Zufall und Notwendigkeit

Auch der Zufall hat eine innere Notwendigkeit, ist also immer nur ein relativer, doch in der Notwendigkeit ist kein Platz für den Zufall. Notwendigkeit ist absolut. Notwendigerweise gibt es Zufälle, aber es ist kein Zufall, daß es Notwendigkeit gibt.

Zufall ist ein Ereignis im Schnittpunkt von Kausalketten, ein Ereignis, dessen Notwendigkeit wir erkennen würden, wenn wir alle Kausalketten aus einer Art perspektivloser Vogelperspektive betrachten könnten.

Den Ursprung dieser Kausalketten ausmachen zu wollen überschreitet die Grenzen dessen, was unsere Apperzeption generiert, und damit die Möglichkeiten des menschlichen Denkens. Zufall und Notwendigkeit sind gebunden an die Welt der Erscheinungen, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen und in unserem Bewußtsein zu einem Bild gestalten.

Ein wie auch immer geartetes Absolutes zu erkennen, das bleibt der inneren Wahrnehmung überlassen, ist jedoch sprachlich-logisch nicht darstellbar.

Eine Antwort auf „Zufall und Notwendigkeit

  1. Unbreakable schreibt am 22.01.2010 um 23:40 Uhr:
    Lieber Lyriost, da fehlt ein „noch“ in deinem letzten Satz. 😉

    Lyriost schreibt am 22.01.2010 um 23:56 Uhr:
    Liebe Unbreakable,

    unbegründeter Optimismus liegt mir nicht. Was diese Fragen betrifft, hat sich philosophiegeschichtlich gesehen in den letzten zweitausend Jahren nicht viel getan, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß sich daran in den nächsten zweitausend Jahren etwas ändern wird. 😉

    Unbreakable schreibt am 22.01.2010 um 23:59 Uhr:
    Lieber Lyriost, wenn du erst bei den letzten zweitausend Jahren ansetzt, bist du selbst schuld. Mit Wimpernschlägen zu rechnen ermüdet. Optimismus als auch Pessimismus müssen nicht begründet werden. Sie sind. 😉

    Lyriost schreibt am 23.01.2010 um 00:09 Uhr:
    Ich will gern noch 500 Jahre und ein bißchen Mythos drauflegen, aber länger sind diese Gedanken noch nicht in der Welt. Und alles Unbegründete ist Spekulation.

    Unbreakable schreibt am 23.01.2010 um 11:56 Uhr:
    Du spekulierst, Lyriost. Nur, weil wir etwas noch nicht (er)fassen können, heißt das nicht, dass es nicht da ist/da sein wird. Und das meine ich jenseits von Optimismus oder Pessimismus – wertungsfrei also, höchstens begründet durch die Tatsache, dass Entwicklung stattfindet. Warum soll die gedankliche (philosophische) da ausgeschlossen sein? 😉

    Lyriost schreibt am 23.01.2010 um 12:27 Uhr:
    Alle Metaphysik ist anthropomorph und damit perspektivisch. Dem Versuch, die Welt zu logisieren, fehlen sowohl eine von der Struktur unseres Gehirns unabhängige Logik (und Sprache) wie auch der perspektivisch indifferente Ort, an dem wir das Instrumentarium aufstellen könnten, das wir zur Entschlüsselung der Welträtsel benötigten. Wohl können wir fleißig unsere Logik in die Dinge hineinzutragen versuchen, aber wir bekommen nie etwas aus diesen heraus als die Widerspiegelung unserer Intentionen. In dieser Hinsicht gibt es ebensowenig Fortschritt wie bei der Weltsicht der Frösche. Wir sind bestenfalls so eine Art Frösche mit Ferngläsern.

    Unbreakable schreibt am 23.01.2010 um 19:54 Uhr:
    Das klingt ebenso interessant, wie desillusionierend, wie unglaublich. Beruht das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen? Kann man darüber irgendwo lesen (ich meine den ersten Teil des Kommentars)? Danke für diese – für mich – spannende Antwort, Lyriost. Ihr auf den Grund zu gehen, wird mich eine Weile beschäftigen, falls ich überhaupt soweit komme. Hab‘ nämlich noch 😉 kein Fernglas.

    Lyriost schreibt am 23.01.2010 um 21:23 Uhr:
    Kommt darauf an, was du unter „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ verstehst. Wenn du Kants „Kritik der reinen Vernunft“ liest mit seinen Aussagen zum Begriff „Ding an sich“, Nietzsches perspektivisches Denken hinzunimmst und mit Erkenntnissen der Quantenmechanik inklusive Heisenbergs Unschärferelation vergleichst, kann es sein, daß du zum Schluß mit Wittgenstein der Meinung bist, worüber man nicht sprechen könne, darüber müsse man schweigen. Nun ja, schweigen muß man nicht, aber man darf spekulieren, wenn man sich klar darüber ist, daß man spekuliert und daß Sein, um mit Berkeley zu sprechen, Wahrgenommenwerden ist. 😉

    Unbreakable schreibt am 23.01.2010 um 23:03 Uhr:
    Mit solch einer Antwort hatte ich gerechnet. Fühl dich also wahrgenommen. 😉 Ich beiß mich schon durch. 🙂

    Lyriost schreibt am 24.01.2010 um 00:24 Uhr:
    Percipior, ergo sum. 😉

    Unbreakable schreibt am 24.01.2010 um 17:16 Uhr:
    Ob Tipp oder nicht … Interessantes fand ich. 😉

    Lyriost schreibt am 24.01.2010 um 19:02 Uhr:
    Wenn man einmal richtig anfängt zu suchen, findet man oft mehr, als man verkraften kann … 😉

    Unbreakable schreibt am 24.01.2010 um 19:58 Uhr:
    Bin, weil unbreakable, eher besorgt, das Gefundene nicht fassen zu können. 😉

    Unbreakable schreibt am 27.01.2010 um 23:45 Uhr:
    Eigentlich (eigentlich ist ein schönes Wort 😉 ) ist das eine interessante Sicht der „Dinge“. Ob sie aber des „Pudels Kern“ trifft? Da zitiere ich doch immer wieder mal gern Kästner: „Über Antropophagie und Bildungshunger: Was weiß man schon über Menschenfresser? Fressen sie Mensch, wie sich’s gehört, mit Gabel und Messer? Schmeckt ihnen ein dicker, asthmatisch gewesener Bäcker besser als ein dünner, schmalfingriger König? Man weiß so wenig … “ 😉

    Lyriost schreibt am 28.01.2010 um 00:25 Uhr:
    Ich würde auf jeden Fall den dicken Bäcker vorziehen. 😉

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