Mißverständnis

Nach dem Liebesspiel
sagte Frau Bär
zu ihrem Gatten:
Du bist eine Sau, Bär.
Das betrübte ihn
und er tapste zum Fluß
dort wusch er sich und
rubbelte sein Fell.

Als er zurückkam
strahlte er und sagte:
Nichts ist sauberer
als ein sauberer
Bär.

Glauben und Denken

Jedem Glauben liegt das Streben nach einem Gefühl der Geborgenheit zugrunde, und der Verzicht auf beständige Glaubensinhalte ist ein Sich-Schicken ins Ungeborgene, ein Sprung in die Leere, der durchaus Mut erfordert, der aber notwendig ist, um das Sehen zu lernen. Sonst sehen wir nur, was andere uns zeigen, und übersehen die Löcher in den Glaubensdecken, die uns andere gereicht haben und die wir uns umhängen – voller Verwunderung, daß es so etwas gibt, und voller böser Vorahnung, daß die fremden Decken uns nicht dauerhaft erwärmen werden.

Und wenn uns das überfordert, was wir durch die eigenen Augen zu sehen bekommen, können wir jederzeit wieder unter eine der Glaubensdecken kriechen, so wir dann noch eine finden, die keine Löcher hat.

Über Zwang

Zwang ist Zwang. Sicher. Aber es ist ein Unterschied, ob man einen Hungrigen zum Essen zwingt oder einen Satten. Und der Zwang, dem ein Wehrloser ausgeliefert ist, ist ein anderer als der, der die Wünsche eines wehrhaften Autoritätshörigen befriedigt.

Schlaf des Selbstgerechten

»Er schläft den Schlaf des Gerechten«, sagt man, denn ein gutes Gewissen sei ein sanftes Ruhekissen. Wie so manche Redensart, ist die vom »Schlaf des Gerechten« nicht allzu ernst zu nehmen. Selbstgerecht, sich ihrer Schuld nicht bewußt, guten Gewissens haben die Ungerechten häufig einen ruhigeren Schlaf als die andern. Daher sollte es besser heißen: Er schläft den Schlaf des Selbstgerechten.

Krankheit

Für einen Großteil der (zumindest scheinbar) gesunden Menschen ist die offensichtliche Krankheit der anderen in erster Linie eine willkommene Gelegenheit, (sich selbst) auf die eigene Gesundheit hinzuweisen.