Erdmann – Szenische Monodialoge 9

ERDMANN verknittert, verläßt das Schlafzimmer, geht zum PC und startet ihn, dann begibt er sich ins Bad.

Na ja wie Ken
sehe ich nicht gerade aus
aber was soll’s
ich bin keine Kunstfigur
und kein Doktor Laude
trotzdem in summa
zufrieden in meiner Haut
auch wenn’s manchmal
etwas spannt

in der Haut von dem
Dr. (ruhend) Theodor Plagiatus möchte ich
nicht stecken
dem wird jetzt nicht nur auf die
Finger geguckt sondern richtig
unter die Nägel
das tut weh

was soll der machen
das Ding ist gedruckt
sein Name steht drunter
meins meins
und jetzt wird es
auseinandergenommen
soll er jetzt sagen
was wahrscheinlich stimmte:
Das ist alles fair bezahlt
verzapft hat’s ein andrer
geht nicht wäre noch schlimmer
denn der Name
steht drunter
ja der falsche Name …

In seiner Haut möcht ich nicht
stecken

Und wenn dann hätte ich
wenigstens zum Schluß
Korrektur gelesen
und die Fehler
minimiert

Genützt hätte das
aber auch nichts
weil es nicht
die eigenen
gewesen wären

Und der akademische Prüfer
steckt mit im Dilemma
ganz tief drin

wenigstens ist der bereits
emeritiert

dafür ist der forsche Theo
jedoch noch
ein wenig zu jung
und noch
kein Professor

Dumm am Laufen
das Ganze

Verläßt das Bad, hört ein Summen

Diese blöde Kiste.
Hat sich beim Runterfahren
gestern abend wieder aufgehängt
die ganze Nacht gelaufen
bei den Strompreisen
oder hab ich Trottel im Vorschlaf
nur wieder vergessen
das Ding auszuschalten?

Setzt sich kopfschüttelnd
an seinen Arbeitsplatz.

5 Antworten auf „Erdmann – Szenische Monodialoge 9

  1. SweetFreedom schreibt am 18.02.2011 um 23:15 Uhr:
    Komme da auch aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus!
    Freiherr von und zu Aalglatt hat sich ja jetzt auch ins Kriegsgebiet geflüchtet…
    Ob ihm klar ist, daß er da nicht in Hollywood ist?
    Werde auch nie begreifen, wo der Mann die Attitüde der Unfehlbarkeit hernimmt.
    Aalglatt, opportunistisch und abgebrüht – das war mein Bild von Anfang an und ich fühle mich bestätigt.

    Hi Lyriost! Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

    Lieben Gruß
    SweetFreedom

    Lyriost schreibt am 21.02.2011 um 12:07 Uhr:
    Vielen Dank,

    Sweet Freedom, ich hoffe, du hattest ein gutes Wochenende. Die Sonne scheint …

    Was ich nicht verstehe, ist, daß die Mehrheit der Menschen, wenn man Umfragen glauben darf, Stehlen, Betrügen und dreistes Lügen toleriert, wenn der Täter ihnen sympathisch ist.

    Liebe Grüße
    Lyriost

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  2. Mein Eindruck, unabhängig von der Person, ist seit langem, dass die Menschen Macht an sich hochschätzen. Gar nicht so sehr ihre eigene, kleine Macht, um sie zu mißbrauchen, sondern noch viel mehr die große ihrer Anführer. Das muß ein atavistisches Erbe sein: in der Gruppe sind wir stark, in der Gruppe dürfen wir, weil wir gewinnen – was und wozu ist doch egal!
    Ist das ein Teil der Verlockung des Bösen? Dass es so oft gewinnt, gewinnen kann, weil es von machtvollen Interessengruppen vorangetrieben wird (die von bösen Interessen ihrerseits vorangetrieben werden, aber da kommen wir auf ein anderes Glatteis)?
    Woher kommen denn die Bejubler der Ingroup, egal, wessen sie sich schuldig macht? Gerade jetzt lassen sie sich wieder beobachten. Viele finden alles, was der Westen so treibt, kritiklos gut. Viele finden das gut, was die russische Führung so anstellt. Ach ja, die berechtigte Angst vor der Pression durch die Mächtigen spielt natürlich auch ihre unfeine Rolle.
    Und wer qua Dasein, qua Geburt versichert, selbstverständlich und selbstsicher versichert, natürlich im Recht zu sein und der geborene Anführer zu sein, der findet auch Gefolgschaft, Nachahmer auch, aber Nachläufer noch mehr.

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  3. Das ist alles sehr wahr, was du schreibst; wir sehen gerade, das kaum noch jemand bereit ist, unbeeindruckt von der eigennützigen Propaganda aller Seiten darüber nachzudenken, wieso der Konflikt in der Ukraine so eskalieren konnte. Es scheint nur noch Helden und Verbrecher zu geben.

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  4. Wenn alle jemanden verprügeln wollen, dasnn doch wohl den Schiedsrichter. Und wenn nach dem Spiel, bei dem alle Zuschauer frühlich Brandsätze auf’s Spielfeld warfen, man besoffen, fein nach Farben getrennt, grölend durch die Straßen zieht, einer ohne Vereinsfarben zwischen die Eindeutigen gerät, so wissen beide Feindparteien gleich, wer der eigentliche Gegner ist. „Bist du nicht für mich, bist du gegen mich!“
    Ach, ist das lang her, dass ein noch junger Reinhard Mey singen konnte: „…rechnet nicht mit mir beim Fahnenschwenken, ganz gleich, welcher Farbe sie auch seien!“
    Und was den konkreten Fall angeht: mal sehen, wie lange die Hilfsbereitschaft diesmal anhält. Länger, ja, da es ja gilt, jemandem zu zeigen, dass man gut ist.
    Immerhin, der Mensch ist nicht an und für sich schlecht, sie ist da, und auch das ist wichtig, da sind wirklich Leute, die jetzt Hilfe brauchen. Es mag auch kleinlich sein und der falsche Moment, immer darauf hinzuweisen, dass es da ja noch ein, zwei andere gibt.

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