Jambisches Wörterschütteln

Zieh blank den Vers als wär er kaltes Eisen
und schlag hinein in Reihen weißer Zähne
die durcheinanderpurzeln wie gekalkte Wörter
und Dichtermund spuckt leise weise Stummel

Aus unvertrauten Seelenkatakomben
drängt Ekles hoch und ungezügelt Übel
das knitternde Papier empfängt die Saat
im Mund erblühen ätzende Gestalten

Frisch wie der Morgen grau wie fahler Tag
am Abend folgt in Schwärmen rotes Bluten

Mitten im kleinen Leben

Als ich mich an den Rand
stellte stand ich
plötzlich mittendrin
so wie früher
da ich noch heimlich
wartete auf Späteres
– wenn ich mal groß bin –
in den Ohren kein Hallen
stampfender Maschinen
kein Schnellerschneller
nur der ruhige Puls
des kleinen Lebens
am Rand
im Wartestand

besser man bleibt
wo man ist
wenn man ist

besser man bliebe und
stürbe langsamer

Nie oder morgen

Beständig opfern wir
dem Gotte Zukunft
unkenntlich wie alle
Götter doch unersättlich
wie die Katze
vor ihrer Schale
Gegenwart schleckend
gern geben wir sie hin
in unsichtbare Hände
die Schale heute
das Schalgewohnte
erwerben einen Wechsel auf
den Wechsel
für unbestimmte Zeit
vielleicht nie
oder morgen

Genderei

Die Genderei hat zwei große Vorteile: Zum einen lenkt sie den Genderer davon ab, daß er seine Muttersprache meist nur unzulänglich beherrscht und, sollte er dies trotz damit einhergehender Denkhemmung überhaupt bemerken, nicht gewillt/nicht fähig/zu faul ist, daran etwas zu ändern. Klarer Vorteil für den Mann, der jetzt Feminist spielt oder dabei ist, es zu lernen.

Zum anderen tröstet das Gendern die Genderin darüber hinweg, daß ihr Vorgesetzter, obgleich unterqualifiziert und häßlich wie die Nacht, doppelt soviel verdient wie sie selbst, wenngleich es sie noch mehr ärgert, daß der mittlerweile trotz ausgeprägter Ineloquenz konsequenter gendert als sie selbst. Klarer Vorteil für den Mann, der im stillen süffisant bemerkt: Man kann nicht alles haben.

Fazit: Es wird viel gegendert, aber sonst nichts geändert.

Diese Erkenntnis schlägt deshalb mittlerweile – trotz des gehäuften Vorkommens von feministischen Faustsymbolen – bei mancher Frau, die nüchtern Bilanz zieht, schon ein wenig auf die Stimmung.