Phistologie

Faust und MeFistopheles. Ist es nun nur ein ungewöhnlicher Zufall oder ein weiteres Indiz für die ohnehin naheliegendeThese, daß die Figur des Mephistopheles in Goethes Dichtung im wesentlichen ein Teil der multiplen Persönlichkeit Fausts ist – meine Tochter erwähnte bei einem Gespräch über Goethes Figuren beiläufig, Faust heiße im Englischen „fist“. Das war mir zwar bekannt, jedoch bisher hatte ich das im Zusammenhang mit dem „Faust“ nicht beachtet. Was bei Hesse Narziß und Goldmund, zwei Aspekte einer Persönlichkeit, sind bei Goethe Faust und Mephistopheles; bei Hesse namensverschieden, aber bei Goethe ist die Nähe auch in den Namen präsent. Man sollte die Herkunft des Doktor Faustus klären: Vielleicht hatte der geheimnisumwitterte Schwabe Johann Georg Faust englische Vorfahren mit Namen Phist. In jedem Falle ist der Tofel überall dabei.

8 Antworten auf „Phistologie

  1. Gretchen schreibt am 10.02.2011 um 22:21 Uhr:
    „Teufelsfaust“ – bloß ein unbedeutsames Wortspiel?

    Zitat (Szene im Studierzimmer):

    Faust:
    „So setzest du der ewig regen,
    Der heilsam schaffenden Gewalt
    Die kalte Teufelsfaust entgegen,
    Die sich vergebens tückisch ballt!
    Was anders suche zu beginnen,
    Des Chaos wunderlicher Sohn!“

    Carl G. Jung hatte in seinen Memoiren einen Traum erzählt, in dem er letztlich Dein (vorläufiges) Resümee („In jedem Falle ist der Tofel überall dabei“.) bestätigt. Der berühmte Psychoanalytiker glaubte eine direkte Verwandtschaft zu Goethe zu haben. In der Schrift „Antwort auf Hiob“ (erste Ausgabe 1952) geht Jung in die Offensive gegen die herkömmlichen Vorstellungen der traditionellen Theologie. Man mag es progressiv oder ketzerisch heißen, aber es schien mir auch ein Gewinn gewesen zu sein, einmal so in die Tiefe mit Gott und dem (leidenden) Menschen gegangen zu sein …

    Dir
    Viele liebe Grüße
    Gretchen

    Lyriost schreibt am 11.02.2011 um 09:25 Uhr:
    Guten Morgen, Gretchen,

    es ist ja nicht zuletzt der ewige Kampf zwischen den unterschiedlichen Gestalten in seinem Innern, das Hin-und-her-Gezerre, das den Menschen so leiden macht.

    Liebe Grüße
    Lyriost

    Rosalix schreibt am 15.02.2011 um 10:15 Uhr:
    In der Schmerzforschung gilt es als neue Erkentnis, dass der Schmerz sich vergrößert je mehr man gegen ihn ankämpft. So könnte das auch bei den unterschiedlichen Gestalten sein, die wir beherbergen. Das erklärt auch, dass besonders eifrige und harte Moralverfechter oft den verfolgten Lastern selber ausgiebig frönen.
    (Am Rande:Ich tippte einfach das Passwort, welches hier immer von schreibenden Gästen abverlangt wird, ab.. (vermutlich vom System) diesmal heisst es: „cackn Greek“, was mir Rätsel aufgibt;-)
    Grüße von der Gästeliste! Rosalix

    Lyriost schreibt am 15.02.2011 um 22:00 Uhr:
    Gepriesen seien die Griechen …
    😉

    Lyriost schreibt am 15.02.2011 um 22:10 Uhr:
    Liebe Rosalix, ich weiß, das ist hier bei Blogigo alles ziemlich blöd geworden; deshalb werde ich demnächst doppelt posten. Zu finden unter http://www.lyriost.de
    Liebe Grüße
    Ly

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  2. Keine Frage, Arno Schmidt hätte an dieser „etym“ischen Gemengelage seine helle Freude gehabt. In Christopher Marlowe’s Tragödie (von 1590 ungefähr) heißen „Doctor Faustus“ und „Mephistophilis“ (mit „i“ als letztem Vokal) ziemlich genauso wie im deutschen Voksbuch. Doktor Faustus war eine historische Gestalt und hieß oder nannte sich wirklich so. Die römerbegeisterten Elisabethaner werden bei „Faustus“ ganz sicher an das lateinische Cognomen „Faustus“ gedacht haben. Zahllose Römer hießen so, wie ja auch „Fausto“ noch bis in unsere Zeit hinein ein beliebter italienischer Vorname war/ist. Auch „Fausta“ war bei den Römern als Mädchenname alltäglich. Das Adjektiv „faustus“ hat eine ähnliche Bedeutung wie das häufiger verwendete „felix“, also „glücklich, günstig“. Der gelehrte (historische) Doktor Faustus könnte sich diesen Namen so beigelegt haben. Bleiben wir im Rahmen der Arno-Schmidtschen „Verschreibkunst“, könnte man das „philis“ oder „philes“ in „Mephistophiles“ an das griechiche „philos“ anlehnen, „Freund, lieb, freundlich“. Me-fisto-filos wäre dann also Schmidtisch zu deuten: mein fauster Freund. Oder: Mein Freund, der Faust. Oder: Mein Freund und Faust. Goethe, besonders dem alten Goethe, sind solche Wortzergrübelungen, ob philologisch haltbar oder nicht, absolut zuzutrauen.

