Lieben Gruß!
    SweetFreedom

    GrafKroete schreibt am 02.03.2011 um 09:33 Uhr:
    Wer Leben will, soll das Scheitern mögen …. ich hatte mein Surfbrett im Keller der Sicherheit vergessen. Die Wellen des Lebens kann man reiten oder im Ozean der Selbstsucht versinken.

    Danke für die Erinnerung in dunkler Stunde!

    Marcus

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  2. Der Aphorismus geht um die, die nicht nur gescheitert sind, sondern sich dieses Scheitern noch nicht einmal eingestehen wollen. Sie sind längst gegen die Wand gefahren, und halten sich noch immer für die Könige der Autobahn. Das moralische Scheitern gleicht dann einem Sturz in den Abgrund. Ich erinnere mich an meine Kindheit in den Fünfzigern und Sechzigern, da war das Land voll von Wutfiguren, die hielten im Ernst Deutschland und die Deutschen noch immer für das Salz der Erde. Im Krieg unterlegen, aber kulturell unbesiegt. „Den Beethoven und den Goethe, das macht uns keiner nach. Schicksalsymphonie! RammRammRammRaaah! Wer das nicht fühlt, dem ist nicht zu helfen!“ Sie wollten einfach nicht zugeben, was geschehen war und was sie getan hatten. Ihre moralische Verworfenheit war abgründig. Die Stimmung der Lüge und des Selbstbetrugs lagerte über dem Land wie eine Glocke aus Abortqualm. Die Kinder der Abstreiter wurden dann gern kritische Hinterfrager, und hielten sich als solche für Herrenmenschen. „Den Adorno und den Habermas, das macht uns keiner nach!“ Das Grauen zeugt sich fort, bis heute, die Scheingeburten poppen hoch aus jedem Winkel. Die kritischen Hinterfrager werden alt und besuchen Bayreuth, und fühlen sich schwellend ergriffen. Wir, denken sie, wir in der Höhe unserer Tiefe.

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  3. Ein Satz, den man den Lebensverbesserungsgurus und Wirtschaftsvordenkern aufschreiben sollte. Denn all zu lässig wird jedes Problem als Chance vertan in tollkühnen linguistischen Akrobatikshows. Ja, es wird uns erklärt, dass das für einen Chinesen selbstverständlich, selbstredend so sei!
    Mich würde interessieren, was ein ausgewiesener Sinologe sagen würde, was aber auch Buddha und Konfuzius dazu zu sagen hätten.
    Jedenfalls ist es der Selbsterkenntnis ersprießlicher, sein Scheitern, seine Unfähigkeit oder die Übergröße des Hindernisses, sich selbst zuzugeben. Nur das kann zu einem Lerneffekt führen. Das heißt freilich nicht, jede Verschnaufpause, jedes kleine Stolpern gleich als Scheitern oder gar Zugriff des böswilligen Scheitans zu interpretieren. Aber das tatsächliche Scheitern sollte auch so heißen, Scheit für Scheit aufgeschichtet werden zu einer festen Burg, die unsere Selbsterkenntnis sei.
    Sonst wird der tolle Manager, der soeben eine Firma an die Wand fuhr und so und so viele Insassen zu Freisassen gemacht, also freigestellt hat, von der nächsten Firma für noch mehr Geld eingestellt, um ebenso erfolgversprechend (man fragt sich immer, wie viel davon Absicht ist) gen Konkurs und mindestens Geldverderbnis zu wirtschaften.

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