Dornen im Bukett

Sosehr wir uns selbst auch lieben mögen, so argwöhnen wir doch im tiefsten Herzen, diese Liebe sei ein wenig übertrieben oder gar kindischer Narzißmus und unsere Mitmenschen könnten geneigt sein, derartige Übertreibungen zu belächeln. Das ist die dornige Blume im bunten Strauß unserer Eitelkeiten, die wir durch immer neue florale Überflechtungen vor den andern zu verbergen trachten.

Eine Antwort auf „Dornen im Bukett

  1. sunnysightup schreibt am 08.11.2009 um 09:45 Uhr:
    aber ist es nicht ein riesenunterschied, ob die dornige blume im strauß unserer eitelkeiten versteckt ist (den wir uns irgendwie selbst zurecht zimmern) oder ob sie zwischen den gewächsen der liebe zu uns selbst (über deren wachstum wir ganz anders wachen) stört?
    der brennende wunsch geliebt zu werden ist fatal. und er gründet keinesfalls auf liebe zu sich selbst.

    wie ist es erstmal mit dem wunsch überhaupt lieben zu können?

    zartgewebt schreibt am 08.11.2009 um 10:20 Uhr:
    *Das ist die dornige Blume im bunten Strauß unserer Eitelkeiten, die wir durch immer neue florale Überflechtungen vor den andern zu verbergen trachten.*
    ~~~
    Auch wenn sie verborgen scheint, wer eine feine Nase besitzt,
    dem wird der Duft dieser dornigen Blume nicht entgehen,
    er wird sie orten können.

    Lyriost schreibt am 08.11.2009 um 10:33 Uhr:
    Der brennende Wunsch, geliebt zu werden, gründet darauf, nicht die Liebe zu erfahren, die man sich wünscht. Die Selbstliebe ist ein Kompensationsversuch und ein Hinweis an die andern, hier sei etwas, das zu lieben sich lohne. Mit dem Strauß von Eitelkeiten machen die Menschen auf sich, dieses, wie sie meinen, lohnende Liebesziel, aufmerksam. Da ihre Werbung selten dauerhaft von Erfolg gekrönt ist, stechen die Dornen des Selbstzweifels zunehmend und gebären immer neue bunte Eitelkeitsprodukte.

    Der Wunsch nach Liebe ist elementar und jenseits jeder Moral, der Wunsch, lieben zu können, ein Reflex auf moralische Konventionen. Jenseits gesellschaftlich-moralischer Sozialisation, in ihrer naturgegebenen Disposition sind die Menschen Nehmende, nicht Gebende.

    sunnysightup schreibt am 08.11.2009 um 14:27 Uhr:
    „der Wunsch, lieben zu können, ein Reflex auf moralische Konventionen“

    auweiha.

    ich bin ernsthaft entsetzt und widerspreche nachdrücklich.

    Lyriost schreibt am 08.11.2009 um 15:51 Uhr:
    Vielleicht fehlen auch nur Kenntnisse in Anthropologie …

    Lyriost schreibt am 08.11.2009 um 16:05 Uhr:
    Liebe sunnysightup, widersprechen ist naturgemäß legitim, aber vermutlich nicht so einfach zu begründen, wie du glaubst.

    Inwiefern siehst du den Wunsch, lieben zu können, in der Natur des Menschen verankert? Ist dieser Wunsch nicht vielmehr Ausdruck unseres moralisch-kulturgeschichtlichen Liebeskonzepts, beginnend in etwa mit der platonischen Philosophie?

    sunnysightup schreibt am 08.11.2009 um 16:14 Uhr:
    und jetzt lasse ich den wunsch, lieben zu können, einfach mal beiseite und frage nach dem mir unbegreiflichen wunsch, alles begründen zu wollen.

    ja. ich lenke ab. und das ganz bewusst. weil es dinge gibt, die nicht erklär- oder beschreibbar sind…

    Lyriost schreibt am 08.11.2009 um 16:36 Uhr:
    Wenn unser Gehirn nicht den „Wunsch“ hätte, alles begründen zu wollen, würden wir alle noch mit Bananen spielen und uns bei Gewitter verkriechen, weil wir glaubten, die Übergroßen da oben wären zornig auf uns. 😉

    sunnysightup schreibt am 08.11.2009 um 16:56 Uhr:
    ach, weißt du, manchmal denk (!) ich, das wäre schöner…

    Lyriost schreibt am 08.11.2009 um 17:05 Uhr:
    Solange nicht die Tiere mit den langen, scharfen Zähnen kommen … 😉

    sunnysightup schreibt am 08.11.2009 um 19:58 Uhr:
    *lach

    was wäre die wilde leidenschaft in der höhle ohne die tiere mit den langen, scharfen zähnen?

    *nochmallach

    bin ich naiv?

    ja.

    herrlich.

    ich bin naiv…

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