Duchamps langer Atem

Muß man nicht die Frage stellen, ob das Werkzeug der versuchten Destruktion in der Kunst denselben Charakter haben kann wie etwas, was Objekt dieser Destruktion ist, und ob das Destruktionsmittel nicht seinerseits Objekt von Destruktion sein kann, ja sein sollte? Andererseits ist es dann aber auch so, daß der Vorgang der Destruktion durch die Reibung der Objekte gleichsam Kunstcharakter entwickelt. Und so fort. Permanente Ästhetisierung der Destruktion des ästhetischen Scheins. Und ganz nebenbei eine Verschmelzung dieses Scheins mit massenpsychologischen Aspekten. Destrukunst.

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9 Antworten auf „Duchamps langer Atem

  1. Klingt, als würde auf diese Weise die Dekonstruktion irgendwann in Arbeit ausarten. Das war doch aber so nicht vorgesehen! Ausgangspunkt war, die kritischen Hinterfrager wollten größer sein als die, die wirklich was machen. Der doofe Macher, der da schwitzt und tut, soll demütig die Rohvorlage liefern, über der die dekonstruierenden Hinterfrager dann kritisch überlegen werden können. Auf diese Weise sind sie grandios, und müssen selber gar nichts tun dabei, das Machen liefert ja der Doofie.

    War das jetzt schön kritisch dekonstruiert?

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  2. Wenn wir in die Natur sehen, so hat die frische Blüte Schönheit, die Frucht gewiß auch, aber auch der Verfall. Eine morbide Schönheit, die bizarre des Verfalls.
    Und die für den Naturkreislauf wertvollsten Tiere sind nicht der mächtige Elefant, noch der eingebildete Mensch oder der wildeste, räuberischste Löwe, Unsinn, Marder, auch nicht: Spitzmauserich, das paßt. Sondern natürlich die Destruenten, Reduzenten wie Assel und Regenwurm, Tausendfüßler und noch kleinere Gesellen im Boden, in der Laubstreu und unter der Rinde des faulenden Baumes. Sie erst ermöglichen neues Leben, neues Wachsen vor allem Jener, die wir benötigen: der sauerstofferzeugenden Grünen.
    Also immer drauf los, auf die Dekonstruktion! Sie hat schon ihren Wert. Und ihre zerfallende Schönheit…

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  3. Der Begriff der Schönheit aber und auch der des Wertes sind der Natur nicht eingeschrieben, sondern nur unsern Köpfen. Das sollten wir nicht vergessen. Und auch Destruktion ist in der Natur nur ein Teil der konstruktiven Kraft, die hinter allem steckt.

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  4. Wer dekonstruieren will, ist darauf angewiesen, dass vorher mal jemand was konstruiert hat. Anders wird das nichts. Die Dekonstrukteure müssen warten, bis jemand was macht, dann können sie herbeistürzen und dekonstruierend grandios sein. Sie wissen natürlich, warum sie Dekonstrukteure sind: weil sie selber nichts konstruieren können. Von daher ihre wutverbrüllte Humorlosigkeit. Sie möchten so gerne grandios sein, sind aber nur impotent. Der Dekonstruktivismus ist die Glorifizierung der Zeugungsunfähigkeit. Die Nichtschwimmer sammeln Beweise gegen das Wasser und bauen am Flussufer Genickschussanlagen auf, damit alle, die auf die andere Seite wollen, gleich mal wissen, was ihnen blüht. Man könnte sich natürlich auch daran machen, schwimmen zu lernen. Schafft man es nicht, könnte man sich in weiser Selbstbescheidung damit begnügen, den Schwimmern zuzuschauen, wie die sich im Wasser vergnügen. Manche bauen auch Boote und Brücken. Die Dekonstrukteure stürzen herbei und beweisen schäumend die Falschheit. Brücken! Boote! Schwimmen! Wo man doch schon die Falschheit des Wassers bewiesen hat!

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  5. Oder wie ich mal schrieb: „Besonders genau bei der Beurteilung von Schwimmern nehmen es nicht etwa Schwimmlehrer, sondern jene, die selbst gerade mit Mühe und Not das Schwimmen gelernt haben. Die schärfsten Kritiker der Schwimmer aber sind seit eh und je die Nichtschwimmer.“

    Das sind auch die, die am besten qualifiziert sind, die andern das Schwimmen zu lehren:

    Das Schwimmen lernen
    komm wir bringen es dir bei
    nichts leichter als das

    legen uns jetzt in den Sand
    und strampeln mit den Beinen

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  6. Eventuell der Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft? – Aber abseits von der gestaltenden Kraft eines Mephistopheles: ja, stimmt. Nur in unseren Köpfen, denn wir, denn diese, unser Denken und Empfinden sind eben ganz nach dieser uns bestimmenden und uns nötigen Natur geschaffen, sonst hätten wir nicht überlebt! Eine uns tatsächlich völlig fremdartige Welt und Vorstellung könnten wir wohl nur sehr bedingt bewerten, auch nach Kriterien wie Schönheit.

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