Gefährliches Leben

Wenn sie nicht, eine Gefahr für andere, auf der Lauer liegen, setzen sie ihre Sinne ein, um die Umgebung auf Gefahren abzutasten, und beim geringsten Anschein einer Bedrohung flüchten die Tiere der Wildnis, denn Tiere leben gefährlich, und sie meiden die Gefahr, wo sie nur können. Und auch domestizierte Tiere setzen sich lediglich dann Gefahren aus, wenn es um die Aufrechterhaltung ihres Status geht.

Anders der zivilisierte Mensch, dessen Umgebung weitaus friedlicher und bequemer ist als die der Tiere. Wenn er lange genug auf dem Sofa am warmen Ofen oder in der Nähe der Zentralheizung gesessen hat, beginnt der Mensch – meist die maskuline Variante – sich zu langweilen und wird unruhig. Er träumt vom gefährlichen Leben und empfindet sein Dasein als nichtig und ereignislos. Mancher beginnt mit den Nachbarn zu streiten, um ein wenig der Farbe, die er aus dem Fernsehn oder dem Kino kennt, ins eigene reale Leben zu bringen. Andere fahren zur Winterzeit in die Berge, um sich in der Eiger Nordwand oder beim Gletscherkraxeln zu beweisen. Allüberall haben Extremsportarten Konjunktur.

Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, mit exotischen Drogen zu experimentieren, an Komabesäufnissen teilzunehmen, illegale Autorennen zu veranstalten oder sich irgendeiner bewaffneten Gruppe anzuschließen. Auch diese Möglichkeiten werden zunehmend genutzt.

Und das alles nur wegen ein bißchen Adrenalin, dessen Ausschüttung man auch dann erleben könnte, wenn man gelernt hätte oder lernte, seine Sexualität auszuleben.