Falsches Bewußtsein

Ein zentraler Terminus marxistischer Ideologiekritik ist das »falsche Bewußtsein«, das notwendigerweise die Basis jeder den Überbau einer Gesellschaft bildenden Ideologie (außer der marxistischen natürlich) sei.

Kurz gesagt, liegt dem Reden vom »falschen Bewußtsein« zweierlei zugrunde: zum einen die Annahme, es gäbe so etwas wie objektive Realität, die nur haargenau widergespiegelt werden müsse, um ein wahrheitsgemäßes Bild zu bekommen (der Mensch als Reflexionsautomat). Außerdem der Anspruch, im Besitz der (einzig) passenden politischen Überzeugung zu sein, die wie ein Rosenstrauch aus dem richtigen Bewußtsein herauswächst.

Der Mensch mit dem falschen Bewußtsein ist also entweder ein Lügner, wie vor allem all jene, die vom kapitalistischen System profitieren, oder von Linsentrübung betroffen, wie alle anderen, die entweder nicht von diesem System profitieren oder sich einbilden, sie hätten einen Vorteil davon. Diese Einbildung entsteht dann, wenn der einzelne sich über seine tatsächlichen Interessen täuscht, also zum Beispiel lieber Volvo fährt als Trabi.

Da er das richtige Bewußtsein besitzt, weiß der marxistische Theoretiker jedoch über die Bedürfnisse der Mehrheit besser Bescheid als diese selbst. Auch deshalb war die DDR wie andere vergleichbare gesellschaftspolitische Experimente so überaus erfolgreich.

7 Antworten auf „Falsches Bewußtsein

  1. Sarah schreibt am 15.08.2010 um 10:48 Uhr:
    ein paar Gedanken zum letzten Absatz:
    die Mehrheit wußte sehr wohl über ihre Bedürfnisse Bescheid, sogen. „bewußt“ gesteuerte fehlende Freiheiten, Zensur, provozierte Mangelwirtschaft ließen nicht Gesellschaftskonforme eigene „Fluchtwege“ suchen und finden und das soziale Netzwerk funktionierte.

    Lyriost schreibt am 15.08.2010 um 23:16 Uhr:
    Liebe Sarah, ich weiß, daß die Mehrheit sehr wohl ihre Bedürfnisse kannte und kennt. Und auch nur sie hat ein Recht darauf, diese Bedürfnisse zu artikulieren und sich dagegen zu wenden, wenn jemand ihr andere einzureden versucht. Deshalb meine ironische Formulierung.

    Einen lieben Gruß

    Sarah schreibt am 17.08.2010 um 09:53 Uhr:
    Lieber Lyriost,
    nicht immer weiß man, was man unbedingt zum Leben braucht, Bedürfnisse werden natürlich auch beabsichtigt in gewollte Richtungen gelenkt, das war gestern und ist auch manchmal heute schwer zu durchschauen, dann entsteht ein Konflikt, den man gar nicht wollte.

    Liebe Grüße…

    Lyriost schreibt am 17.08.2010 um 13:46 Uhr:
    Ja, Sarah, aber ein jeder hat das Recht auf seine Bedürfnisse, seien sie nun gelenkt oder nicht; wenn er sie akzeptiert, werden sie zu seinen eigenen. Und auch jeder darf mehr und anderes vom Leben verlangen, als er zum Leben braucht oder als andere meinen, daß er es brauche. Das ist eines jeden ureigene Selbstherrschaft, die nur von den Bedürfnissen anderer begrenzt wird.

    Sarah schreibt am 17.08.2010 um 22:41 Uhr:
    Ja, das ist es, selbstbestimmt zu entscheiden, was man nicht braucht zum Leben.

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  2. Bin dem Marxismus ein wenig auf der Spur. Hab in meinen Jugendjahren das Kapital gelesen. Mir jetzt Zizek geholt.
    Was ich Karla Mal sagte: glaube die denen die meinen eine alleinseligmachende Antwort gefunden zu haben. Dogmatismus ist der Beweis, dass sie sie nicht haben.
    Trotzdem die Suche in es einen Gegenentwurf geben könnte zu dem Kapitalismus so wie er sich zeigt.

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  3. Der Kapitalismus wird sich selbst zerstören. Und uns alle. Und wir werden mit unserem Anspruchsdenken und unserer Gier fleißig dabei mithelfen. Einen realistischen Gegenentwurf sehe ich leider nicht. Wahrscheinlich wird es auf einen Weltstaat à la China hinauslaufen.

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  4. Womit sich die bittere Wahrheit enthüllt, dass der Mensch sich durch seine eigene Dummheit auslöscht. China! Wer hat China überhaupt erlaubt mitzuspielen?

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  5. Liebe amanita, es ist die Verlockung durch die Größe des chinesischen Marktes. So wie in vielen Freundeskreisen einer ist, den zwar niemand leiden kann, der aber viel Geld geerbt hat und deshalb mitspielen darf.

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