Identität und Pose

Wer seine Identität nicht findet, erfindet sich eine Pose, damit auch er etwas vorzuweisen hat. Das ist durchaus legitim, ist es doch in unserer statusverliebten Gesellschaft notwendig, den Anschein genuiner Identität zu erwecken. Die Crux solcher Erfindungsgabe aber ist das schlechte Gedächtnis. Statt die Pose als eine vorübergehend benötigte Krücke zu betrachten und weiter auf Identitätssuche zu bleiben, gibt sich der Poseur mit seinem Krüppeldasein zufrieden und identifiziert sich so sehr mit seiner Pose, daß er vergißt, sie als das zu betrachten, was sie ist: seine Notgeburt; und so richtet er sich in einer stelzenhaften Scheinidentität ein und vergißt seinen Traum vom eigenständigen Laufen. 

Eine Antwort auf „Identität und Pose

  1. Zwischenweltler schreibt am 03.11.2009 um 12:33 Uhr:
    Der Psychologe würde hier noch den Stempel „F60.8“ darunter setzen. 😉

    Lyriost schreibt am 03.11.2009 um 12:36 Uhr:
    Stimmt. 😉

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