Wortreich

Wenn einer wortreich erklärt, es sei vollkommen unsinnig, viele Worte zu machen, dann frage ich schon mal nach dem Grund seiner eigenen Wortgebirge, und dann kommen die merkwürdigsten Antworten. Hin und wieder auch mal eine wortreiche Beschimpfung. Die schönste Reaktion aber ist die wortreiche Aufforderung, zwischen den Zeilen zu lesen. Irgendwo wird der Sinn zu finden sein. Und wenn ich dann zwischen den Zeilen lese und über das Gelesene sprechen will, kommt entweder keine Reaktion mehr oder die karge Bemerkung, ich hätte nicht richtig gelesen.

Esoterik und Intellekt

Einige Esoteriker in der Nachfolge Oshos neigen dazu, den Intellekt intellektuell zu verteufeln: Sie kleben sich mit Hilfe ihrer reduzierten Interpretation des Intellekts, den Teil für das Ganze nehmend, einen Pappkameraden mit Namen Intellekt zusammen, stellen jede Menge leere Flaschen drumherum auf, und dann stoßen sie alles mit dem gleichen reduzierten Intellekt und großem Getöse wieder um.

Wen kann das überzeugen, wenn nicht ihren Intellekt? Wenn man, wie ich, davon ausgeht, daß das, was dort als Intellekt bezeichnet wird, nur das ist, was der nichtintuitive Intellekt durch analytische Dekonstruktion des Denkens übrigläßt, dann kann man nur lächeln darüber, wie sie sich selbst auszutricksen versuchen, rein intellektuell. Das, was dort als Intellekt beschrieben wird, ist doch schon eine Reduktion des Intellekts mit Hilfe des Intellekts. Das ist nicht schwer zu verstehen, jedenfalls dann nicht, wenn der Intellekt um diese Tendenz seines Wesens weiß und Wert darauf legt, nicht von sich selbst auf einen Teil seiner selbst reduziert zu werden. Das kann man natürlich nur verstehen, wenn man nicht rein intellektuell an die Beschreibung des Intellekts herangeht. Das, was verschiedentlich von Esoterikern als Intellekt beschrieben wird, um das Denken allgemein zu desavouieren, ist nur ein Teil dessen, was vom Denken übrigbleibt, wenn sie es reduziert-intellektuell zergliedern. Das, was dort als Denken bezeichnet wird, ist kein reales Bild, sondern ein modellhaft-intellektuelles Bild des Denkens.

tao

Glauben und Denken

Jedem Glauben liegt das Streben nach einem Gefühl der Geborgenheit zugrunde, und der Verzicht auf beständige Glaubensinhalte ist ein Sich-Schicken ins Ungeborgene, ein Sprung in die Leere, der durchaus Mut erfordert, der aber notwendig ist, um das Sehen zu lernen. Sonst sehen wir nur, was andere uns zeigen, und übersehen die Löcher in den Glaubensdecken, die uns andere gereicht haben und die wir uns umhängen – voller Verwunderung, daß es so etwas gibt, und voller böser Vorahnung, daß die fremden Decken uns nicht dauerhaft erwärmen werden.

Und wenn uns das überfordert, was wir durch die eigenen Augen zu sehen bekommen, können wir jederzeit wieder unter eine der Glaubensdecken kriechen, so wir dann noch eine finden, die keine Löcher hat.

Über Zwang

Zwang ist Zwang. Sicher. Aber es ist ein Unterschied, ob man einen Hungrigen zum Essen zwingt oder einen Satten. Und der Zwang, dem ein Wehrloser ausgeliefert ist, ist ein anderer als der, der die Wünsche eines wehrhaften Autoritätshörigen befriedigt.