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  3. Auch ich habe an diesem „tiefenphilologischen“ Kommentar meine helle Freude gehabt. Vielen Dank dafür. Eine Frage hab ich noch: Weshalb ist es nicht möglich, auf der Peterseite ebenso mit Kommentaren zu erfreuen oder auch zu verärgern?

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  4. Danke. Und wirklich und vor allem auch danke für die zahlreichen „likes“, die lyriost auf unserer Verlagsseite schon hinterlassen hat und hoffentlich noch hinterlassen wird, das bedeutet uns was.

    Die Sache ist, die Verlagsseite war von Anfang an nicht als Blog gedacht. Nicht als Diskussionsforum. Es geht, wie ja auch in der zögerlichen Willkommens-Adresse gesagt wird, ausschließlich darum, Texte aus noch unveröffentlichten Manuskripten PvM’s vorzulegen. Die Hoffnung war und ist, vielleicht Interesse für den Autor zu wecken und für ihn Leser zu finden. Bisher ist PvM’s öffentliche Unvorhandenheit geradezu exemplarisch, wir haben uns damit so gut wie abgefunden, ganz gelegentlich wird doch mal eines seiner Bücher verkauft. Also kurz: die Texte, die auf der Verlagsseite veröffentlicht werden, sind nicht als Meinungsäußerungen gedacht, sondern als Textproben. Das gilt sogar für die Äußerungen zur täglichen Pandemie, die wir nur eingestellt haben, weil uns der Kragen geplatzt ist, die aber als Polemiken stehen bleiben mögen. Es ergab sich dann, dass wir an einer ganzen Reihe von Seiten, die wir hier kennenlernen durften, Gefallen gefunden haben, und dann schien es selbstverständlich, auch unsererseits solchen Seiten durch „likes“ und Wortmeldungen weiterzuhelfen.

    Ein Text wie zum Beispiel „Heftchen“ ist und bleibt ein Ausschnitt aus einem Roman, und als Ausschnitt fehlt ihm notwendigerweise der Kontext. Der Kontext ist in diesem Fall sehr umfangreich, der Roman wird auf mehrere Bände aufgeteilt werden, und wir hoffen ganz zuversichtlich, der erste Band wird 2023 erscheinen können. Das Manuskript hat bisher – jedenfalls laut word-Statistik, und das mag schon so stimmen – den Stand von zwei Millionen Wörtern erreicht. Die mitgeteilten Ausschnitte sind also nur Splitter ohne wirklichen Zusammenhang, sie sind aber Literatur, nicht Meinung. Dasselbe gilt erst recht für die Ausschnitte aus dem zweiten – dreibändigen – Roman, die alternierend veröffentlicht werden. Wir versuchen, diesen schon älteren Text veröffentlichungsreif zu machen, und setzen uns auch hier 2023 als Ziel. Die Sache ist also die, Peter von Mundenheim hängt an seinem Schreibtisch ab (wenn er nicht gerade an seinem Klavier sitzt oder „sein Zweirad durch die Wiesen pedaliert“) und überlässt Peter Flamm alle Außenarbeit, und es bleibt Peter Flamm nichts anderes übrig, als wenigstens so zu tun, als hätte er eine breite Brust.

    Will übrigens unbedingt noch loswerden: in Goethes Leben gab es einmal eine Faustina. Das war eine süße Römerin, deren erotische Freigebigkeit im 4. Venetianischen Epigramm und in der 18. Römischen Elegie besungen wird. Ihre Historizität wird angezweifelt, es wird vermutet, Goethe habe in ihr seine lebenslustige Christiane angeredet. Wie auch immer, ob der Name nun erfunden ist oder echt, es ist, bei Goethes bekannter Denkweise, völlig ausgeschlossen, dass er mit „Faustina“ nicht „Faust“ im Blick hatte. Und das gibt nun wirklich zu denken.

    Nochmals Dank für das Interesse.

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  5. Ja, gut, das leuchtet ein. Ich wünsche „euch“ viel Erfolg (was immer das ist). Falls ich das Bedürfnis habe zu kommentieren, dann kann ich das auch hier tun, indem eine Textstelle zitiere und als Anregung zur Meinungsäußerung betrachte. Insgesamt scheinen mir die Mundenheimschen Texte sehr gelungen.

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  6. Danke. Das ist eine schöne und großzügige Reaktion. Wir bleiben auf jeden Fall interessierte und aufmerksame Leser dieser Seite, die ihrerseits allen Erfolg verdient. Erfolg, das heißt nun einmal, Aufmerksamkeit der Leser. Die Aufmerksamkeit ist eine Währung, durch nichts zu ersetzen, denn wer veröffentlicht, der will auch gelesen werden. Oder anders gesagt, die bloße Tatsache, dass einer veröffentlicht, sagt schon, dass er gelesen werden will. Veröffentlichung ist Einladung, und wer die Leute in sein Haus einlädt, sollte dafür sorgen, dass die Einladung auch ankommt. Die Welt ist nun einmal, wie sie ist. Vielen Dank nochmals, und beste Wünsche für einen erholsamen Abend.

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  7. Bleibt noch die im Pudel festgemachte Wandlungsfähigkeit. Aber ja, sicher ist Faust als „zwei Seelen, ach, in meiner Brust“ zu deuten. Aber eben auf beiden Ebenen: auf der des eben doch Menschenmannes Dr. Faustus als auch der übergeordneten des alten Dualismus, Gut gegen Böse, wobei eben die Besonderheit der Goetheversion ist, dass es in vielen Szenen unklar wird, wer oder was hier Böse, was Gut ist.

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